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Mit dem Nagetusch-Wohnmobil übers Land

Ein Verein macht einen alten Vintage Caravan wieder fit, um Menschen in den Dörfern zu vernetzen. Dabei werden noch Gestaltungsideen gesucht.

Diesen alten Wohnwagen aus DDR-Zeiten will ein Nossener Verein wieder fit für die Straße machen.
Diesen alten Wohnwagen aus DDR-Zeiten will ein Nossener Verein wieder fit für die Straße machen. © Dirk Dobiéy

Nossen. Kathrin Dobiéy ist Neulandgewinnerin. Was ist das? Dahinter verbirgt sich ein Programm der Robert Bosch Stiftung, das Menschen dabei unterstützt, ihre Ideen für ein schöneres Leben in ihrem Ort umsetzen zu können. So hatte der im vorigen Jahr in Raußlitz gegründete Verein „Landgestalten“ – hervorgegangen aus dem Projekt „Land und Kultur gestalten“ – die Idee, mit einem alten Wohnwagen übers Land zu ziehen, um Menschen zu vernetzen.

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„Es soll ein Ort des Austauschs, der Beteiligung und der Zusammenarbeit sein“, sagt Kathrin Dobiéy. In den vergangenen zwei Jahren bauten Engagierte innerhalb des Projektes „Land und Kultur gestalten“ ein Netzwerk auf. Verschiedene Angebote brachten Dorfbewohner zusammen. „Doch nicht alle Leute auf dem Land sind so mobil. Da haben wir uns gedacht: Wenn sie nicht zu uns kommen können, dann können wir zu ihnen fahren.“ Und so war die Idee geboren.

Die Macher nennen den Wagen das „LandgestaltenMobil“. Noch steht der alte Vintage Caravan von Nagetusch in einer Garage. Sehr viel Handarbeit, handwerkliches Können und Vorstellungskraft sind nötig, um sich vorzustellen, wie der Wagen im neuen Design über die Dörfer rauscht. Mal als Verkaufswagen, mal als Wissensmobil, mal als kleiner Transportwagen für Dinge, die bei Tanzveranstaltungen oder Workshops gebraucht werden. „Wir wollen ihn für eine vielfältige Nutzung ausstatten. Der Wagen soll Symbolcharakter mit einem ausgefallenen Design Synonym für die ländliche Vernetzung sein. Die Leute sollen sich darauf freuen – wie früher auf den Eiswagen“, so das Ziel. Zudem sei auch die Anschaffung eines zweiten Wagens mit funktionalem Charakter geplant, in dem auch Bierbänke, Tische, eine Zapfanlage oder Teile für eine Bühne untergebracht werden können.

Kathrin Dobiéy ist das Gesicht der erfolgreichen Bewerbung des Raußlitzer Vereins Landgestalten um die Fördergelder aus dem Programm "Neulandgewinner".
Kathrin Dobiéy ist das Gesicht der erfolgreichen Bewerbung des Raußlitzer Vereins Landgestalten um die Fördergelder aus dem Programm "Neulandgewinner". © Claudia Hübschmann

Auf das Förderprogramm Neulandgewinner stießen die Initiatoren im vorigen Jahr zufällig, als sie auf der Grünen Woche in Berlin ihr Projekt „Land und Kultur gestalten“ und die Initiative „Kulturhauptdorf 2025“ vorstellen durften. Frauen eines Nachbarstandes dort waren Neulandgewinner. „Sie haben über ihre Initiative erzählt. Und wir dachten dann, da können wir uns auch bewerben“, erzählt Kathrin Dobiéy. Gesagt, getan.

Mitmachen erwünscht

Inzwischen ist der Caravan komplett entkernt. Der äußere alte Lack abgeschliffen, nötige Schweißarbeiten gemacht. Als nächstes muss er verkabelt werden, „dabei unterstützt uns Autoservice Hempel aus Görna.“ Für das Design der Außenhülle kann jeder, der Lust hat, Ideen einbringen. „Natürlich haben wir vom Verein auch Vorstellungen. Aber es soll ein Gemeinschaftsprojekt werden.“ Deshalb hat der Verein auf seiner Internetseite eine Malvorlage vom Wohnmobil zum Download bereitgestellt. Die Gestaltungsvorschläge können noch bis Ende März eingereicht werden, sagt die Neulandgewinnerin.

Und ganz im Sinne eines Gemeinschaftsprojektes freuen sich die Initiatoren auch auf Vorschläge der umliegenden Vereine, Initiativen, Schulen oder Feuerwehren. „Wenn wir wissen, wofür der Anhänger alles nützlich sein könnte, können wir die Innengestaltung entsprechend anpassen.“

Das Förderprogramm Neulandgewinner wurde bereits zum fünften Mal aufgelegt. Die Prämierten werden zwei Jahre finanziell bei ihren Projekten unterstützt. Für die Förderperiode 2021 bis 2022 gab es aus Sachsen 22 Bewerbungen, sieben haben das Fördergeld vom Freistaat und der Stiftung erhalten. Doch es gibt nicht nur finanzielle Unterstützung. „Hinter Neulandgewinner verbirgt sich ein sehr lebendiges, tolles Netzwerk“, erzählt Kathrin Dobiéy. „Auch die Neuen werden sofort eingebunden. Sie bekommen zum Beispiel ein Coaching und einen Mentor genannt“, schwärmt sie.

Entsprechend dazu passt dann auch das Wortspiel der Neulandgewinnerin für das Projekt des Landgestalten-Teams mit ihrem LandgestaltenMobil: „Mit unserem Anhänger ist keiner abgehängt.“

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