Meißen
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Mit Doku-Soap zum Traumschloss

Es ist Mandy Auerswalds Lebensaufgabe, Schloss Pinnewitz in alten Glanz zu versetzen. Um das zu finanzieren, spielt sie auch regelmäßig in TV-Reihen mit.

Von Uta Büttner
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Schloss Pinnewitz hat wieder eine Turmuhr, Marke Eigenbau. Mandy Auerswald und Mike Köhler setzen die Uhr gerade ein.
Schloss Pinnewitz hat wieder eine Turmuhr, Marke Eigenbau. Mandy Auerswald und Mike Köhler setzen die Uhr gerade ein. © Claudia Hübschmann

Nossen. Es sind die letzten Handgriffe am heutigen Tag. Mandy Auerswald und Mike Köhler setzen die neue, antik wirkende Turmuhr im Schloss Pinnewitz ein. Wo zuvor noch ein etwa 90 Zentimeter großes Loch klaffte, ziert jetzt ein goldenes Ziffernblatt auf königsblauem Hintergrund das historische Gebäude. Auerswald, Architektin und Schloss-Eigentümerin, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Schloss nach originalem Vorbild wieder aufzubauen. Eigens dafür wurde ein Verein gegründet, der Spenden sammelt. Doch das Geld reicht bei Weitem nicht aus, um das alte Gemäuer instand zusetzen. Deshalb setzt sie auch auf Doku-Soaps, um Stück für Stück Sanierungsarbeiten auszuführen. So begleitete diesmal ein TV-Team den Bau der Uhr für eine neue Dokumentationsreihe mit dem Arbeitstitel „Traumhäuser“ auf Vox.

„Es ist sportlich, was die Frau hier vorhat. Da gehört einiges an Power und ein Stück Wahnsinn dazu“, schildert Hagen Kanawati – er leitete das Filmteam – seine ersten Eindrücke und Gedanken, als er den Schlosszustand sah und ihm sofort klar wurde, was noch alles zu tun ist. Zwei Tage wurde gedreht. Es galt, mit einfachen Mitteln und Kreativität die Uhr zu bauen. So wurde das einstige schwarze, aus Metall bestehende Ziffernblatt golden angesprüht. Der Hintergrund ist eine Holzplatte, die einen Farbanstrich bekommen hat.

„Leider haben wir keine Aufzeichnungen gefunden und mussten uns deshalb überlegen, wie die Uhr vielleicht ausgesehen haben könnte“, erzählt Auerswald. Trotz altertümlicher Erscheinung durfte etwas Moderne auch dabei sein. So wurde die Uhr mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. 100 Löcher für jedes einzelne Lämpchen hat Mike Köhler dafür gebohrt. „Zuvor habe ich mir ganz schön einen Kopf gemacht, wie ich alle Löcher im gleichmäßigen Abstand in die Platte bekomme“, erzählt er. „Wir haben lange überlegt, wie wir es machen, sind aber zu keiner anderen Lösung gekommen. Eigentlich wollte ich ihm die vielen Löcher ersparen“, sagt Auerswald. Mit dem Ergebnis sind sie und ihre Mitstreiter zufrieden. „Es ist ein kleiner Erfolg im großen Schlossprojekt. Aber darum geht es ja“, resümiert die Eigentümerin.

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„Es ist Wahnsinn, was die junge Frau mit zwei kleinen Kindern hier vorhat“

Mandy Auerswald stand nicht das erste Mal vor der Kamera. Sie hat schon in einigen Doku-Reihen mitgewirkt. „Diesmal hat mich Magis TV angeschrieben, ob ich bei dem neuen Format mitmachen möchte“, erzählt sie. Es sei ein Pilot-Projekt, bei dem auch auf Schloss Pinnewitz jetzt in den nächsten Monaten weitere Baumaßnahmen mit Dreharbeiten begleitet werden.

Kleine Restarbeiten an der Uhr sind jetzt zu meistern, die während der Dreharbeiten nicht geschafft wurden. So müssen die LED-Leuchten noch eingeklebt werden. Derzeit stecken sie noch provisorisch in den Löchern. Wieder eine Aufgabe für Mike Köhler, der gemeinsam mit seiner Partnerin Nicole Braun und den vier Kindern in einem der Nebengebäude – in der alten Brennerei – des Schlosses wohnen. Beide lieben das „individuelle und chaotische Leben auf dem Gelände“, erzählen sie und helfen mit, wo es geht.

Auerswald hatte das Schlossensemble mit Nebengebäuden und Schlosspark vor zehn Jahren erworben. „Ich hatte mich sofort in den Ort verliebt“, beschreibt die heute 40-Jährige die Gründe zum Kauf. Ein Konzept zur Sanierung habe sie, „wovon aber hin und wieder einmal abgebogen wird“, sagt sie lachend. Einige Ferienwohnungen sind bereits komplett saniert. Und irgendwann soll einmal in der alten Brennerei ein Spa-Bereich mit Sauna entstehen.

Nach zwei Tagen Dreharbeiten, in denen Hagen Kanawati die Schloss-Besitzerin besser kennenlernen konnte, ist er sich sicher: „Mandy kriegt das gewuppt hier.“ Ob er die nächsten Filmaufnahmen wieder leiten wird, weiß er noch nicht. Lust darauf hätte er auf jeden Fall. „Es ist Wahnsinn, was die junge Frau mit zwei kleinen Kindern hier vorhat. Aber ich stehe auf Wahnsinn. Ich habe Blut geleckt. Was Mandy sich hier zutraut, in dieser Art und Weise habe ich das noch nicht erlebt“, resümiert er voller Hochachtung.

Nach den zweifelnden Gedanken am ersten Tag der Schlossbesichtigung – "oh Gott, oh Gott, oh Gott" –, ist er sich nun sicher: „Es braucht Zeit, aber es wird.“ Zwar kein Prunkschloss, aber das müsse ja auch nicht sein.