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Neue Perspektiven für das Kornhaus

Die Bewerbung Meißens für die Welterbeliste könnte eine Neuordnung der Verhältnisse auf dem Burgberg mit sich bringen.

Das Kornhaus soll wieder in öffentlichen Besitz gelangen. Die Meißner Stadträte wollen sich dazu an den Freistaat wenden.
Das Kornhaus soll wieder in öffentlichen Besitz gelangen. Die Meißner Stadträte wollen sich dazu an den Freistaat wenden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Wenn sich Meißen um Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco bemüht, könnte dies auch mit neuen Chancen für das Kornhaus verbunden sein. Dieser Eindruck ergibt sich aus der Stadtratssitzung am Mittwochabend. Denn das Gebäude, das nach dem Verkauf an italienische Investoren seit Jahren verwahrlost, soll zum abgegrenzten Gebiet der Meißner Bewerbung gehören. So schlägt es ein Team von Experten vor, das im Auftrag der Stadt die Bewerbung Meißens vorbereitet.

Mit dem Burgberg-Ensemble sowie dem Gelände der Porzellan-Manufaktur soll der außergewöhnliche und universelle Wert der Stätten des Meissener Porzellans nachgewiesen werden, erklärte der Kunsthistoriker Dr. Matthias Donath vor den Stadträten. Die Chancen dafür stehen gut, denn bislang gibt es noch keine Porzellanstätte auf der Welterbeliste in 193 Vertragsstaaten der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Deshalb und weil Altstädte und Dome überrepräsentiert sind, schlagen die Experten die enge räumliche Begrenzung vor.

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Die Bewerbung, die bis zum Jahresende ausformuliert und den Stadträten zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll, konzentriert sich auf die Albrechtsburg, das Kornhaus, die Häuser auf der Südseite des Burgberg-Ensembles, die Schlossbrücke und das Haus am Hohlweg 3 sowie das Betriebsgelände der Porzellan-Manufaktur im Triebischtal. Anhand dieser Gebäude und ihres Innenlebens soll die Bewerbung nachweisen, dass von Meißen wesentliche Impulse für die Herstellung des europäischen Hartporzellans sowie der Entwicklung der Porzellankultur ausgingen.

Bis zum 31. März des kommenden Jahres muss die Meißner Bewerbung in Dresden vorliegen, um in die nächste Liste der sächsischen Kandidaten aufgenommen zur werden, erläuterte Matthias Donath das weitere Prozedere. Daraus wählt der Freistaat seine Vorschläge für die nationale Vorauswahlliste aus. Weitere Experten entscheiden daraus über die Kandidaten für die deutsche Bewerberliste. Aus dieser auch Tentativliste genannten Aufstellung kann die Bundesrepublik Deutschland in jedem Jahr einen Vorschlag bei der Unesco-Zentrale in Paris melden. Im besten Falle wäre das für Meißen im Jahr 2025 möglich – realistisch ist eine Wartezeit von etwa 20 Jahren, so Matthias Donath.

Die Stadt muss sich an den Freistaat wenden

In der Debatte verwies Ingolf Brumm (Linke) auf die „komplizierten Besitzverhältnisse“ einzelner Gebäude innerhalb der Bewerber-Gebiete, wozu er auch das Kornhaus zählte. Das Kornhaus, das in Verbindung mit der Albrechtsburg als erste Produktionsstätte des Meissener Porzellans zu betrachten ist, befindet sich derzeit in privatem Besitz, erklärte Dr. André Thieme, der als Bereichsleiter der Schlösserland Sachsen gGmbH an der Meißner Bewerbung mitwirkt. Die Schlösserland Sachsen gGmbH sei bereit, es wieder zu übernehmen, erklärte er.

Die Stadt müsse sich allerdings an den Freistaat wenden, um ein Kaufangebot zu erreichen, entgegnete er Simone Teske von der CDU/FDP/Freie Bürger/U.L.M.-Großfraktion. Die Stadträtin hatte das Unternehmen des Freistaates aufgefordert, sich umgehend für einen Rückkauf des Kornhauses einzusetzen. Im Verlauf der Stadtratssitzung einigten sich die Stadträte darauf, ein entsprechendes Schreiben an die Staatsregierung zu verfassen.

Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) sagte, die Verwaltung werde zeitnah einen Entwurf im Ältestenrat präsentieren  und danach den Stadträten als Beschlussentwurf vorlegen. Das Schreiben soll der OB persönlich an Ministerpräsident Michael Kretschmer übergeben, fordert Stadträtin Simone Teske.

Sollte es gelingen, das Kornhaus wieder in städtischen Besitz zu bringen, könnte darin das Welterebezentrum eingerichtet werden. Ein solches Zentrum schreiben die Regeln der Unesco vor, ebenso wie den Erhalt der Bausubstanz und regelmäßige Evaluierungen. Welche Kosten damit verbunden sind, sei derzeit noch nicht bezifferbar, antwortete Mathias Donath auf die Frage von Oliver Eggert (AfD).

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Die Kosten für die Bewerbung könnten nach Aussage vom sächsischen Regionalmanagement zwischen 50.000 und 1,5 Millionen Euro liegen, so der Kunsthistoriker. Er selbst erwarte aber keinen Millionenbetrag, fügte er hinzu. André Thieme ergänzte, dass vier Partner – neben der Stadt die Porzellan-Manufaktur, die Porzellan-Stiftung sowie die Schlösserland Sachsen gGmbH – die Meißen-Bewerbung auf den Weg bringen wollen und dass sie sich die Kosten teilen. 

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