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Notretter in Not

Beim Wintereinbruch hatte die Halle vom DRK Kreisverband Meißen Minusgrade. Die Wasserflaschen der Helfer waren gefroren gewesen.

DRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Ruppert in der Unterkunft der Meißner Rettungskräfte, die keine leichten Arbeitsbedingungen bietet.
DRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Ruppert in der Unterkunft der Meißner Rettungskräfte, die keine leichten Arbeitsbedingungen bietet. © Claudia Hübschmann

Meißen. Beim Wintereinbruch hatte die Halle vom DRK Kreisverband Meißen Minusgrade. Eine hauptamtliche Rettungskraft würde hier keine Schicht antreten, sagt der Kreisgeschäftsführer. Die große Halle sieht aus wie ein Provisorium, in dem man so lange ausharren muss, bis etwas Passendes gefunden ist.

Doch sie ist seit Jahrzehnten der Stützpunkt des Katastrophenschutzes und Wasserrettungsdienstes des DRK Kreisverbandes Meißen. Gerade kommen zwei Helfer im Einsatzwagen zurück: Sie waren am Berufsschulzentrum Meißen-Radebeul, um Corona-Schnelltests durchzuführen. Der Kreisgeschäftsführer, Christoph Ruppert, sagt mit ironischem Lächeln: „Herzlich willkommen in unserer Unterkunft. So ist das DRK im Landkreis untergebracht.“

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Vor knapp einem Jahr hat er sich schon einmal an die Sächsische Zeitung gewandt, um auf die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Kalthalle auf der Weinböhlaer Straße in Niederau hinzuweisen. Doch geändert hat sich seitdem nicht viel. Der Fuhrpark ist größer geworden: Mittlerweile stehen den 145 ehrenamtlichen Mitarbeitern 16 Einsatzfahrzeuge und vier Anhänger zur Verfügung.

Das ist natürlich ein Grund zur Freude, aber gleichzeitig auch ein Platzproblem. In der Fahrzeughalle befinden sich auch noch die Toiletten, der Schulungsraum und die Umkleiden: „Für eine Fahrzeughalle und Sozialtrakt bräuchten wir eigentlich zwischen 5.000 und 7.500 Quadratmeter“, sagt Christoph Ruppert. Die Halle sei aber nur etwa 2.000 Quadratmeter groß.

Als Mitte Februar der heftige Wintereinbruch kam, wurde es richtig unangenehm: „Ein Wasseranschluss sowie eine Möglichkeit der Beheizung fehlen in Gänze“, sagt der Kreisgeschäftsführer, „wir hatten Minusgrade in unserer Unterkunft.“ Die Wasserflaschen der Helfer seien gefroren gewesen.

Gleich hinter dem Eingang zur Halle befinden sich der Schulungsraum und die Umkleiden unter einem Pavillon, der nicht beheizt werden kann: „Wir sind die Reserve für den Rettungsdienst und müssen unter solchen Bedingungen arbeiten“, sagt Christoph Ruppert, der seit 2017 Kreisgeschäftsführer ist. Eine hauptamtliche Rettungskraft würde ihren Dienst hier gar nicht erst antreten.

Was aussieht wie ein Provisorium, ist seit Jahrzehnten Stützpunkt des Katastrophenschutzes und Wasserrettungsdienstes im Kreis Meißen. In den letzten Wochen herrschten hier oft Minusgrade.
Was aussieht wie ein Provisorium, ist seit Jahrzehnten Stützpunkt des Katastrophenschutzes und Wasserrettungsdienstes im Kreis Meißen. In den letzten Wochen herrschten hier oft Minusgrade. © Claudia Hübschmann

Dabei wird das DRK gerade jetzt verstärkt gebraucht: Während des Wintereinbruchs vor wenigen Wochen waren 16 Helfer auf der Autobahn, um eingeschneite Lkw-Fahrer mit warmen Speisen und Getränken zu versorgen. Sie selbst mussten sich bei Minusgraden in der Unterkunft umziehen. Im letzten Jahr hatte der Kreisverband aufgrund der Corona-Krise 50 Einsätze. Sie übernehmen Krankentransporte und helfen bei den Corona-Testungen der Mitarbeiter und Bewohner in Pflegeheimen.

Der Amtsleiter für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen des Landkreises Meißen teilt dazu Folgendes mit: „Die derzeitige Situation der Unterbringung wird auch von uns nicht als optimal angesehen“, sagt Ronald Voigt. Allerdings ist der DRK Kreisverband Meißen der Träger des Katastrophenschutz-Einsatzzuges und erhält vom Freistaat Sachsen eine entsprechende anteilige Förderung und ist somit für die Unterbringung selbst zuständig, so der Amtsleiter. Für ein Tätigwerden fehlten dem Landratsamt die gesetzlichen Grundlagen, da der DRK Kreisverband der Mieter des Objektes ist.

Im Freistaat Sachsen gibt es pro Landkreis drei Katastrophenschutz-Einsatzzüge. Im Landkreis Meißen in Radebeul, Glaubitz und Niederau, wobei die Radebeuler und Glaubitzer besser untergebracht sind, findet Christoph Ruppert. Da der Großteil seiner Ehrenamtler aus Meißen, Weinböhla und Coswig kommt, wünschen sie sich eine neue Unterkunft im Stadtgebiet Meißen. Doch das Geld für den Grundstückspreis können sie nicht aus Eigenmitteln finanzieren. Die Fördermittel vom Freistaat reichen für eine neue Fahrzeughalle und den Sozialtrakt, aber nicht für die Baufläche.

Noch dazu fehlt es derzeit an anderen Möglichkeiten einer Unterbringung, so das Landratsamt: „Es gibt keine geeigneten landkreiseigenen Objekte, Mietobjekte oder Grundstücke in Meißen, aber wir sind dazu immer wieder im Gespräch mit dem Kreisverband“, sagt Ronald Voigt. Der DRK-Geschäftsführer hat dazu eine etwas andere Meinung: „Das Landratsamt sagt uns immer wieder, dass die Situation hier ein schwieriges Thema ist, aber geht dann zum nächsten Ordnungspunkt weiter.“ Gerade jetzt in der Corona-Krise wird das DRK dringend gebraucht, aber der Einsatz der vielen freiwilligen Helfer sei dann auch schnell wieder vergessen.

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