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Pläne für das Prälatenhaus

Der Meißner Architekt Thomas Bretschneider bereitet die nächsten Bauarbeiten in dem historischen Gebäude an den Roten Stufen 3 vor.

Thomas Bretschneider im Dachgeschoss des Prälatenhauses. Die Fläche könnte zum Lagern von Büro- oder Archivmaterial genutzt werden.
Thomas Bretschneider im Dachgeschoss des Prälatenhauses. Die Fläche könnte zum Lagern von Büro- oder Archivmaterial genutzt werden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Ein Staffellauf. Dieses Bild scheint Thomas Bretschneider am besten geeignet, um die Aufgabe zu beschreiben, die er an den Roten Stufen 3 übernommen hat. Der Meißner Architekt kümmert sich um die weitere Sanierung des Prälatenhauses. Den Auftrag dazu erhielt der von der Stadt, die nach einem gescheiterten Deal mit der Hornschen Stiftung seit zwei Jahren wieder in vollem Umfang Eigentümerin des Gebäudeensembles ist.

Den Staffelstab hat Thomas Bretschneider vom Kuratorium „Rettet Meißen – Jetzt!“ übernommen. In dem Verein hatten sich in Wendezeiten engagierte Bürger der Stadt zusammengefunden, um die Bausubstanz der historischen Meißner Altstadt vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Mit ihren Fähigkeiten, aber auch Kontakten, gelang es ihnen, auch das 1509 errichtete Prälatenhaus mit dem spätgotischen Backsteingiebel, das als Meißens ältestes Wohnhaus gilt, zu retten. 

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Über die Jahre hatten sie sich um Spenden bemüht, Konzerte veranstaltet und immer wieder nach Fördermöglichkeiten gesucht, um Geld für dieses ehrgeizige Vorhaben aufzutreiben. Nachdem die Rettung gelungen war, gerieten Bemühungen um eine umfassende Sanierung des Gebäudes mehrfach ins Stocken – meist, weil es am Geld fehlte. Schätzungen beziffern den finanziellen Aufwand auf mindestens zwei Millionen Euro.

„Jetzt geht es darum, das Haus nutzbar zu machen“, beschreibt Thomas Bretschneider seine Aufgabe auf dieser Baustelle. Zwar ist das Haus an den Roten Stufen 3 äußerlich wieder ein Hingucker und durchaus anziehend für Einheimische und Besucher der Stadt – aber in seinem Innern bleibt noch allerhand zu tun. Haustechnik ist zu installieren, Toiletten müssen eingebaut werden. Außerdem ist die Brandschutz-Technik in dem historischen Gebäude so nachzurüsten, dass sie aktuellen Anforderungen entspricht. Ebenso harrt das Treppenhaus der denkmalgerechten Sanierung. Für die Statik des Gebäudes ist es außerdem wichtig, die  Holzbalkendecken über dem Erdgeschoss und über dem ersten Obergeschoss zu sanieren.

Im wieder aufgebauten Seitengebäude müssen die Räume noch nutzbar gemacht werden. Die dazu erforderlichen Bauarbeiten bereitet Thomas Bretschneider jetzt im Auftrag der Stadt vor.
Im wieder aufgebauten Seitengebäude müssen die Räume noch nutzbar gemacht werden. Die dazu erforderlichen Bauarbeiten bereitet Thomas Bretschneider jetzt im Auftrag der Stadt vor. © Claudia Hübschmann
Kunsthistorisch wertvolle Fresken haben Restauratoren in der Bohlenstube im zweiten Obergeschoss teilweise freigelegt. 
Kunsthistorisch wertvolle Fresken haben Restauratoren in der Bohlenstube im zweiten Obergeschoss teilweise freigelegt.  © Claudia Hübschmann
Die Holzbalkendecke über dem zweiten Obergeschoss soll im Zuge der anstehenden Bauarbeiten wieder geschlossen werden.
Die Holzbalkendecke über dem zweiten Obergeschoss soll im Zuge der anstehenden Bauarbeiten wieder geschlossen werden. © Claudia Hübschmann

In die Geschichte vertieft

Ist das alles erledigt, kann das Haus der Öffentlichkeit wirklich zugänglich gemacht werden. Dann können Besucher auch die kunsthistorisch bedeutsamen Fresken in der Bohlenstube im zweiten Obergeschoss, die vor zehn Jahren mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassen Stiftung teilweise freigelegt wurden, in Augenschein nehmen. Und dann können auch die vor Jahren bereits vom Kuratorium hergerichteten Räume in den beiden Geschossen des Seitenflügels genutzt werden.

Gedacht ist an die Vermietung als Bürofläche sowie an temporäre Nutzungen – für Workshops, für Ausstellungen, für Zusammenkünfte von Vereinen. Ein Konzept gibt es als Ideensammlung, die Christian Friedel vom stätischen Amt für Staadtmarketing, Tourismus und Kultur für den Fördermittelantrag zu Papier gebracht hatte. Es entspricht im Wesentlichen dem, was das Kuratorium vor 20 Jahren hier umsetzen wollte, sagt Thomas Bretschneider. Aber noch sind die Räume nicht tatsächlich verfügbar. Durch die Nutzung sollte die weitere Unterhaltung des Hauses finanziert werden können, umschreibt der Architekt das Ziel aller Bemühungen um dieses Gebäude.

Der Architekt, der aus seiner Liebe für dieses Projekt keinen Hehl macht, kennt das geschichtsträchtige Haus, das der bischöfliche Notar Nikolaus Heynemann im Mittelalter errichten ließ, bestens. Als junger Architekt kam er über seine damalige Chefin Antje Hainz mit dem Prälatenhaus in Berührung. „Antje Hainz hatte sich im Kuratorium für die Rettung stark gemacht – über Jahre hinweg“, berichtet Thomas Bretschneider, der heute als freier Architekt ein eigenes Büro in Meißen betreibt. Akribisch hat er sich in die Geschichte des „hochwertigen und geometrisch anspruchsvollen Gebäudes“ vertieft, auch weil alle Bauarbeiten unter restauratorischen Aspekten zu planen und auszuführen sind.

1999 war das Kuratorium dem Rat des im vorigen Jahr verstorbenen Denkmalschützers Andreas Christl gefolgt und hatte das Haus an den Roten Stufen 3 von der Stadt übernommen. Der Wiederaufbau des völlig verfallenen Nebengebäudes sowie die Restaurierung der Fassade und spätgotischer Freskenmalereien in den Bohlenstuben des Prälatenhauses gehören zu dem, worauf Thomas Bretschneider aufbauen kann.

Baugenehmigung bleibt gültig

Jetzt bereitet er die nächsten Bauarbeiten vor. Eine 2001 erteilte Baugenehmigung ist erloschen. Weil sich zahlreiche technische Regeln und Normen geändert haben, muss Thomas Bretschneider für seine Planungen – anders als zunächst erwartet – einen neuen Bauantrag erarbeiten. Erste Abstimmungen mit Bauaufsicht und Denkmalbehörde lassen aber erwarten, dass wesentliche Inhalte der Genehmigung von 2001 wie Statik, Brandschutz, Nutzung und Raumstruktur wohl nicht in Frage gestellt werden, zeigt er sich optimistisch.

Planen kann Thomas Bretschneider innerhalb eines Förderrahmens in Höhe von 870.000 Euro. Über das Europäische Förderprogramm zur regionalen Entwicklung (EFRE) steht diese Summe in diesem und im nächsten Jahr für die denkmalgerechte Sanierung des Prälatenhauses zur Verfügung. Ein Fünftel – 174.000 Euro – steuert die Stadt als Eigenmittel bei.

Im Bauausschuss wird er noch in diesem Monat seine Planungen vorlegen. Geben die Stadträte dort ihr OK, kann die Vergabe der einzelnen Bauaufträge vorbereitet werden. Möglichst bis zur Jahreswende soll feststehen, welche Firmen die Arbeiten in den verschiedenen Gewerken ausführen werden.

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Wie seine Vorgänger, die in den vergangenen Jahren mit dem Prälatenhaus befasst waren, weiß auch Thomas Bretschneider, dass angesichts der begrenzten finanziellen Mittel, Wünsche offen bleiben werden. Um die Bohlenstuben im Prälatenhaus an den Roten Stufen 3 für Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen nutzen zu können, bedarf es weiterer Bemühungen von Statikern, Architekten und hochspezialisierten Bauleuten. 

Ein Staffellauf eben. Am Ende des nächsten Jahres wird wieder eine gute Strecke zurückgelegt sein. 

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