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Randale im Fußballstadion

Ein Klipphausener soll sich vermummt und Polizisten angegriffen haben. Ihm wird aber noch ein viel schwererer Vorwurf gemacht.

Schwere Ausschreitungen gab es bei einem Drittligaspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden.
Schwere Ausschreitungen gab es bei einem Drittligaspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden. © Robert Michael

Meißen. Dieser Tag hätte eine Festtag für die Fußballfans von Dynamo Dresden  werden können. Es ist der 16. April 2016, 34.und letzter Spieltag in der Dritten Liga. Die Dresdner müssen beim Ostrivalen 1. FC Magdeburg antreten, können den Aufstieg in die Zweite Bundesliga perfekt machen. Doch viele Fans wollen nicht feiern, sondern randalieren. Sie sind schon aufgebracht, weil der Sonderzug mit 1.000 Fans mit 40 Minuten Verspätung in Magdeburg eintrifft. Sie fürchten nicht zu Unrecht, den Anpfiff zu verpassen. Und dann werden sie auch noch einzeln von der Polizei durch eine Schleuse geleitet. Auch das braucht Zeit. 

Aus dem Unmut wird Gewalt. Es kommt schon vor dem Spiel zu schweren Ausschreitungen. Eine Gruppe durchbricht eine Polizeikontrolle, wirft Steine und Flaschen auf die Polizisten. Mittendrin ein heute 37 Jahre alter Klipphausener. Vermummt mit einem schwarzen Schal soll er Polizisten bedroht und angegriffen haben. Jetzt, viereinhalb Jahre nach den Vorfällen, sitzt der Mann in Meißen vor dem Richter. Hausfriedensbruch wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Denn dem Mann wurde von der Polizei Stadionverbot erteilt. Trotzdem soll er ins Innere gelangt sein. 

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Die "Faust des Ostens"

Der Angeklagte will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Es gibt Videoaufnahmen und Fotos. Letztere sind stark vergrößert und entsprechend unscharf. Dennoch: Der Mann, der darauf abgebildet ist, könnte durchaus der Angeklagte sein. Identifiziert wurde er aber erst durch einen Ermittler in Dresden, der sich in der Fußballszene auskennt. Bis dahin war die "Person 76", wie er in der Ermittlungsakte genannt wird, namentlich unbekannt. Dabei wird der Angeklagte unter anderem als 1,80 bis 1,85 Meter groß beschrieben. Sein Mandant sei aber nur 1,70 Meter groß, argumentiert sein Verteidiger.

Auch auf den Polizeivideos ist nicht mit Sicherheit zu erkennen, ob es sich tatsächlich um den Angeklagten handelt. Wegen dieser Randale gab es schon mehrere Verfahren an verschiedenen Gerichten. Viele wurden eingestellt. In diesem Fall kommt noch etwas anderes hinzu. Der Angeklagte ist in der Szene gut bekannt. Er gehört der "Faust des Ostens" an, einer Vereinigung, die als terroristische Organisation eingestuft ist. Diese wurde nicht zufällig am 20. April 2010, also am Geburtstag von Adolf Hitler, gegründet. Damals bestand die Hooligan-Gruppierung aus etwa 50 Personen aus der Hooligan-Szene von Dynamo Dresden. Ihre Feindbilder sind vor allem die Polizei, westdeutsche Fußballfans sowie Ausländer. Die Gruppe gibt sich offen neonazistisch.

Wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ist der Klipphausener deshalb am Landgericht Dresden angeklagt. Die Taten stammen aus dem Jahr 2011, seit 2013 laufen die Ermittlungen. Bisher gab es aber lediglich einen Eröffnungsbeschluss, aber noch keine Verhandlung. Eine Nachfrage beim Vorsitzenden der Staatsschutzkammer am Landgericht Dresden ergibt, dass noch immer kein Hauptverhandlungstermin festgesetzt wurde. Allerdings werde dies "in nächster Zeit", wahrscheinlich im kommenden Jahr, erfolgen.

Lieber "Geisterspiele" als Randalierer

Im Hinblick auf die in diesem Verfahren zu erwartende Verurteilung stellt das Gericht dieses Verfahren ein. Es berücksichtigt auch, dass die Taten schon mehr als vier Jahre zurückliegen. Und eine Rolle dürfte auch gespielt haben, dass die Beweislage dünn ist.

Dynamo Dresden stieg damals durch das 2:2 in Magdeburg in die zweite Liga auf. Zwei Jahre lang kam es deshalb nicht zu Derbys zwischen Magdeburg und Dresden, dann schaffte auch der FCM den Sprung in die Zweitklassigkeit, stieg aber prompt wieder ab. Dennoch werden sich die beiden Mannschaften in dieser Saison wieder begegnen. Denn auch Dynamo musste den Gang in die Dritte Liga antreten.

Ob in dieser Saison aber Dresdner Fans nach Magdeburg reisen können, ist derzeit völlig unklar. Zwar dürfen im Moment Fußballspiele wegen Corona vor relativ wenigen Zuschauern durchgeführt werden. Auswärtsfans dürfen aber nicht anreisen. Vielleicht drohen auch wieder Geisterspiele. Auf "Geister" wie Randalierer können aber wahre Fußballfans gut und gerne verzichten.  

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