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Bürger bauen Buswartehäuschen

In Nossen ist der zweite Unterstand in Eigeninitiative entstanden. Diesmal in Graupzig.

Das neue von Bürgern gebaute Holzhäuschen im Nossener OT Graupzig bietet den Schülerinnen Florentine und Luisa Schutz, wenn sie auf den Bus nach Nossen warten.
Das neue von Bürgern gebaute Holzhäuschen im Nossener OT Graupzig bietet den Schülerinnen Florentine und Luisa Schutz, wenn sie auf den Bus nach Nossen warten. © Claudia Hübschmann

Nossen. Florentine und Luise sind begeistert. Die Schwestern, zwölf und 17 Jahre alt, stehen nicht mehr im Regen, wenn sie im Nossener OT Graupzig auf den Bus zu ihrer Schule warten. Denn ein Unterstand bietet ihnen Schutz. Zwar ist für Florentine derzeit noch Homeschooling angesagt, aber Luise muss schon wieder die Schule besuchen. Beide besuchen das Gymnasium in Nossen.

Normalerweise stehen sie jeden Morgen wie vier weitere Schüler an der Bushaltestelle in Graupzig, Abzweig Ziegenhain, um in die Schule zu fahren. Nach Raußlitz in die Grundschule oder nach Nossen, in die Oberschule oder das Gymnasium. Dank einer Gemeinschaftsinitiative entstand das kleine Wartehäuschen.

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Die Idee dazu gibt es schon seit zwei bis drei Jahren, nun haben die Einwohner des rund 140 Seelen zählenden Dorfes diese umgesetzt. Start war im Oktober. Die Erlaubnis zum Bau kam von der Stadt, auf dessen Grundstück sich der Unterstand befindet. „Wir sind dann durchs Dorf gegangen, haben Zettel in die Briefkästen geworfen mit Informationen was wir vorhaben und gefragt, wer helfen kann. Mit Geld oder Arbeitsleitung“, erzählt der Graupziger Dirk Band.

Seit Mitte Dezember steht nun das Wartehäuschen. Zweieinhalb Meter breit und etwa eineinhalb Meter tief. Mit seiner Holzkonstruktion hebt es sich von den oft zu sehenden, üblichen Bauweisen ab. „Das ist auch Leuten aus der Nachbarschaft aufgefallen, als sie vorbeigeradelt sind. Sie fanden es so toll, dass sie auch etwas Geld dazugaben“, erzählt Friederike Haubold begeistert, die im Stadtrat für die Unabhängige Bürgerliste (UBL) sitzt.

Firmen aus dem Dorf haben unterstützt

Hilfe beim Bau bekamen die Einwohner von Firmen aus dem kleinen Ort. Detlef Johne, Inhaber des Familienbetriebes Stellmacherei und Sägewerk in Graupzig habe der Entwurf des Häuschens so gut gefallen, dass „er uns die Bretter zurechtgesägt hat“, erzählt Band. Anregungen zum Aussehen holten sich die Einwohner aus dem Internet.

Die Ziegel für das Fundament lieferte das Ziegelwerk Huber aus Graupzig. Und einen kleinen Bagger für die Fundamentierung steuerte ein Dorfbewohner bei. „Alle, die geholfen haben, können wir gar nicht aufzählen. Manche haben Geld gegeben, andere mit aufgebaut. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt“, erzählt Band voller Dankbarkeit. Und Haubold ergänzt, auch Leute, die keine schulpflichtigen Kinder haben, halfen mit. Der Aufbau ging dann ganz schnell: ein Tag gebaggert, ein Tag den Boden verdichtet, ein Tag aufgebaut.

Welche Wirkung und Aufmerksamkeit offensichtlich so eine Aktion hat, darüber war Band überrascht. So hätte ein Auto mit Oschatzer Kennzeichen angehalten, als er gerade beim Pflastern war. „Das sieht ganz nach Privatinitiative aus, fragten sie“, erzählt er. Ihm sei es wichtig, nicht zu sagen, die Stadt Nossen habe kein Geld, sondern: Seht, was mit Eigeninitiative alles zu schaffen ist.

Das erste Buswartehäuschen, das aufgrund einer Eigeninitiative in Nossen gebaut wurde, steht an der Haltestelle zwischen Perba und Praterschütz. Allerdings haben die Bürger es am Abzweig Badersen/Dobschütz nicht selbst gebaut. Die Firma WSM – Walter Solbach Metallbau aus Nordrhein-Westfalen spendete den neuen Unterstand im vorigen Jahr. Darauf aufmerksam wurden sie durch die Reportage eines privaten Fernsehsenders.

Seit Jahren hatten dort Bürger um Nadine Machner und Alexander Karthe um ein Buswartehäuschen gekämpft, weil sich die Haltestelle an einer gefährlichen Straße befindet. Weil sie lange Zeit keinen Erfolg bei der Kommune hatten, stellten sie zunächst zum Schutz der Schüler in Absprache mit dem Grundstückseigentümer einen Twingo an den Straßenrand – beklebt mit reflektierendem Material –, wodurch sie große Aufmerksamkeit erregten.

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