merken
PLUS Meißen

Schüler übernehmen Zirkus-Manege

Für eine Woche verwandelte sich die Freie Werkrealschule Meißen in ein Zirkusdorf. Bei den Vorstellungen sind die Schüler über sich hinaus gewachsen.

Über der Zirkusmanege schweben, statt die Schulbank zu drücken. Der pädagogische Effekt ist einzigartig.
Über der Zirkusmanege schweben, statt die Schulbank zu drücken. Der pädagogische Effekt ist einzigartig. © Claudia Hübschmann

Meißen. Der Zirkusdirektor steht mit zwei Schülern am Rande der Manege und versucht,  sie zu beruhigen: "Es ist ja auch das erste Mal, dass sie vor einem so großen Publikum auf der Bühne stehen", erklärt Markus Sperlich vom Projektzirkus, der gerade an der Freien Werkrealschule in Meißen gastiert. Gemeinsam atmen sie tief ein und wieder aus. Ein alter Trick gegen Lampenfieber. Es scheint zu funktionieren. Routiniert führen die zwei Schülerinnen durch das Programm - obwohl sich pro Vorführung rund 50 Zuschauer ins neue Zirkuszelt der Freien Werkrealschule Meißen quetschen. Trotz Corona.

Am letzten Sonntag verwandelt sich der Pausenhof in ein Zirkusdorf samt Wohnwagen und Kassenhäuschen. Dank tatkräftiger Unterstützung von Schülern und Eltern hat der Aufbau keine zwei Stunden gedauert. Jetzt duftet es nach Popcorn und der Boden ist mit dickflüssigen Softgetränken verklebt. Alle Grundschüler, die 5. und 6. Klassen sowie Schüler der 4. Grundschule, hat das Zirkusfieber gepackt.

Familienkompass 2020
Familienkompass 2020
Familienkompass 2020

Welche Ergebnisse bringt der Familienkompass 2020 für die sächsischen Gemeinden und unsere Region hervor? Auf sächsische.de bekommen Sie alle Infos!

In kleinen Gruppen wurden aus den Schülern Akrobaten, Feuerspucker und Clowns. Alles, was zu einem guten Zirkus dazu gehört. Während der Woche wird bewusst klassenübergreifend gearbeitet, um bestehende Gruppendynamiken aufzubrechen: "Das ist das Besondere an unserem Projekt", betont Sperlich. "Die Schüler müssen sich aufeinander verlassen - vor allem bei den akrobatischen Nummern. Das schweißt zusammen." Wenn Feuer gespuckt wird, über Glasscherben gelaufen und mit lebendigen Tieren gearbeitet wird, ist das anders gar nicht möglich: "Natürlich steht der Spaß im Vordergrund, aber bei solchen Übungen müssen wir auch konsequent sein", betont der 46-Jährige. "Schließlich übergeben uns die Lehrer und Eltern die Verantwortung."

© Claudia Hübschmann
© Claudia Hübschmann
© Claudia Hübschmann
© Claudia Hübschmann
© Claudia Hübschmann
© Claudia Hübschmann

Vor allem die Nummern mit Tieren bleiben trotzdem unkalkulierbar. Die erste weiße Taube balanciert magisch über eine glitzernde Diskokugel.  Bei den nächsten Anläufen flattern die Vögel ein bisschen zu viel. Doch auch davon lassen sich die Schüler nicht aus der Ruhe bringen, dafür sind sie schon professionell genug.

Zwei Stunden entführen die Schüler ihre Eltern und Großeltern in fremde Welten, schillernde Ozeane und staubige Wüsten: "Viele Eltern und Lehrer sind am Ende ganz erstaunt, was in den Schülern steckt und was sich in so kurzer Zeit einstudieren lässt", freut sich Sperlich, dass sein Programm so gut ankommt. Die Schüler würden die Projektwoche mit einem gestärkten Zusammenhalt und einem höheren Selbstwertgefühl verlassen, aber vor allem würde die Trauer überwiegen, dass es bereits vorbei ist. Ein Gefühl, das wohl anhält. Da der Zirkus bereits das zweiten Mal in Meißen gastiert, waren bei diesem Durchlauf häufig Geschwister auf dem Gelände unterwegs, die sich noch gerne an ihre Projektwoche zurückerinnern.

Dass im Projektzirkus Sperlich nur noch Kinder auftreten, war keine ganz freiwillige Entscheidung und vor allem der wirtschaftlichen Situation geschuldet. Mit dem pädagogischen Konzept fährt der Zirkus deutlich besser: Seine Projektwochen sind bereits zwei Jahre im Voraus ausgebucht.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen