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Schwibbogen aus Meissener Porzellan

Ein Erzgebirger schlägt der Manufaktur in Meißen ein neues Produkt vor. Auch als Mutmacher in der Pandemie.

Der Zwönitzer Lehrer und Brauchtumspfleger Erich Mehlhorn schlägt der Porzellanmanufaktur Meissen vor, einen Schwibbogen aus Meissener Porzellan zu fertigen.
Der Zwönitzer Lehrer und Brauchtumspfleger Erich Mehlhorn schlägt der Porzellanmanufaktur Meissen vor, einen Schwibbogen aus Meissener Porzellan zu fertigen. © privat

Meißen. Erich Mehlhorn ist von seiner Sache überzeugt. Das vom Corona-Virus gebeutelte Sachsenland brauche Motivation, gemeinsame Ziele und verbindende Ideale, sagt der frühere Lehrer am Telefon bei einem Anruf der Meißner Redaktion von SZ und Sächsische.de. Deshalb hat er eine Idee reaktiviert, die ihm schon vor Jahren kam und möchte sie der Porzellanmanufaktur Meissen anbieten.

„Ich habe einen Schwibbogen entwickelt, der Porzellanteile enthält, und kann mir gut vorstellen, dass dieser Bogen ganz aus Porzellan gefertigt werden könnte“, so der Zwönitzer in einem Brief an den Traditionsbetrieb. Ein solcher Porzellanschwibbogen wäre eine Krönung in doppelter Hinsicht: Er sei herausgewachsen aus einer alten volkskünstlerischen Tradition des Erzgebirges, die eine wichtige Seite des sächsischen Bergbaus verkörpert. Sie erinnert an die fast vergessenen Beteiligten am Erfolgsprodukt Meissener Porzellan.

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Weiße Erde und blaue Farbe aus dem Erzgebirge

August der Starke selbst hatte im Jahre 1719 anlässlich einer Hochzeit im Plauenschen Grund bei Dresden einen großen Bergaufzug zu veranstalten, der dokumentierte, dass die sächsischen Bergleute es waren, die durch den Abbau von Silbererzen dafür sorgten, dass der Landesherr die barocke Schönheit Dresden errichten konnte. Im Jahre 1708 gelangte eine Probe „weiße Erde“, die der Bergbauunternehmer Veit Hans Schnorr in der Grube Roter St. Andreas in Aue abbauen ließ, in das Labor des Alchemisten Johann Friedrich Böttger. Mit diesem Kaolin gelang ihm 1709 die Herstellung weißen Porzellans.

Mitten in den schlimmsten Kriegswirren, ließ Unternehmer Veit Hans Schnorr, der auch Schneeberger Ratsherr war, 1635 das erste große Blaufarbenwerk am Bergrücken Pfannenstiel bei Aue bauen. Seitdem legten weiße Erde und blaue Farbe aus dem Westerzgebirge den Grundstein für das Meissener Porzellan.

Mit Holzbildhauer Frank Salzer (links) schuf der frühere Lehrer Erich Mehlhorn 2013 eine Version aus Holz.
Mit Holzbildhauer Frank Salzer (links) schuf der frühere Lehrer Erich Mehlhorn 2013 eine Version aus Holz. © privat

Idee vor acht Jahren geboren

„Diese großen Leistungen haben mich schon sehr lange fasziniert, auch weil einer meiner Vorfahren Blaufarbenwerker war, und ich suchte nach einer Möglichkeit, diese Leistungen zu würdigen“, so der Lehrer Mehlhorn. Im Jahre 2013 war die Idee geboren: Ein blauer Schwibbogen musste her. In Zwönitz fand der Brauchtumspfleger die erforderlichen Mitstreiter. Wie alle Schwibbögen stilisiert auch dieser Bogen ein Stollenmundloch, denn Kobalterz und Kaolin mussten bergmännisch gewonnen werden.

Das Blau des Bogens zeigt das Ergebnis der Kobaltverarbeitung, die Porzellanteile des Schwibbogens präsentieren das Ergebnis der Kaolinverarbeitung. Im Zentrum des Bogens sieht man einen Blaufarbenwerker und einen Blaufarbenwerksoffizianten. Ohne sie wäre eine solche Entwicklung nicht möglich gewesen, ohne den mutigen Unternehmer Veit Hans Schnorr aber auch nicht. Deshalb wurde sein Bildnis auf einem Porzellanteller verewigt.

Manufakturchef will Vorschlag prüfen

Auf einem weiteren Teller oder wahlweise einer Dose, die an eine Litfaßsäule erinnert, ist die Titelseite des „Mandats über die Ausführung der weißen Erde“ vom 14. August 1764 aufgebracht, das im Original im Auer Stadtmuseum zu besichtigen ist. „Dieser edle Schwibbogen – in einer Version aus Meissener Porzellan – könnte die Festtafeln in Sachsen und Europa beleuchten, verzaubern und faszinieren – und das nicht nur zur Weihnachtszeit“, wendet sich Erich Mehlhorn an Manufaktur-Geschäftsführer Tillmann Blaschke.

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Der Chef des Traditionsbetriebes, welcher sich in einem ersten Interview mit Sächsische.de selbst als „Sächsischer Patriot“ bezeichnete, sagte bei einem Telefonat zu, den Vorschlag zu prüfen. Wichtig sei, dass sich eine solche Idee auch rechnen müsse. Erich Mehlhorn hegt keine Zweifel: „Die geschnitzten Exemplare stehen alle bei Geschäftsführern und Entscheidern im Westerzgebirge“, sagt er. Für die Porzellanversion gibt es seiner Ansicht nach einen noch größeren Käuferkreis.

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