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Süchtig nach dem großen Gewinn

Ein Unternehmer steht wegen Betruges vor Gericht. Er hat seine Ehefrau mit hineingezogen. Die vertraute ihm aus Liebe und sitzt nun auch auf der Anklagebank.

Zwar nicht wie im hier im Spielcasino, sondern vor dem eigenen Computer, wurde der Angeklagte Opfer seiner Spielsucht.
Zwar nicht wie im hier im Spielcasino, sondern vor dem eigenen Computer, wurde der Angeklagte Opfer seiner Spielsucht. © dpa Deutsche Presse Agentur

Meißen. Es ist die Geschichte eines gescheiterten Unternehmers, eine Geschichte von Liebe, Vertrauen und Naivität, die da am Amtsgericht Meißen erzählt wird. Und es ist auch eine Nachwendegeschichte, die sich so oder ähnlich wohl zu Tausenden abgespielt hat.

Der heute 53-jährige Angeklagte hatte einst einen schweren, aber sehr gut bezahlten Beruf. Er war in der DDR Hochseefischer. Mit der Wende war es damit vorbei. Er schulte um zum Fliesenleger. Obwohl er die Umschulung nicht abschloss, bekam er eine Anstellung in diesem Beruf. Doch er muss nach einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen den Beruf aufgeben. Er hat eine Zementallergie, sagt er. Also schult er wieder um, macht sich dann mit einem Hausmeisterservice selbstständig. Und geht pleite. "Das lag daran, dass viele Aufträge nicht bezahlt wurden", sagt er. Und will nun trotz Zementallergie wieder als Fliesenleger arbeiten. Doch eine neue Firma darf er wegen der laufenden Insolvenz nicht gründen. Er befindet sich noch in der Wohlverhaltensphase.

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Ehefrau als Strohfrau

Da schiebt er seine 15-Jahre jüngere Ehefrau vor. Sie agiert als Strohfrau, meldet das Gewerbe auf ihren Namen an. "Die Firma lief gut, doch ich hab's versaut", sagt er. Um sich vor erneuten Zahlungsausfällen zu schützen, schließt er mit einer Bank einen sogenannten Factory-Vertrag ab. Dabei werden offene Forderungen an die Bank verkauft. Sie bezahlt dann die Rechnungen an die Firma und treibt das Geld von den Kunden ein. Auf diese Weise erhält die Firma ihr Geld sofort und ist vor Zahlungsausfällen sicher. Für ihre Leistungen berechnet die Bank allerdings saftige Gebühren.

Lange Zeit läuft das problemlos, Forderungen von rund 100.000 Euro werden an die Bank verkauft. Doch dann reicht er gefälschte Rechnungen ein. In einem Fall ist die erbrachte Leistung mangelhaft, in drei weiteren Fällen sind die abgerechneten Arbeiten noch nicht erbracht, in zwei Fällen gibt es gar keinen Vertrag mit einem Kunden. Der Bank entsteht so ein Schaden von 20.897,34 Euro.

Der Angeklagte nimmt die ganze Schuld auf sich. "Ich habe alle Verhandlungen mit der Bank geführt. Meine Frau hat am Ende nur unterschrieben", sagt er. Sie habe ihrem Mann vertraut, dass alles läuft, habe ihm auch geglaubt, dass er schon einmal pleite gegangen war, weil die Kunden nicht bezahlt hatten. "Ich wusste aber, dass ich durch meine Unterschrift hafte", sagt die Frau, die in einer anderen Firma als Köchin arbeitet.

Doch warum hat ihr Mann falsche Rechnungen eingereicht, wo doch die Firma angeblich so gut lief? "Das Problem war meine Spielsucht. Ich stand ständig unter Strom, mein Alkoholkonsum war hoch. Mit jedem Bier wurde die Hemmschwelle geringer. Das Zusammenspiel von Spielsucht und Alkohol war tödlich", sagt er. Er habe in seiner eigenen Welt gelebt, nächtelang vorm Computer gesessen und Glücksspiele gespielt, mit der Hoffnung auf den großen Gewinn. "Ich wusste keinen Ausweg mehr", sagt er. Die Spielsucht hat er vor seiner Frau geheim gehalten, die Kontoauszüge versteckt.

Der Alkohol hat ihm schon 2018 eine Geldstrafe wegen Trunkenheit im Verkehr und einen Fahrerlaubnisentzug eingebracht. Auch wegen Betruges ist er vorbestraft. Das ist aber schon neun Jahre her.

Spät, sehr spät, aber nicht zu spät kommt die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann. Er lässt sich ins Krankenhaus einweisen, macht eine Suchtentziehung und Therapie. Inzwischen hat er wieder eine Arbeit als Kraftfahrer.

Spielsucht wird richtig teuer

Das Gericht stellt das Verfahren gegen die Frau wegen geringer Schuld gegen eine Geldauflage von 600 Euro ein. Einen Freispruch kann es nicht geben. "Bei einer Einzelfirma ist nun mal der Inhaber verantwortlich. Gibt er diese Verantwortung ab, muss er kontrollieren", so die Richterin.

Der Mann wird wegen Betrugs in sechs Fällen zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt, insgesamt also 3.600 Euro. Die Richterin hat berücksichtigt, dass er den Schaden von fast 21.000 Euro zurückzahlen muss und daher alles Geld, was über dem Selbstbehalt liegt, weg ist. Die Staatsanwältin hatte eine Geldstrafe von 7.200 Euro beantragt.

So kommt den Angeklagten seine Spielsucht teuer zu stehen. Er hat fast alles verspielt. Allerdings hält seine Frau zu ihm, obwohl er ihr Vertrauen schwer missbraucht hat. Die beiden sind nach wie vor ein Paar.

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