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Villen-Betrüger von Meißen vor Gericht

Henryk B. soll Handwerker, Notar und Anwalt mit fein gestrickten Lügen um Zehntausende Euro geprellt haben – und ließ ein gebrochenes Herz zurück.

Die Straße lässt es nicht vermuten, aber links und rechts sind auf dem Plossen über Meißen die begehrtesten Grundstücke der Stadt zu finden. Eine Immobilie fand 2020 das Interesse eines Hochstaplers.
Die Straße lässt es nicht vermuten, aber links und rechts sind auf dem Plossen über Meißen die begehrtesten Grundstücke der Stadt zu finden. Eine Immobilie fand 2020 das Interesse eines Hochstaplers. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Villa liegt auf dem Plossen genannten Höhenzug über Meißen. Das Viertel ist eine der besten Adressen in der Porzellanstadt. Die Grundstücke erzielen Höchstpreise. Für 830.000 Euro wollte sich der gebürtige Greifswalder Henryk B. dort mit seiner Partnerin einen würdigen Ruhesitz einrichten. Schließlich hatte der 61-Jährige als Berater und Anwalt ein äußerst stressiges Berufsleben. Termine über Termine, vor allem im Russlandgeschäft.

So gaukelte es Henryk B. im Sommer vergangenen Jahres zumindest dem Verkäufer vor. Über ein Internetportal meldete er sich als Interessent für das Meißner Filetstück und unterschrieb einen Maklervertrag über 48.000 Euro. Zum Notartermin allerdings soll er laut Anklage nicht erschienen sein, weil sich sein Zug verspätete. Stattdessen übernahm seine Partnerin, welche nach eigenen Angaben ebenfalls von Henryk B. getäuscht und für dessen krumme Geschäfte eingespannt worden sein will. Mit einer Vollmacht unterzeichnete sie den Kaufvertrag.

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Anschließend begann das große Bauen. Der Elektriker schaffte sich für 8.700 Euro. Der Maler schickte eine Rechnung über 14.000 Euro. Auch die Beleuchtung wurde für viel Geld erneuert. Von den Handwerkern allerdings sah niemand einen Cent. Stattdessen wandte sich Henryk B. telefonisch an einen echten Rechtsanwalt in Dresden, gab sich selbst als Anwalt aus, mit großer Kanzlei auf der Krim, und klagte, er sei beim Villenkauf in Deutschland über den Tisch gezogen worden. Der Dresdner Kollege möge doch bitte den Kauf wegen baulicher Mängel rückabwickeln. Ein Pauschalhonorar von 50.000 Euro sollte hierfür fließen.

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Angestoßen durch eine Anzeige des mittlerweile misstrauisch gewordenen Meißner Villenverkäufers, ermittelte allerdings bereits die Polizei gegen den Greifswalder Lügenbaron. Im Dezember vergangenen Jahres griffen die Beamten zu und konnten Henryk B. in Malchin an der Mecklenburgischen Seenplatte festnehmen. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft. Am Dienstag beginnt gegen den Mann der Prozess vor dem Landgericht in Dresden. (SZ/pa/lex)

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