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Volle Auftragsbücher, aber leere Lager

Ob Forstbetrieb, Handwerker oder großes Unternehmen. Die Holzknappheit und die steigenden Preise betreffen alle. Wie geht es den Holzbetrieben im Landkreis?

Der Holzlagerplatz der Kronospan GmbH Lampertswalde ist fast leer. Allerdings ist das Foto aus dem Jahr 2008, als das Unternehmen auf Reserven zurückgegriffen hat, um auf günstigere Verträge zu warten.
Der Holzlagerplatz der Kronospan GmbH Lampertswalde ist fast leer. Allerdings ist das Foto aus dem Jahr 2008, als das Unternehmen auf Reserven zurückgegriffen hat, um auf günstigere Verträge zu warten. © Klaus-Dieter Brühl

Landkreis. Im Oktober feiert Dachdeckermeister Roberto Heilscher mit seinem Betrieb in Diera-Zehren 25-jähriges Bestehen. Mit dieser Erfahrung und langjährigen Beziehung zu seinen Lieferanten muss er sich, zumindest derzeit, keine Sorgen um die Beschaffung seines Arbeitsmaterials machen: „Wir sind noch bis in den August mit Holz versorgt“, sagt der Obermeister der Dachdeckerinnung Meißen, Riesa und Großenhain. Er habe die Lunte rechtzeitig gerochen, vorgesorgt und sich so eine Reserve angelegt: „Bis in den September sind wir zu mit Aufträgen“, sagt Roberto Heilscher, der den Handwerksbetrieb mit seinen zwei Söhnen, einem Lehrling und noch einem Mitarbeiter führt.

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Allerdings bekommt auch er die derzeitigen Probleme auf dem Holzmarkt zu spüren: „Das Schwierigste ist die Angebotserstellung für kommende Aufträge“, sagt er. Die Lieferzeiten für Material, nicht nur für Holz, sind derzeit länger, wenn er überhaupt Material bekommt. Das betreffe auch Stahl, Einbauteile und Dachziegel: „Ich habe die letzten 14 Tage nur an den Bestellungen gesessen“, sagt Roberto Heilscher, der seine Arbeitsmaterialien von etwa zehn Lieferanten aus der Region bezieht. Und dann kommen noch die Preise dazu, die sich derzeit innerhalb weniger Tage erhöhen. Für den laufenden Meter Dachlatte zahlt der Dachdeckermeister im Einkauf etwa 30 bis 50 Prozent mehr: „Der Preis ist von 79 Cent auf mittlerweile 1,65 Euro bis 2,25 Euro geklettert“, sagt er.

Der Landesinnungsverband der Dachdecker in Sachsen hat eine Blitzumfrage zur Holzkrise durchgeführt, an der 119 Betriebe teilgenommen haben: „Immerhin 58 Prozent von ihnen haben eine Preissteigerung von über 100 Prozent für Holz angegeben. Über 50 Prozent der Betriebe können ihre Aufträge nicht fristgerecht durchführen und 17 Prozent müssen einen Auftragsstopp einlegen und sind in Kurzarbeit“, zitiert Roberto Heilscher die Umfrage, an der auch er teilgenommen hat.

Großsägewerke profitieren

Der Leiter der Wettinischen Forstverwaltung, Daniel Prinz von Sachsen, nennt drei Faktoren, die für die Holzknappheit und den Preisanstieg verantwortlich sind: „Da ist der Frühling mit der beginnenden Bau-Saison, aufgrund der Corona-Pandemie wollen die Leute ihre heimische Umgebung aufwerten und der Bauboom in China und den USA, die riesige Mengen Holz aus Deutschland importieren.“ Da ein Großteil des Holzes nicht im Baumarkt oder beim Holzhändler für Handwerksbetriebe, sondern auf großen Containerschiffen landet, profitieren vor allem die Großsägewerke. Viele Auftragsbücher von Handwerkern sind voll, aber der Holzvorrat ist leer und es kommt kein Nachschub.

Der Forstbetrieb von Daniel Prinz von Sachsen umfasst 1.000 Hektar Wald zwischen Radebeul und Friedewald: „Der Preis für Schnittholz steigt auch bei uns langsam wieder hoch, aber ist kein Vergleich zu den Preisen, die die Holzwirtschaft derzeit erzielt“, sagt er. Etwa fünf bis zehn Prozent des jährlichen Gesamteinschlages wird von dem Forstbetrieb selbst verarbeitet und verkauft: „Die Sortimente in diesem Prozentsatz sind Brennholz, Hackschnitzel und Sägeholz und gehen auch an Privatkunden“, sagt Daniel Prinz von Sachsen. Der Rest wird an die großen Holzwerke mit den Sortimenten Sägeholz, Palette und Industrieholz verkauft.

Eine steigende Nachfrage erlebt auch er gerade: „Wir bekommen ständig Anrufe von Betrieben und Baustellen aus Dresden und dem Landkreis, die kurzfristig Holz brauchen. Mit ihrem Sägewerk kann die Forstverwaltung Bauholz von bis zu acht Metern Länge produzieren. Ein großer Abnehmer ist die Kronospan GmbH in Lampertswalde bei Großenhain: „Die wurden die letzten Jahre mit Holz überworfen und dementsprechend waren auch die Preise im Keller“, sagt Daniel Prinz von Sachsen. Mittlerweile habe sich das aber wieder etwas relativiert.

Kronospan bezieht Holz zum größten Teil aus der Region

Der Produzent von Laminatböden und Designböden auf Holzwerkstoffbasis beschäftigt 600 Mitarbeiter in Lampertswalde und ist auf riesige Mengen Holz angewiesen. Der Holzplatz des Unternehmens ist drei Hektar groß und bietet Platz für bis zu 70.000 Raummeter Rundholz: „Auch wir spüren die steigenden Holzpreise und gehen davon aus, dass sich die Preissteigerungen bis zum Ende des Jahres noch fortsetzen werden“, sagt Kronospan-Geschäftsführer David Brenner. Das Schadholz der letzten Jahre sei nun aufgearbeitet und damit weniger Industrieholz am Markt. Außerdem sei die Nachfrage deutlich gestiegen, sagt er.

Eine Gefährdung der Produktion oder Kurzarbeit ist für die Kronospan GmbH aber kein Thema: „Nachdem wir sehr langfristige Beziehungen zu unseren Holzlieferanten haben und in der Region einkaufen, werden wir auch unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen gut bedient“, sagt David Brenner. Sein Holz bezieht das Unternehmen zum größten Teil aus dem regionalen Umfeld von den Landesforstbetrieben Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt: „So vermeiden wir unnötige Transportwege und versuchen, die Forstbetriebe in der Region zu unterstützen“, so der Geschäftsführer. Aufgrund der steigenden Rohstoffpreise, die nicht nur das Holz betreffen, musste das Unternehmen in den vergangenen Monaten seine Produktpreise anpassen.

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