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Wer kennt meine alten Nachbarn?

Für das Schmuckstück im Triebischtal-Quartier braucht der Investor die Hilfe der Meißner: Er sucht nach Fotos der ersten Hausbewohner vor über 100 Jahren.

Mit nicht mehr als Namensliste in der Hand sucht Corte Harmjanz Fotos der ersten Hausbewohner.
Mit nicht mehr als Namensliste in der Hand sucht Corte Harmjanz Fotos der ersten Hausbewohner. © Claudia Hübschmann

Meißen. Der Investor der Häuserreihe in der Rauhentalstraße hat ein exaktes Bild davon, wie die ehemalige Ruine einmal aussehen soll - die nötigen Kontakte hat er auch. Ausgerechnet beim Schmuckstück, in der Hausnummer 6, einem großen Lichtschacht, kommt Corte Harmjanz alleine nicht mehr weiter und ist auf die Hilfe aller Meißner angewiesen.

Erst sollte der gesamte Lichtschacht mit Porzellankacheln verziert werden. Mit einem ähnlichen Projekt habe sich der spanische Architekt Antoni Gaudí in Barcelona verewigt - bestimmt mit einem größeren Budget: Denn bereits nach kurzem Überschlagen der Kosten stand die unglaubliche Summe von 200.000 Euro im Raum. Letztlich sollen nur vier Kacheln an die Wände, dafür mit  ganz besonderen Motiven.

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Gold gestrichen und mit den vier Köpfen der ersten Mieter soll der Lichtschacht in der Rauhentalstraße 6 in einem ganz neuen Glanz erstrahlen
Gold gestrichen und mit den vier Köpfen der ersten Mieter soll der Lichtschacht in der Rauhentalstraße 6 in einem ganz neuen Glanz erstrahlen © Claudia Hübschmann

Zuerst soll der komplette Lichtschacht gold gestrichen werden und vor dem Vorsprung von jedem der vier Balkone eine Fotofliese mit einem Porträt der ersten Hausbewohner prangen. Die Namen hat Harmjanz schon herausgefunden, der triumphierend sein Handy zückt und ein Foto des Grundbucheintrags präsentiert. Die Fliesen sollen eine ungefähre Größe von 1 Meter auf 0,8 Meter haben: "Dieses Haus wird jetzt schon einzigartig und wird dadurch noch einzigartiger", freut sich der Investor. 

Die neun Namen der ersten Bewohner in der Rauhentalstraße 6.
Die neun Namen der ersten Bewohner in der Rauhentalstraße 6. © privat

Damit dieser Plan aufgeht, benötigt Harmjanz Fotos von mindestens vier der neun Hausbewohner vor über 100 Jahren: "Ein vergilbtes Schwarz-Weiß-Foto würde schon ausreichen", erklärt Harmjanz, der die Meißner darum bittet, in ihren alten Familienfotoalben zu kramen. Der Investor würde die Bilder anschließend aufbereiten lassen und die Fliesen zum Brennen geben. "Das Foto bleibt dabei unbeschädigt", betont Harmjanz.

Die Suche könnte sich als schwierig herausstellen: Erste Nachfragen bei Stadtmuseum und -archiv verrieten nicht viel über die Biografie der Bewohner. Da das Gründerzeithaus mit Klinkerfassade bereits in den 1890er-Jahren erbaut wurde, ist wirklich viel Zeit vergangen. Die Stadt werden die Bewohner trotzdem verändert haben, denn unter Ihnen waren Porzellanmaler und -polierer. "Dass ihre Berufe mit Porzellan zu tun haben, ist wirklich ein toller Zufall", freut sich der 66-Jährige. Wenn vielleicht auch kein großer Zufall, da sich die Häuserreihe direkt gegenüber der Porzellanmanufaktur befindet.

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Die Häuserzeile gegenüber der Manufaktur nimmt langsam Gestalt an. Dabei wollte der Investor sie zwischenzeitlich schon wieder loswerden.

"Ich finde die Verbindung trotzdem sehr interessant", sagt Harmjanz. "Vielleicht wirkt es willkürlich - ich könnte auch einfach irgendwelche Landgrafen aufhängen. Finde es aber viel schöner, Bilder von ganz normalen Menschen zu nehmen, die das Haus zu einem ganz besonderen gemacht haben."

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