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"Wir müssen die Bude abbrennen"

Um Spuren zu verwischen, sollen die Angeklagten eine Wohnung abgefackelt haben. Auch das alte Riesaer Krankenhaus sollten sie anzünden.

Die Wohnung in der Leipziger Straße brannte völlig aus, war sieben Monate unbewohnbar.
Die Wohnung in der Leipziger Straße brannte völlig aus, war sieben Monate unbewohnbar. © FFW Meißen

Dresden /Meißen/Riesa. Zum zweiten Mal beschäftigt sich das Dresdner Landgericht mit einem Wohnungsbrand in der Leipziger Straße in Meißen. Die Wohnung soll mit Teelichtern angezündet worden sein, brannte aus. Es entstand ein Schaden von über 47.000 Euro. Sieben Monate lang war sie unbewohnbar.

Einer der Täter, der Meißner S. wurde am Landgericht vor wenigen Wochen wegen besonders schwerer Brandstiftung, zweimal Beihilfe zur Brandstiftung, gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Strafe fiel so gering aus, weil er nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde. Deshalb auch wurde gegen ihn vor der Jugendstrafkammer verhandelt. Als Erwachsener hätte er allein wegen schwerer Brandstiftung mindestens fünf Jahre Gefängnis bekommen.

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Nun sitzen drei weitere mutmaßliche Täter vor dem Landgericht. Beziehungsweise sollten am Dienstag dort sitzen. Doch erschienen war nur der 59-jährige W., zwei Plätze blieben leer. Die Angeklagte R. (27) und ihr 25-jähriger Freund R. waren nicht erschienen. Der Grund: Sie hätten kein Geld für eine Fahrkarte von Meißen nach Dresden. Das Gericht lässt die beiden von der Polizei vorführen. Mit zweieinhalb Stunden Verspätung kann das Verfahren endlich beginnen.

Diebesgut für Alibi

Die beiden jüngeren Angeklagten wollten in der Wohnung Sachen der jungen Frau holen. Denn die lebte dort zuvor mit dem Mieter der Wohnung zusammen, hatte sich aber getrennt. Als sie die Wohnungstür öffnen wollten, brach der Schlüssel ab. Sie riefen W. an, der ihnen helfen sollte. Der schickte den im anderen Verfahren bereits verurteilten S. und einen weiteren Mann mit Einbruchswerkzeug los. Doch die Möchtegern-Einbrecher scheiterten an der Tür. So trat S. sie schließlich ein.

Die vier Einbrecher sollen nicht nur Sachen, die der R. gehörten, mitgenommen haben, sondern auch fremdes Eigentum. Es soll für W. gewesen sein als Dank für die Hilfe. Zudem hatte W. versprochen, ihnen ein Alibi zu verschaffen. Er selbst war nicht am Tatort. Das ist kein Wunder. Der Mann, der aus Dessau stammt, saß schon insgesamt 17 Jahre und acht Monate im Gefängnis. Verurteilt wurde er unter anderem mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Er steht unter unbegrenzter Führungsaufsicht und trägt elektronische Fußfesseln. Dadurch kann er jederzeit geortet werden. Die Beweise wären den Ermittlern auf dem goldenen Tablett präsentiert worden.

"Stellt keine Fragen, kommt einfach mit"

Nach dem Einbruch habe W. telefonisch angewiesen, dass die Wohnung abgebrannt werden soll, um Spuren zu verwischen. S. sei noch einmal zurückgekommen und soll gesagt haben "Wir müssen die Bude abbrennen", so der Angeklagte R. "Wir hatten ein mulmiges Gefühl dabei, sind aber trotzdem mitgegangen. Er hat uns unter Druck gesetzt, wir fühlten uns bedrängt", fährt er fort. Die R. habe dann ein Tüte angebrannt und damit einen Brand der Gardinen entfacht. S. habe Teelichter angezündet und unter das Sofa und die Möbel gestellt. "Es brannte dann lichterloh", so der Angeklagte R.

Auch die Mitangeklagte, die jetzt seine Freundin ist, gibt das zu. S. habe gesagt, sie sollten keine Fragen stellen, sondern einfach mitkommen. "Wir waren dumm und naiv, ich bereue, dass ich da mitgemacht habe", sagt die 27-Jährige.

Nicht mitgemacht haben sie in einem anderen Fall. W. habe sie in einer Meißner Gaststätte aufgefordert, das alte Riesaer Krankenhaus anzuzünden. Doch beide weigern sich. "Das kam für mich nicht in Frage. Meine Freundin erwartete ein Kind, da gehe ich doch nicht ins Gefängnis", sagt der R. W. habe verärgert reagiert. "Dann machen es halt andere", soll er gesagt haben.

Er selbst streitet das alles ab. Er sei zur fraglichen Zeit im Krankenhaus gewesen, könne gar nicht in Meißen in einer Gaststätte gewesen sein. Doch die beiden Mitangeklagten belasten ihn schwer. "Dann war das eben zu einem anderen Zeitpunkt", sagt der R.

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Beide Angeklagte sowie zwei weitere Mittäter sollen am 7. Juni 2019 auch die ehemalige Gaststätte "Waldschlößchen" in Röderau bei Riesa mittels einer Kugelbombe oder einer offenen Flamme in Brand gesteckt haben. Initiator und Auftraggeber soll auch hier W. gewesen sein. Er bezeichnet das wie auch andere Tatvorwürfe als "völligen Blödsinn."

Das Verfahren wird am Mittwoch fortgesetzt. Am Donnerstag soll es die Urteile geben.

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