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„Wir werden sehen, wer überlebt hat“

Der Sächsische.de-Beitrag über die Not der Meißner Händler ruft Verständnis hervor, aber auch Wut gegenüber der Politik. Ein Überblick der Debatte auf Facebook.

Momentan die Regel im zweiten Lockdown: geschlossene Geschäfte wie Indigo Fashion in Meißen. Einzelhändler fürchten um ihre Existenz, SZ-Leser fordern wiederum die Öffnung.
Momentan die Regel im zweiten Lockdown: geschlossene Geschäfte wie Indigo Fashion in Meißen. Einzelhändler fürchten um ihre Existenz, SZ-Leser fordern wiederum die Öffnung. © Claudia Hübschmann

Meißen. SZ-Leser sind sich einig: Die Not der Einzelhändler ist beispiellos. Auf Facebook kommentieren sie den Artikel „Uns speist man mit Fixkosten ab“ deshalb hitzig. In den Kommentaren werden vor allem die Stimmen laut, die zum Öffnen der Läden aufrufen.

So meint Micha Voigt zu den Einzelhändlern: „Ihr solltet endlich begreifen, dass der Staat euch nicht retten wird.“ Jammern bringe da nichts. „Schließt euch zusammen und geht dagegen vor.“ Die Facebook-Nutzerin Britt Ma formuliert es etwas drastischer: „Solange, wie man nur Mimimi macht, wird nix besser. Und warum soll der Staat zahlen, wenn man sich nicht wehrt.“ Sie sei auch selbstständig. Deshalb könne sie nicht verstehen, warum man sich als Händler nicht zusammenschließe und reagiere. „Inkompetenz ganz oben, aber der Mittelstand muss sich fügen.“

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"Geht mit Bußgeldbescheiden vor Gericht"

Ob Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) inkompetent ist, kann man ihm nicht unbedingt vorwerfen. Denn erst vor Kurzem suchte er mit den Einzelhändlern das Gespräch. Er folgte einer Einladung der Sächsischen Zeitung aus Großenhain und traf sich gemeinsam mit Ronny Rühle, Modehändler mit vier Geschäften in Großenhain, Riesa und Meißen. Der Inhaber verfasste zuvor einen Brief an Martin Dulig. Der Wirtschaftsminister versprach im Gespräch, dass es bald einen Abholservice geben werde, noch vor der angestrebten Sieben-Tage-Inzidenz von 50. Ronny Rühle begrüßt das, denn die Unternehmen in der Region brauchen politische Ansagen, um planen zu können.

Einige Kommentatoren auf Facebook wollen allerdings nicht warten, bis die sächsische Regierung die stufenweise Öffnung der Geschäfte beschließt, die Martin Dulig im SZ-Gespräch erläutert hat. So fordert Marion Mieth: „Macht eure Läden auf und geht gegebenenfalls mit Bußgeldbescheiden vor Gericht.“ Sie erhält dafür auf Facebook viele Likes. Auch die Facebook-Nutzerin Karo Lina meint, Restaurants, Unterkünfte und Kultureinrichtungen zu öffnen und gegen jeden Bußgeldbescheid Widerspruch einzulegen. Denn die Geschäfte bleiben bis März geschlossen, schreibt sie weiter. „Da müsst ihr nun entscheiden, ob ihr das noch aushalten könnt und wollt.“

Tatsächlich wurde in den vergangenen Wochen in ganz Deutschland gefordert, die Läden wieder zu öffnen: unter der Aktion „Wir machen auf“. Die Aktion sollte am 18. Januar starten, jedoch beteiligte sich kaum jemand daran. Initiator Macit Uzbay aus Krefeld allerdings selbst auch nicht. Er betreibt ein Kosmetikstudio. „Wir machen auf“ steht im Zusammenhang mit der Querdenken-Bewegung, die die Corona-Schutzmaßnahmen seit Monaten scharf kritisiert.

Geschäftssterben in Innenstädten noch aufzuhalten?

Die Facebook-Nutzerin Ruth Seiffert merkt sachlich an, dass doch Öffnungen mit Abstand möglich sein sollten. „Im Lebensmittelmarkt geht es doch auch.“ Unter diesem Kommentar meint Hannelore Schneider, dass doch gerade dort keiner den Abstand hält. Bärbel Reiche behauptet zudem, dass das mögliche Pleitegehen der Läden so gewollt sei. Dem schließt sich an anderer Stelle auch Inge Preibisch an. „Und wer es noch nicht glaubt, am Jahresende werden wir sehen, wer überlebt hat.“

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Am Ende stellt Jörg Höbald die entscheidende Frage, ob das Geschäftssterben der Innenstädte überhaupt noch aufzuhalten sei. „Geht der Trend nicht dahin, dass Supermärkte, Internethandel und Tankstellen eine Art von Einheitsangebot absichern?“

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