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Lommatzsch spürt Pandemiefolgen

In der Stadt gibt es Kritik am Bau eines Depots für die Stadtverwaltung. Nun wird es auch noch deutlich teurer.

In einem ruinösen Zustand sind die Häuser Frauenstraße 4 und 6. Wegen Preissteigerungen für Baumaterial wird die Sanierung wohl deutlich teurer.
In einem ruinösen Zustand sind die Häuser Frauenstraße 4 und 6. Wegen Preissteigerungen für Baumaterial wird die Sanierung wohl deutlich teurer. © Gerhard Schlechte

Lommatzsch. In der Stadt werden gegenwärtig zwei verfallene Häuser an der Frauenstraße denkmalgerecht saniert. Damit verschwinden zwei weitere Ruinen, doch es gibt auch Kritik an dem Bau. Zum einen daran, dass die Stadt sehr viel Geld ausgibt, um sich ein Verwaltungsdepot zu schaffen. Denn im Gebäude Frauenstraße 4 sollen künftig städtische Akten gelagert werden, Unterlagen, die 20 bis 30 Jahre aufbewahrt werden müssen, aber auch Bauunterlagen. Trotz der fortschreitenden Digitalisierung müsse die Verwaltung noch viele Jahre Papierakten aufbewahren, begründet Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP).

Ein weiterer Kritikpunkt sind die hohen Baukosten von 900.000 Euro. Auch wenn diese zu zwei Drittel aus dem Stadtsanierungsprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" gefördert werden, halten Kritiker entgegen, dass dieses Geld hätte sinnvoller eingesetzt werden können.

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Vergabe musste aufgehoben werden

Diese Kritiker bekommen nun Wasser auf die Mühlen. Wie die Bürgermeisterin einräumt, rechnet die Stadt mit erheblichen Kostensteigerungen bei der Sanierung der Frauenstraße. Diese resultierten einerseits aus dem notwendig gewordenen Handabriss. Andererseits seien sie jedoch die Folge knappen Baumaterials auf dem Markt.

"Die Handwerker bekommen kaum noch Holz und anderes Material. Die Preise dafür sowie für Metall steigen erheblich. Die Unternehmer können keine verlässlichen Preise mehr kalkulieren. Grund dafür sind die Verwerfungen auf dem globalen Markt in Folge der Pandemie und die Probleme in den Lieferketten", so Anita Maaß. Deshalb habe die Stadt die Vergabe der Zimmererarbeiten für die Frauenstraße aufheben müssen. Sie hoffe zwar auf eine günstigere Situation in den nächsten Wochen, ansonsten müsse die Stadt aber Kostensteigerungen hinnehmen.

Dennoch verteidigt die Bürgermeisterin die Sanierung der Häuser Frauenstraße 4 und 6. Für jeden sei zu erkennen, dass diese Sanierung dringend notwendig sei. Der Zustand der Häuser sei so schlecht, dass sie teilweise abgerissen und denkmalgerecht wieder aufgebaut werden müssten. Einen privaten Bauherrn hätte die Bausubstanz überfordert.

"Wir können sehr froh sein, wenn wir mit dem neuen Verwaltungsdepot wieder einen städtebaulichen Ankerpunkt im Quartier Frauenstraße setzen können. Nur dadurch behalten die übrigen Häuser der Straße ihren Wert, und es gibt für die leeren Gebäude eine Chance zur Entwicklung", sagt sie.

Hoffen auf kluge Entscheidungen

Doch der Bau mache auch deutlich, welche wirtschaftlichen Folgen die Corona-Pandemie habe. Bisher sei das Corona-Virus vor allem als Gefahr für die Gesundheit gesehen worden. Nun würden die Folgen der Pandemie aber zum Problem für die Wirtschaft und die kommunale Entwicklung.

Doch die Probleme um die Frauenstraße sind wohl erst der Anfang. Die Städte und Gemeinden müssten 2021 und 2022 mit über neun Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen rechnen, als vor der Corona-Krise erwartet, warnt Burkhard Jung, der SPD-Oberbürgermeister von Leipzig und Präsident des Deutschen Städtetages in einer Pressemitteilung. " Wir machen uns große Sorgen um die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen. Die Lage der Kommunalhaushalte in diesem und den nächsten Jahren ist dramatisch", so Jung. Die Kommunen brauchen deshalb mindestens noch für dieses und das nächste Jahr Hilfen von Bund und Ländern in Milliardenhöhe. Andernfalls drohen die kommunalen Investitionen einzubrechen. Und die Konjunktur würde sich deutlich langsamer erholen.

Und auch der Freistaat Sachsen hat schon angekündigt, die Förderung für die Ertüchtigung und den Ersatzneubau von bestehenden Abwasserkanälen einzustellen.

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"Hoffen wir auf kluge, der sozialen Marktwirtschaft entsprechende, politische Entscheidungen im Bund, in Sachsen und vor allem auf europäischer Ebene. Das Scheitern einer staatlichen Planwirtschaft haben wir im Osten leider schon erlebt", mahnt die Lommatzscher Bürgermeisterin.

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