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Maifeier mit Augenzwinkern

Im Seniorenheim „J. J. Kaendler“ werden Traditionen aus der jüngeren Vergangenheit gepflegt, an die sich viele gern erinnern.

Heimleiter Eckehard Schab führte den Umzug am Mai-Feiertag an.
Heimleiter Eckehard Schab führte den Umzug am Mai-Feiertag an. © Mandy Kaden

Meißen. Da war richtig was los im Triebischtal: Zu Fuß und im Rollstuhl zog eine kleine Menschenmenge am 1. Mai – unter den Klängen von Liedern der FDJ aus einem Lautsprecher – rund um das Seniorenheim „J. J. Kaendler“. Die Mainelke an der Jacke gehörte ebenso zur Ausrüstung wie der Mund-Nasenschutz im Gesicht. Auch eine kleine Tribüne und Winkelemente durften nicht fehlen. Nach dem Umzug begann im Innenhof des Heims eine Maifeier – mit Bockwurst, Brause und Musik.

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Solche Mai-Feiern, die den offiziellen Demonstrationsaufzügen folgten, gehören zu dem, woran sich viele gern erinnern, wenn sie an ihr Leben zu DDR-Zeiten zurückdenken. Hier traf man sich privat, pflegte Bekannt- und Freundschaften, manch Witz machte die Runde. Fernab der Losungen hatten die Leute ihren Spaß, sagt Eckehard Schab. Der Geschäftsführer des Kaendler-Heims hatte genau diese Atmosphäre – und das Erinnern daran – im Sinn, als er und seine Mitarbeiter auf die Idee kamen, eine kleine Mai-Feier für die Bewohner des Seniorenheims vorzubereiten. Natürlich mit amtlich abgesegnetem Hygienekonzept.

Diese Feier des 1. Mai war der Höhepunkt einer DDR-Themenwoche im Heim, wie Eckehard Schab berichtet. „Uns ging es vor allem darum, bei unseren Bewohnern möglichst viele schöne Erinnerungen hervorzurufen“, sagt er. Dazu waren verschiedene Runden vorbereitet worden – vom gemeinsamen Hören von Pionierliedern über ein DDR-Quiz, das Reden über Filme und Schauspieler aus der DDR bis hin zum gemeinsamen Basteln der Mainelken.

Vor dem Heim war eine Tribüne aufgebaut. Auf dem Parkplatz präsentierte das Heim Fahrzeuge aus der DDR-Produktion.
Vor dem Heim war eine Tribüne aufgebaut. Auf dem Parkplatz präsentierte das Heim Fahrzeuge aus der DDR-Produktion. © Mandy Kaden

Im Gebäude des Seniorenheims, das zu DDR-Zeiten als Lehrlingswohnheim der Porzellan-Manufaktur diente, schlug sich die DDR-Woche auch im Speiseplan der heimeigenen Küche nieder: „Tote Oma“, wie die Grütz- oder Tiegelwurst früher auch genannt wurde, oder Schmorgurken standen da ebenso wie der Kalte Hund zum Kaffeetrinken. Eckehard Schab hatte außerdem einige DDR-Fahrzeuge organisiert, und so konnten Bewohner und Besucher einen Trabbi, eine MZ und mehrere Mopeds des Typs Schwalbe bewundern.

Anliegen der Themenwoche sei auch gewesen, „dass wir langsam wieder zur Normalität finden“, sagt Eckehard Schab. Die Corona-Maßnahmen waren mit großen Einschränkungen für die 73 Bewohner und seine Mitarbeiter verbunden. Im Dezember waren 35 Bewohner positiv getestet worden. 30 dieser Senioren wiesen keine Symptome auf – und litten umso mehr unter der Zimmer-Quarantäne, berichtet der Heimleiter. Nun, da fast alle Bewohner des vollständig belegten Seniorenheims geimpft sind, sollen mehr und mehr andere Themen als Corona den Alltag bestimmen. Ein Testzentrum am Eingang schafft Voraussetzungen dafür, dass die Bewohner wieder regelmäßig Besuch empfangen können.

Eckehard Schab legt großen Wert auf Kontakte nach außen. Zum Beispiel zur benachbarten Kita „Zwergenmühle“. Mindestens einmal im Monat kamen Gruppen aus der Kita zu Besuch, um vorzusingen oder um gemeinsam Sport mit den Senioren zu treiben. Seit dem ersten Lockdown im vorigen Jahr fehlen diese Begegnungen ebenso wie die monatlichen Ausfahrten mit dem heimeigenen Mercedes-Bus. Eckhard Schab hatte eigens dafür eine zusätzliche Berechtigung zur Personenbeförderung erworben, als er vor zwei Jahren die Geschäftsführung im Seniorenheim „J.J. Kaendler“ übernahm.

„Das hat viel Freude gemacht!“ Dieses Fazit zieht Eckehard Schab nach der Themenwoche. Dabei bezieht er sich auf die Bewohner ebenso wie auf seine Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen des Heims. Und fest steht bereits, dass es weitere Aktionen wie diese geben soll.

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