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Mehr Freiraum vor dem Bahnhof

Ein Wettbewerb zur Neugestaltung ist entschieden. Der Siegerentwurf schlägt auch eine neue Verkehrsführung vor.

Diese Visualisierung zeigt die Alternativ-Variante des Siegerentwurfs zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes.
Diese Visualisierung zeigt die Alternativ-Variante des Siegerentwurfs zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes. © Visualisierung: Planungsbüro LA 21 Dresden

Meißen. Großformatige Bodenplatten, eine darin eingelassene Uhr, Wasserspiele und viel Grün – dieser Blick könnte sich künftig bieten, wenn man aus dem Bahnhofsgebäude kommt. So jedenfalls sieht es ein Entwurf vor, der bei einem Wettbewerb zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes als Sieger gekürt wurde.

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Der vom Dresdner Büro L 21 Landschaftsarchitekten in Zusammenarbeit mit Verkehrsplanern von Iproplan Chemnitz gemeinsam erarbeitete Entwurf sieht vor, auf der Großenhainer Straße vor dem Bahnhofsgebäude die Linksabbieger-Spur wegfallen zu lassen. So wird Raum für Fahrradspuren auf beiden Straßenseiten gewonnen. Außerdem entsteht mehr Freiraum zur Gestaltung der Fläche unmittelbar vor dem Eingang zum Bahnhofsgebäude, der von vielen – vor allem von Besuchern – als Eingang zur Stadt wahrgenommen wird.

Durch den Wegfall der Linksabbieger-Spur auf der Großenhainer Straße würde mehr Raum für Radfahrer sowie zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes entstehen.
Durch den Wegfall der Linksabbieger-Spur auf der Großenhainer Straße würde mehr Raum für Radfahrer sowie zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes entstehen. © Planungsbüro LA 21 Dresden

Eine Fachjury kürte diesen Entwurf zum Sieger eines Wettbewerbes, den die Stadträte im März 2019 ausgelobt hatten. Für das 1928 nach Plänen des Architekten Wilhelm Kreis im Bauhausstil errichtete und 2010 sanierte Bahnhofsgebäude ein ansprechendes Umfeld zu schaffen, war aber nicht die einzige Intention. Vielmehr sollte der Bahnhofsvorplatz als Verkehrsknoten unter besonderer Beachtung des Radverkehrs geordnet werden, wie Marina Jach vom Bauverwaltungsamt am Dienstagabend im Stadtentwicklungsausschuss erläuterte. Die vier von der Stadt angeschriebenen Planungsbüros waren aufgefordert worden, jeweils zwei Entwürfe vorzulegen: einen, der sich am Bestand orientiert (Status quo-Variante), sowie einen, in dem die Planer ihren Ideen freien Lauf (Alternativ-Variante) lassen konnten.

In der Gunst der 379 Bürger, die sich an der Bewertung der eingereichten Gestaltungsvorschläge beteiligt hatten, belegte der Entwurf der Dresdner Landschaftsplaner einen zweiten Platz, informierte Stadtplanerin Marina Jach. Eine Jury, der neben Stadträten auch Vertreter von Fachbehörden und der Bahn AG angehörten, hatten die beiden Varianten der Planer aus Dresden und Chemnitz favorisiert. Das geschah auf Basis einer Matrix mit umfassenden Bewertungskriterien. In der Gewichtung aller eingegangenen Bewertungen und Stellungnahmen wurden die Siegerentwürfe ermittelt. Für die Arbeit an der favorisierten Variante erhalten die Planer den mit 3.000 Euro dotierten ersten Preis. Die beiden zweitplatzierten Entwürfe werden mit 1.000 Euro gewürdigt.

Durch eine neue Anordnung von Parkplätzen für Taxis, Fahrschule und Bahn-Mitarbeiter soll die Fläche eine neue Aufenthaltsqualität erhalten, erläuterte Landschaftsarchitektin Marion Brod-Kilian vom Dresdner Büro L 21, die nach der Bekanntgabe der Siegerentwürfe per Videokonferenz der Ausschuss-Sitzung zugeschaltet wurde. Auf dem Wirtschaftshof könnten Parkplätze für die Fahrschule entstehen. Flächen für Taxi-Stellplätze und zum Kurzzeitparken samt Ladesäule für E-Fahrzeuge sollen neu angeordnet werden, so dass Raum für Freisitze vor dem Bahnhofsrestaurant und weitere Sitzgelegenheiten bleibt.

Die Architektin schlägt außerdem einen Fahrrad-Hotspot an der Westseite des Bahnhofsgebäudes vor: Dort könnten Unterstellmöglichkeiten und Fahrradboxen ebenso Platz finden wie eine Service-Station sowie Lademöglichkeiten für E-Bikes. Dafür müsste ein neuer Ort für die bahneigenen Mitarbeiter-Parkplätze gefunden werden.

Dieser Blick könnte sich künftig bieten, wenn man aus dem Bahnhofsgebäude kommt.
Dieser Blick könnte sich künftig bieten, wenn man aus dem Bahnhofsgebäude kommt. © Visualisierung: Planungsbüro LA 21 Dresden

Das Lichtkonzept sieht ebenso wie bei der Status Quo Variante eine Kombination aus modernen Mast- und Pollerleuchten vor. „Zusätzlich sollte die geometrisch gegliederte Hauptfassade des Bahnhofes durch Lichtbänder in Szene gesetzt und das Vordach mit einem semitransparenten Oberlicht versehen werden“, regt Marion Brod-Kilian an.

Wie der Verkehr geführt werden soll, wenn die Linksabbiegespur wegfällt, wollte Dorothee Finzel wissen, die als sachkundige Bürgerin für die CDU/FB/FDPD/U.L.M.-Großfraktion im Stadtentwicklungsausschuss mitwirkt. Vom Beyerleinplatz aus soll er über die Fabrik- und Brauhaus- zur Dresdner Straße geleitet werden, antwortete die zugeschaltete Architektin.

Die Sieger-Entwürfe sind nun Grundlage für weitere Planungen. Nach den Ausschreibungsbedingungen des Wettbewerbs kann das Dresdner L 21-Büro mit dem Auftrag dafür rechnen. „Zur weiteren konzeptionellen Arbeit für die Umgestaltung sind Anregungen aus den anderen Arbeiten zu berücksichtigen. Bei der Fortführung der Planung sind die Hinweise aus der Bürgerbeteiligung, des Fachgremiums und der betroffenen Eigentümer zu beachten“, heißt es in dem Beschluss, den die Stadträte im Ausschuss einstimmig fassten.

Die Tristesse vor dem Bahnhofsgebäude soll verschwinden. Neuer Untergrund, Bäume, Wasserspiele, eine andere Sortierung von Parkplätzen sowie Sitzgelegenheiten sollen dem Platz eine neue Aufenthaltsqualität verleihen.
Die Tristesse vor dem Bahnhofsgebäude soll verschwinden. Neuer Untergrund, Bäume, Wasserspiele, eine andere Sortierung von Parkplätzen sowie Sitzgelegenheiten sollen dem Platz eine neue Aufenthaltsqualität verleihen. © Claudia Hübschmann

Mit welchen Kosten und gegebenenfalls Zuschüssen die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes verbunden ist und wann sie in Angriff genommen werden soll – dazu gab es am Dienstagabend noch keine Aussagen. Zunächst müssten Eigentumsverhältnisse für die Flächen rund um den Bahnhofsvorplatz geklärt werden. Ebenso seien Abstimmungen mit dem Denkmalschutz notwendig, sagte Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos). Voraussichtlich im April werde Verkehrsplaner Anatoly Arkipov den Stadträten erste Überlegungen vorlegen, wie es bei diesem Vorhaben weitergehen könnte.

Dabei müsse auch bedacht werden, welche intelligenten Lösungen für den Busverkehr auf dem benachbarten Busbahnhof mit seinen mehreren 100 Busankünften am Tag während der Bauzeit möglich sind. Ebenso müsse die Finanzierung für das Bauvorhaben sichergestellt werden. Eine Förderung über das Stadtumbau-Programm sei möglich, so der OB. Derzeit könne aber noch keine seriöse Aussage getroffen werden, wann die Umsetzung dieses Projekts beginnen kann, antwortete er auf eine Frage von Frank Buchholz, der als sachkundiger Bürger für die Fraktion Bürger für Meißen/SPD dem Stadtentwicklungsausschuss angehört.

Der Chef der Bürger für Meißen/SPD-Fraktion Heiko Schulze appellierte an die Verwaltung, keine Zeit bei diesem Vorhaben zu verlieren. Angesichts der großen Bürgerbeteiligung könne es sich die Stadt nicht erlauben, die vorliegenden Pläne in der Schublade verschwinden zu lassen, sagte er mit dem Hinweis darauf, dass im städtischen Haushalt außer für den Wettbewerb bislang kein Geld für den Bahnhofsvorplatz eingeplant ist.

Fällt die Fahrspur für Linksabbieger auf der Großenhainer Straße weg, müsste der Verkehr am Beyerleinplatz über die Fabrik- und Brauhaus- in die Dresdner Straße geleitet werden, schlagen die Verkehrsplaner vor.
Fällt die Fahrspur für Linksabbieger auf der Großenhainer Straße weg, müsste der Verkehr am Beyerleinplatz über die Fabrik- und Brauhaus- in die Dresdner Straße geleitet werden, schlagen die Verkehrsplaner vor. © Planungsbüro LA 21 Dresden

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