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Meißen bekommt Ornamente aus Blattgold

Obwohl das Steinberg-Palais mit echtem Gold verziert wird: Der Investor hatte ursprünglich ein viel kostspieligeres Projekt geplant.

Seit fast drei Wochen verziert Restaurator Franck Rainer Böhm den Lichtschacht in der Rauhentalstraße mit echtem Gold. Investor Corte Harmjanz(rechts) hatte ursprünglich ganz andere Pläne.
Seit fast drei Wochen verziert Restaurator Franck Rainer Böhm den Lichtschacht in der Rauhentalstraße mit echtem Gold. Investor Corte Harmjanz(rechts) hatte ursprünglich ganz andere Pläne. © Claudia Hübschmann

Meißen. Ins Palais am Steinberg kehrt Leben ein. Mittlerweile ist die zweite Mietpartei eingezogen: Die dürften nicht schlecht gestaunt haben, denn ganz unverhofft wurde der Eingangsbereich mit echtem Gold verziert.

Der Lichtschacht in der Rauhentalstraße 6 ist das Herzstück der Häuserreihe gegenüber der Porzellanmanufaktur, die Investor Corte Harmjanz vor zwei Jahren vor dem Verfall rettete. Die Sanierungsarbeiten sind fast abgeschlossen, doch was mit dem Lichtschacht passieren sollte, war lange unklar. Erst sollte der gesamte Schacht mit Porzellanfliesen gekachelt werden. Harmjanz hatte ganz genaue Vorstellungen, doch die Umsetzung hätte etwa 200.000 Euro gekostet.

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Die kostengünstigere Alternative schied aus einem anderen Grund aus: Auf großen Porzellankacheln sollten Porträts der allerersten Hausbewohner prangen. Mit der Hilfe von SZ-Lesern waren schnell alle ersten Mieter identifiziert, leider fanden sich zu den Namen keine Fotos.

21 Karat-Gold

Schließlich hat Harmjanz eine würdige Alternative gefunden und dafür Franck Rainer Böhm, Restaurator aus Meißen, auf die Baustelle geholt: Vor Corona hat Böhm Theaterbühnen verziert. Doch egal wie prunkvoll die Kulisse auch aussehen sollte, beim Theater wird Gold immer nur imitiert. Für seinen aktuellen Auftrag darf der Restaurator sogar 21 Karat Gold verarbeiten.

Der Schacht wird mit goldenen Ornamenten im Stil und mit üblichen Mustern der Gründerzeit verziert: "Als das Haus gebaut wurde, hätten genau solche Ornamente an der Wand prangen können", so Harmjanz. Von kleinen Balkonemporen im typischen Kobaltblau können die Mieter künftig ihren Blick hinunter bis zum Boden im passenden Keramikfliesenmuster schweifen lassen.

Nun strahlt der Lichtschacht ganz ohne Beleuchtung...
Nun strahlt der Lichtschacht ganz ohne Beleuchtung... © Claudia Hübschmann
...vor wenigen Wochen sah das noch ganz anders aus.
...vor wenigen Wochen sah das noch ganz anders aus. © Claudia Hübschmann

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Bei so teuren Baumaterialien darf kein Fitzel verschenkt werden: Vorsichtig legt Böhm die Blattgold-Blättchen auf der aufgetragenen Klebetinktur aus, in der anderen Hand hält er ein kleines Gläschen, um die herabfallenden Goldfitzel aufzufangen: Bei über Tausend Blättchen Gold kommen bis zum Abschluss der Arbeiten gut und gerne fünf Gramm Gold zusammen.

Böhm ist froh, die Ornamente mit echtem Gold nachbilden zu dürfen und sich nicht für günstiges Schlagmetall entschieden wurde: "Gold wirkt mit Licht ganz anders. Der Schacht bekommt jede Menge Lichtaktion, ganz ohne eine Lampe."

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