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Die Rollsportler vom SCM haben sich etwas einfallen lassen, um sich auch in Zeiten wie diesen fit halten zu können. Dabei zählt jeder Kilometer.

Dieser Screenshot entstand am vergangenen Samstag beim Online-Training der Meißner Rollsportler. In der oberen Reihe auf dem 2. Bild ist Trainerin und Vereinschefin Nadja Schuster zu sehen.
Dieser Screenshot entstand am vergangenen Samstag beim Online-Training der Meißner Rollsportler. In der oberen Reihe auf dem 2. Bild ist Trainerin und Vereinschefin Nadja Schuster zu sehen. © Speedskate Club Meißen

Meißen. Die Sporthallen zu, Kontakte kaum möglich – wichtigen Voraussetzungen zum Trainieren und Fithalten setzt der pandemiebedingte Lockdown enge Grenzen. Die Sportler des Speedskate Clubs Meißen (SCM) wollten an diesen Widrigkeiten nicht verzweifeln. Sie haben sich etwas einfallen lassen.

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Die Meißner Rollsportler sammeln Kilometer. Egal ob beim Joggen, Radfahren, auf dem Hometrainer, beim Spazierengehen oder auch Skifahren – jeder Kilometer zählt. Die über Fitnessarmbänder oder Apps auf dem Handy registrierten Kilometer werden erfasst und im Internet veröffentlicht, berichtet Vereinsvorsitzende Nadja Schuster. Wie die Meißner stellen weitere Sportvereine die Leistungen ihrer Mitglieder ins Netz. So ist in kürzester Zeit die Aktion Kilometer-Challenge entstanden.

Die Idee geht auf Victoria Krause zurück. Die 14-jährige SCM-Rollsportlerin hatte sich Gedanken darüber gemacht, wie Motivation und Begeisterung für das winterliche Fitness-Training bei den Sportfreunden noch besser geweckt werden können. In normalen Zeiten trifft man sich regelmäßig in der Turnhalle. Weil das derzeit nicht möglich ist und weil die fehlenden Kontakte nicht die Freude an der gemeinsamen Bewegung trüben sollen, haben sich die Rollsportler über Whatsapp verabredet – und ihre zu Hause absolvierten Kilometer verglichen. Mit den Rollsportlern aus dem thüringischen Arnstadt wurden Daten ausgetauscht und zum Vergleich im Internet veröffentlicht, erzählt SCM-Vereinschefin Schuster. Gemeinsam mit anderen Rollsportvereinen wurde dann eigens für diese Aktion eine Website entwickelt.

© Speedskate Club Meißen

Nach einer Testphase im Januar startete der Wettbewerb am 1. Februar deutschlandweit. Der Deutsche Rollsport und Inlineverband (DRIV) e.V. unterstützt die sportliche Idee – auch deshalb, weil sie sich nicht nur an die aktiven Sportler wendet. Gerne dürfen auch Freunde, Geschwister oder Eltern Kilometer in die Challenge einbringen. Derzeit beteiligen sich 34 Vereine mit rund 700 Teilnehmern aus allen Teilen der Bundesrepublik, wie Nadja Schuster informiert. Zum Ende der ersten Challenge-Woche waren fast 30.000 Kilometer erfasst.

Beim gemeinsamen „Kilometer-Schrubben“ wollen es die Meißner Speedskater nicht belassen. Um fit zu sein, wenn es im Frühjahr wieder auf die Rollsportanlage im Heiligen Grund geht, müssen jetzt Muskeln gekräftigt und Bewegungsabläufe trainiert werden. Ebenso gilt es Übungen zu absolvieren, um den Gleichgewichtssinn zu optimieren.

SCM-Rollsportlerin Victoria Krause hat großen Anteil an der Entstehung, Organisation, Promotion und Durchführung der Kilometer-Challenge.
SCM-Rollsportlerin Victoria Krause hat großen Anteil an der Entstehung, Organisation, Promotion und Durchführung der Kilometer-Challenge. © privat

Nadja Schuster, die selbst mal aktive Eisschnellläuferin war, hat dafür spezielle Programme entwickelt – und bringt die Turnhalle in die Kinder- oder Wohnzimmer ihrer Schützlinge. Natürlich über das Internet. Alle Vereinsmitglieder und ihre Angehörigen können über den PC, den Laptop oder ein Handy am Online-Training teilnehmen, sagt sie. Zwei Quadratmeter reichen als Fläche völlig aus, fügt sie hinzu. Die jüngsten Teilnehmer beim Online-Training sind übrigens gerade mal sieben Jahre alt.

Zum virtuellen Training schalten sich die Rollsportler über eine Zoom-Konferenz zusammen. Videos oder von Sportlern des Vereins „vorgeturnte“ Übungen bekommt jeder Rollsportler auf sein Endgerät geliefert, beschreibt Nadja Schuster das Prozedere. Als Trainerin schaut sie an ihrem Computerbildschirm sehr genau hin. Online nimmt sie Kontakt zu einzelnen Sportlern auf, korrigiert Bewegungsfolgen, gibt Tipps zur bestmöglichen Körperhaltung.

Neben der Samstag-Gruppe gibt es noch weitere wöchentliche Online-Treffen, zu denen sich „die ambitionierten Wettkampf- und Kadersportler der Altersklassen 12 bis 22“, wie Nadja Schuster sie nennt, verabreden. Hier geht es dann um spezielle Übungen für die Ganzkörperkräftigung (Core-Training) und für die Ausdauer (Cardio-Workouts). Natürlich werde auch dabei nicht mit Inlineskates durch die Wohnung gerollt, so die Vereinschefin: „Dafür werden Hilfsmittel wie das Slideboard genutzt und sogenannte Imitationsübungen absolviert, die zum einen die Inline-Speedskating-Technik imitieren und zum anderen genau die Muskelgruppen ansprechen, die für unsere Sportart benötigt werden.“

Dass sie an ihrem Sport jede Mange Spaß haben, zeigten die Meißner Rollsportler auch mit einem Video, das der Verein als Neujahrsgruß über Facebook verbreitete. Zum Song „Jerusalma“ von KG Master haben die kleineren Sportler vor der Kamera getanzt, natürlich in Skatern. Aus den im vorigen Herbst entstandenen Videosequenzen ihrer Schützlinge hat Nadja Schuster ein „ganz süßes Video“ zusammengeschnitten, wie sie selbst sagt. Über 8.600 Leute haben es sich auf der Facebook-Seite des Vereins angeschaut – das ist SSC-Rekord.

„Die Corona-Pandemie fordert uns alle und nervt uns alle. Aber es gibt Möglichkeiten, um in den doch recht trist gewordenen Alltag, mehr Freude und Abwechslung zu bringen“, sagt die SCM-Vereinschefin. Vereinsleben und Vereinssport sind auch unter Corona-Bedingungen möglich – und „das gar nicht unbedingt so viel schlechter als in der Turnhalle“.

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