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Meißen: Gedenkstätte für Corona-Tote

Oft fehlt in der Pandemie die Gelegenheit zum Abschiednehmen. Das soll sich nun ändern.

In der Meißner St. Urbanskirche soll ein Gedenkort allen Menschen offen stehen, ob Christen oder Nichtchristen, um ihre Corona-Toten betrauern zu können.
In der Meißner St. Urbanskirche soll ein Gedenkort allen Menschen offen stehen, ob Christen oder Nichtchristen, um ihre Corona-Toten betrauern zu können. © Kathrin König

Von Kathrin König

Meißen. Einen Erinnerungsort für Verstorbene in der Corona-Pandemie wird es ab 2. März in Meißen geben. Dann ist es auf den Tag genau ein Jahr her, dass der erste bestätigte Corona-Infizierte in Sachsen registriert wurde.

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Sechs Mitglieder des Kirchenvorstandes der Johanneskirchgemeinde Meißen-Cölln und Pfarrerin Renate Henke bereiten den Raum dafür in der St. Urbanskirche vor. Die Kirche in unmittelbarer Nähe zur Johanneskirche wird seit mehr als 120 Jahren auch als Friedhofskapelle genutzt. „Wir wollen Familien und Freunden Platz für ihre Trauer und ihren Verlust geben“, sagt Pfarrerin Henke.

Der Gedenkort solle allen Menschen offen stehen, ob Christen oder Nichtchristen. Viele Familien hätten wegen der Corona-Schutzverordnung nur in ganz engem Rahmen Trauerfeiern und Beerdigungen organisieren dürfen. Viele konnten gar nicht persönlich Abschied nehmen. Angehörige, deren Verwandte in einem der Meißner Pflegeheime gestorben waren, hätten Renate Henke auch immer wieder um seelischen Beistand gebeten. „Ihnen hat einfach die Möglichkeit des Abschieds gefehlt“, sagt Henke. Oft hätten Trauernde von einem großen Schweigen berichtet, das sie nach dem Tod eines Familienmitglieds während der Pandemie spürten. „In der Urbanskirche nehmen wir die Trauer und die Betroffenen in den Blick. Die Hinterbliebenen sollen sich individuell begegnen können“, hofft die Pfarrerin.

Kontrast zu den gestapelten Särgen

Geplant ist vor dem Altar eine Erinnerungswand, an der an die Corona-Toten gedacht werden kann, mit Namen, Bildern oder Texten - wenn die Angehörigen das wollen. Gegenüber soll eine Fürbitten-Tafel stehen, an der Besucher ihre Klagen, Bitten oder Dank anbringen können. Zur Erinnerung können auch Kerzen angezündet und Gedanken in einem Erinnerungsbuch geschrieben werden. Unabhängig vom Corona-Gedenkort finden in der St. Urbanskirche bereits seit November 2020 montags bis freitags liturgische Mittags- und Abendgebete statt.

Pfarrerin Henke wertet den künftigen Corona-Gedenkort als Kontrast zu den „beklemmenden Bildern von gestapelten Särgen“ im Krematorium Meißen, die im Dezember bundesweit und international Schlagzeilen provozierten. „Es hat uns bei der Vorbereitung auch geleitet, dass wir in Meißen lange Zeit die höchste Inzidenzzahl bundesweit hatten.“ Pfarrerin Renate Henke beerdigte auch in den Monaten Januar und Februar doppelt so viele Menschen wie in den Vorjahresmonaten.

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Ob sich parallel zum Gedenkort in der Friedhofskapelle noch mehr entwickeln wird, weiß das Organisationsteam zurzeit noch nicht. „Vielleicht findet sich auch eine Art Trauergruppe. Das müssen wir erst noch sehen“, schätzt Renate Henke. Wegen der Pandemiebestimmungen wird die Eröffnung am 2. März nur in einem nichtöffentlichen, kleinen Rahmen stattfinden können, teilen die Organisatoren mit. Der Meißner Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) will ein Grußwort sprechen, Domkantor Thorsten Göbel wird den Gedenkort mit Orgelbüchlein-Chorälen von Johann Sebastian Bach musikalisch würdigen.

  • St. Urbanskirche, Dresdner Str. 19, 01662 Meißen, immer geöffnet montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr, um 12 Uhr Mittagsgebet, um 18 Uhr Abendgebet.

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