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Für das Literaturfest im Juni sehen die Organisatoren keine Perspektive mehr. Eine Absage stand aber niemals zur Debatte.

2020 war die Welt noch in Ordnung: Organisator Daniel Bahrmann mit den Programmheften für das Literaturfest Meißen.
2020 war die Welt noch in Ordnung: Organisator Daniel Bahrmann mit den Programmheften für das Literaturfest Meißen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Diese Entscheidung ist nicht leichtgefallen – und ihr waren mehrere schlaflose Nächte vorausgegangen, räumt Daniel Bahrmann ein. Aber angesichts des Hickhacks in der Politik um den Umgang mit der Corona-Pandemie sehen er und seine Mitstreiter im kleinen Team der Literaturfest-Organisatoren keine Perspektive mehr, das Ereignis wie vorgesehen am zweiten Juni-Wochenende stattfinden zu lassen. Gemeinsam mit der Stadt, dem Theater, den Programm-Partnern sowie dem Gesundheitsamt wurde entschieden, das Literaturfest auch in diesem Jahr zu verschieben. „Wir planen jetzt für das Wochenende vom 10. bis zum 12. September“, so Daniel Bahrmann.

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Den Ausschlag für die Entscheidung habe die Testpflicht gegeben. „Für unsere Veranstaltungen, die zumeist unter freiem Himmel und an vielen verschiedenen Orten stattfinden, ist das schlicht nicht machbar“, sagt Daniel Bahrmann. Das hätte bedeutet, die einzelnen Leseorte abzusperren und an den Eingängen Helfer zu postieren, welche die Nachweise über einen negativen Test einsammeln müssten. Das kann das kleine Team, mit dem der Träger des Kunst- und Kulturpreises der Stadt Meißen die 12. Ausgabe des Literaturfestes vorbereitet, nicht stemmen.

Beschränkungen sollten aufgehoben sein

Andererseits hat sich das Literaturfest in den Jahren zum größtes Lesefest bei freiem Eintritt in Deutschland gemausert – deshalb stand eine Absage niemals zur Debatte. „Wir hoffen, im Spätsommer klärt sich die gesamte Situation, und wir zählen darauf, dass bis dahin die Beschränkungen weitestgehend aufgehoben sind“, heißt es auf der Web-Seite der Literaturfest-Organisatoren.

Daniel Bahrmann hat jetzt alle Hände voll damit zu tun, den neuen Termin bekanntzugeben und die eingeladenen Autoren und Vorleser, die bereits zugesagt hatten, zu informieren. Etwa 130 Lesungen stehen auf seinem vorläufigen Programmplan. Die wenigsten Programm-Partner werden überrascht sein, weil die Absage bzw. Ansage eines neuen Termins aus Meißen nicht die einzige solcher Nachrichten in diesen Tagen sein dürfte. Manche werden aber in Terminschwierigkeiten kommen, da im September auch andernorts auf den Neustart des kulturellen Lebens gehofft wird und Veranstaltungen stattfinden werden.

Für die Lesungen unter freiem Himmel, die eigentlich im Frühsommer stattfinden sollten, müssen nun mehr Schlecht-Wetter-Varianten eingeplant werden, sagt Daniel Bahrmann. Für die große Bühne am Markt steht dafür traditionell das Rathaus, für die Kinderbühne am Tuchmachertor das daneben stehende Haus der SEEG und am Heinrichsplatz das Stadtmuseum zur Verfügung.

Statt eines großen Leitthemas sollen in diesem Jahr mehrere sehr unterschiedliche Autoren in den Fokus gerückt werden, die allerdings eines gemein haben: „Sie alle sind Jahrgang 1921 und ihr 100. Geburtstag soll angemessen gewürdigt werden, am besten natürlich mit Lesungen aus ihren Werken. Zu den Jubilaren gehören neben den großen deutschen Schriftstellern Friedrich Dürrenmatt und Heinz G. Konsalik, auch der polnische Kultautor Stanislaw Lem und Max Kruse, dem wir die Augsburger Puppenkiste und Urmel aus dem Eis verdanken“, kündigen die Literaturfest-Organisatoren an. Und zum 200. Mal jährt sich am 11. November dieses Jahres der Geburtstag des russischen Dichters Fjodor Dostojewski. Gemeinsam mit der Dostojewski-Gesellschaft aus Dresden sind besondere Lesungen in Vorbereitung, verrät Daniel Bahrmann.

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Das Literaturfest in diesem Jahr zu verschieben, ist auch ein klares Signal an die Sponsoren. Zwar können die Organisatoren auf finanzielle Unterstützung aus dem Programm „Neustart Kultur“ des Bundes hoffen, aber auch deren Beitrag wird gebraucht, damit das Meißner Lesefest auch in diesem Jahr seinem Ruf gerecht wird – und Einheimische wie Besucher begeistert.

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