SZ + Meißen
Merken

Jörg Kachelmann will nach Meißen kommen

Die AfD will das Kornhaus auf dem Meißner Burgberg kaufen. Die Zahl derer, die das verhindern wollen, wächst. Auch Prominente sind dabei.

Von Ines Mallek-Klein
 5 Min.
Teilen
Folgen
Anfang Juli wird das Kornhaus auf dem Meißner Domberg versteigert. Die AfD hat bereits Interesse bekundet.
Anfang Juli wird das Kornhaus auf dem Meißner Domberg versteigert. Die AfD hat bereits Interesse bekundet. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das Kornhaus auf dem Meißner Burgberg darf nicht zu einer "Nazikaderschmiede" werden, sagt Sophie Koch. Die Vizelandesvorsitzende der SPD lebt in Dresden, hat aber in ihrer Heimatregion, dem Vogtland, erlebt, wie umtriebig sich rechte Gruppierung in Immobilien in der Region einnisten und dort Jugend- oder Sozialarbeit anbieten. "Dort ist es der Rechte Weg, in Meißen die AfD", so Sophie Koch. Dass die Alternative für Deutschland das Kornhaus in ein Schulungs- und Tagungszentrum verwandelt, möchte sie verhindern und hat auf dem Nachrichtendienst Twitter um Unterstützung gebeten. Die ließ nicht lange auf sich warten und hat in ihrer schieren Zahl selbst die erfahrene Social Media Redakteurin Koch überrascht.

Jörg Kachelmann plant Besichtigung in Meißen

Auch Jörg Kachelmann, Moderator und Meteorologe, hat auf den Tweet mit den Worten "Ich mache mit, wer macht noch mit? Bitte Menschen mit Kohle und systemnaher linker Gesinnung melden..." reagiert. Jörg Kachelmann kennt das Kornhaus nicht. Doch das soll sich bald ändern.

Anzeige
EUROJACKPOT WÄCHST– NÄCHSTE ZIEHUNG AM FREITAG (08.07.)
EUROJACKPOT WÄCHST– NÄCHSTE ZIEHUNG AM FREITAG (08.07.)

Zur letzten Ziehung ist es keinem Mitspieler gelungen, den Jackpot zu knacken. Damit geht es diesen Freitag um einen satten Millionengewinn in Höhe von 82 Millionen Euro* für einen oder mehrere Gewinner.

Gegenüber der MoPo erklärte er, dass er zeitnah nach Meißen kommen wolle, um die Immobilie zu sehen. Aber auch, um nach einer Lösung für das im 15. Jahrhundert erbaute Haus zu suchen. "Ich bespreche mich mit allen Menschen, die sich gemeldet haben, um zu lernen, ob man etwas tun kann. Der Gedanke, dass es da ein großes AfD-Gebäude gäbe in ‚meinem‘ Sendegebiet, würde mich sehr beelenden", so Kachelmann auch Nachfrage von saechsische.de. Er möchte mithelfen, das Haus als öffentlich zugängliches Gebäude zu erhalten, allerdings nicht ohne lokale Expertise. Doch vorrangig, so Kachelmann, sei bei einer solchen Immobilie der Freistaat in der Pflicht. Das sieht Sophie Koch nicht anders. Sie weist auf den zwischen CDU und SPD geschlossenen Koalitionsvertrag hin. Er regele ganz klar, dass der Freistaat in solchen Fällen in der Pflicht sei, die Kommune zu unterstützen.

Der Traum vom Luxushotel

Der Stadt Meißen gehörte das Gebäude auf dem Burgberg bis zum Jahr 2008. Es wurde zuletzt als Wohnhaus genutzt und wurde von der kommunalen Firma SEGG Meißen mbH verwaltet. Eine italienisch-österreichische Investorengruppe kaufte das Objekt für eine halbe Million Euro. Die historischen Gemäuer sollten die Kulisse eines Luxushotels werden, so die vollmundigen Pläne. Durchfinanziert war das Vorhaben offenbar nie. Die Finanzkrise bot den neuen Eigentümern aber die Chance, auf Zeit zu spielen. Unterdessen wurde in der Stadt heftig diskutiert, ob der Burgberg ein Luxushotel verkraftet, wie Besucher- und Güterströme gelenkt werden sollen. Am Ende eine überflüssige Diskussion, denn das Kornhaus steht bis heute große Teile des Jahres leer. Allenfalls bei Baumaßnahmen wird es als Lagerraum genutzt.

Finanziell klamm, blieben die vermeintlichen Investoren schließlich der Stadt Meißen ihre Grundsteuer schuldig, sodass die Kommune einen Titel erstreiten konnte. Der Termin zur Zwangsversteigerung ist für den 4. Juli 2022 angesetzt. Das Verfahren wollten die Eigentümer ursprünglich abwenden und kündigten eine Nachzahlung der Grundsteuer an. Das ist aber nach Recherchen von saechsische.de zu folge bis dato nicht geschehen.

AfD plant Schulungszentrum

Unterdessen hat die AfD angekündigt, bei der Zwangsversteigerung mitbieten zu wollen. Das Einstiegsgebot wurde auf 370.000 Euro festgesetzt. Gelder, die man vor allem aus Spenden generieren wolle, rund 60 Prozent des Kaufpreises seien schon abgedeckt, sagte der Bundesschatzmeister der AfD, Carsten Hütter. "Der Bundesverband der AfD sucht schon längere Zeit ein Objekt, das zu einer konservativen Partei passt", so Hütter weiter. Er wolle am kommenden Montag einen entsprechenden Antrag beim Bundesvorstand einbringen und sei zuversichtlich, dort auf Zustimmung zu stoßen. Die eigentliche Herausforderung sei freilich nicht der Kauf, sondern die Sanierung des Hauses.

Kein Kauf ohne Konzept

Die Vorstellung, dass in einer so schönen Stadt wie Meißen ein Tagungszentrum der AfD entstehe, dass sich dort regelmäßig Menschen versammeln, die der rechten Gesinnung nahestehen, wollte Sophie Koch nicht tatenlos hinnehmen. Sie sieht zunächst die Politik in der Verantwortung und hält eine Beratung im Landtagsausschuss für Regionalentwicklung für unbedingt nötig. Sollte es hier keine Lösung geben, müsse die Zivilgesellschaft aktiv werden, so die 28-jährige Politikerin.

Weiterführende Artikel

Eine gemeinsame Allianz kann dem Kornhaus eine Zukunft geben

Eine gemeinsame Allianz kann dem Kornhaus eine Zukunft geben

Kommentar über die Zukunft des Meißner Kornhauses

Jörg Kachelmann will das Meißner Kornhaus retten

Jörg Kachelmann will das Meißner Kornhaus retten

Der Moderator und Meteorologe Jörg Kachelmann ruft zu Spenden für das Meißner Kornhaus auf. Mit dem Geld soll ein Verkauf an die AfD verhindert werden.

Kornhaus Meißen: "Kein Spielball für rechte Populisten"

Kornhaus Meißen: "Kein Spielball für rechte Populisten"

Das Kornhaus dürfe kein rechter Veranstaltungsort werden, teilt die Landtagsfraktion der Grünen mit. Die AfD hatte zuvor Kaufinteresse bekundet.

Meißner Kornhaus bald in Hand der AfD?

Meißner Kornhaus bald in Hand der AfD?

Die AfD will das Kornhaus auf dem Meißner Burgberg kaufen. Der Bundesschatzmeister bestätigte entsprechende Pläne. Die Nachricht löst ein geteiltes Echo aus.

In der jetzigen Phase gehe es zunächst darum, Unterstützer für das Kornhaus zu finden. In welcher Form die sich dann beim Kauf und der Sanierung einbringen, aber auch welche Rechtsform man nutze, das sei alles noch offen. Über die Zahl derer, die sich für das Kornhaus interessieren, freut sich auch der Landtagsabgeordnete Frank Richter (SPD). "Es ist beeindruckend, wie vielen Menschen - auch außerhalb unserer Stadt und außerhalb Sachsens - die Zukunft des Kornhauses am Herzen liegt", so Richter. Er verstehe aber auch, dass sich der Freistaat mit Kaufplänen zurückhalte. "Man kann kein Steuergeld für das Gebäude und die Sanierung ausgeben, ohne dass man weiß, was danach damit geschehen soll. Immerhin ist die Stadt Meißen die Verursacherin des Verlustes", sagt Richter und schiebt damit den Schwarzen Peter zurück an die Kommune. Nur nach Geld oder Kauf rufen, ohne eigene Idee - das sei sehr billig, so der SPD-Politiker, der aber auch klarstellt: "Das Kornhaus, die Wiege Sachsens, in den Händen einer einzigen Partei, - das will ich nicht. Das müssen wir gemeinsam verhindern." Zuvor hatte schon ein Sprecher des sächsischen Finanzministeriums erklärt, dass der Freistaat kein Interesse habe, bei der Versteigerung als aktiver Bieter aufzutreten.

Mehr zum Thema Meißen