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Meißen tritt auf die Kostenbremse

Bauarbeiten im Prälatenhaus an den Roten Stufen 3 sollen neu ausgeschrieben werden.

Ein Hingucker ist der sanierte Backsteingiebel des Prälatenhauses – dank des Engagements der Vereinsmitglieder des Kuratoriums "Rettet Meißen – Jetzt!"
Ein Hingucker ist der sanierte Backsteingiebel des Prälatenhauses – dank des Engagements der Vereinsmitglieder des Kuratoriums "Rettet Meißen – Jetzt!" © Claudia Hübschmann

Meißen. Dieses Haus hat es verdient, gründlich saniert zu werden. So brachte Andreas Graff von der Linken-Stadtratsfraktion seinen Gesamteindruck nach einem Besuch des Prälatenhauses auf den Punkt. Am Dienstag, einen Tag vor der Stadtratssitzung, hatten sich Vertreter mehrerer Fraktionen in Meißens ältestem Wohnhaus umgesehen und sich einen Überblick über dessen Zustand verschafft.

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An den Roten Stufen 3 beeindruckt das vor über 500 Jahren vom bischöflichen Notar Nikolaus Heynemann errichtete Haus mit sanierter Fassade und erneuertem Dach. Aber der äußere Eindruck verrät nicht die ganze Wahrheit, wie zahlreichen Stadträten nach dem Besuch vor Ort klar ist. Im Inneren ist noch sehr viel zu tun, damit das seit den 90er Jahren vor dem Verfall gerettete Haus auch genutzt werden kann. Neben planerischem Geschick, baulicher und restauratorischer Handwerkskunst bedarf es noch einer Menge Geld, um die Decken zu sanieren, Treppen, Toiletten und neue Haustechnik einzubauen.

Beim Planen der nächsten Arbeiten ist die Stadt an Grenzen geraten, wie Bauamtsleiter Dirk Herr am Mittwochabend im Stadtrat erklärte. Denn in diesem Jahr stehen nur noch insgesamt 630.000 Euro aus dem EU-Förderprogramm zur regionalen Entwicklung (EFRE) zur Verfügung. Weitere 158.000 Euro kann die Stadt aus ihrem Haushalt als Eigenmittel dazu geben. Mehr geht nicht!

So begründete der Bauamtsleiter zwei Beschlussanträge der Verwaltung. Demnach sollen die Ausschreibungen für Bauarbeiten und zur Elektroinstallation im Prälatenhaus aufgehoben werden. Die Ausschreibungen seien im Frühjahr parallel zum Baugenehmigungsverfahren erfolgt, um keine Zeit zu verlieren. Angesichts zusätzlicher Auflagen im Genehmigungsbescheid der Denkmalbehörde könne nun aber nicht garantiert werden, dass alles im Kostenrahmen bleibt. Das gelte auch für das eine Angebot, das innerhalb dieses Rahmens liegt.

Bei den Arbeiten zur Elektroninstallation hatte die Kostenrechnung der Stadt einen Aufwand von 141.600 Euro ergeben. Das günstigste Angebot für diese Teilleistung, das im Rathaus einging, habe 43 Prozent über dieser Summe gelegen. Um in einigen Wochen nicht über Nachträge reden zu müssen, bat Bauamtsleiter Herr die Stadträte um Zustimmung für seinen Vorschlag.

Dem folgte eine Mehrheit – bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen bei den Bauhauptleistungen sowie bei vier Enthalten für die Arbeiten an der Elektroinstallation. An der Abstimmung hatte sich Ingolf Brumm (Linke) nicht beteiligt. Der Bauunternehmer hatte bei der Ausschreibung um die Bauhauptleistungen ein Angebot bei der Stadt abgegeben und war demzufolge befangen.

Von außen erstrahlt das Prälatenhaus an den Roten Stufen 3 bereits in neuem Glanz.
Von außen erstrahlt das Prälatenhaus an den Roten Stufen 3 bereits in neuem Glanz. © Claudia Hübschmann

Keine Gefahr des Verfalls

Diese „Bremse“, von der Jürgen Hampf (Bürger für Meißen/SPD) sprach, müsse mit dem Nachdenken über das weitere Vorgehen verbunden sein. Schon bei der nächsten Stadtratssitzung am 7. Juli sollte eine Grundsatzentscheidung fallen, erklärte OB Olaf Raschke (parteilos). Bis dahin werde die Ausschreibung im Bauamt so überarbeitet, dass die Arbeiten aus dem vorhandenen Budget bezahlt und in diesem Jahr erledigt werden können, damit die Fördermittel nicht verfallen. Als „etwas reduziert“ bezeichnete Albrecht Herrmann, der neue Baudezernent, die Leistungen, die nun neu geplant und in vier Wochen den Stadträten zur Beschlussfassung vorgelegt werden sollen.

Das Prälatenhaus ist ein Mehrgenerationenhaus, sagte Uwe Köhler von der FDP/Freie Bürger/CDU/U.L.M.-Großfraktion. Und er bezog das nicht nur auf die vielen Generationen, die in diesem Gebäude lebten, sondern auch auf die Größe der Aufgabe, es zu erhalten. Die Aussichten dafür seien günstig, weil das Dach dicht ist. Es bestehe keine Gefahr des Verfalls, sodass die weiteren Arbeiten im Innern gestreckt werden können.

Das Objekt ist definitiv erhaltenswürdig, bekundete Oliver Eggert (AfD). Auch er hatte sich am Dienstag im Prälatenhaus selbst ein Bild von dem gemacht, was noch getan werden muss, um es fertig zu sanieren. Wie er bekennen sich Stadträte jetzt zu diesem Baudenkmal in Meißen – ebenso dazu, dass es im Interesse der Stadt liegt, es so herzurichten, dass es auch wieder genutzt werden kann.

Das ist auch eine gute Voraussetzung, um in den nächsten Jahren nach neuen Möglichkeiten zur Förderung aus staatlichen Programmen und Spenden zu schauen. Aber noch fehlt es an einem Konzept für die künftige Nutzung dieses Meißner Kleinods. Ute Czeschka (Bürger für Meißen/SPD) mahnte es in der Debatte am Mittwoch erneut an.

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Dieses Haus, das Elemente aus den Epochen Gotik, Renaissance und Barock aufweist, ist für die Stadtgeschichte so bedeutend wie die Albrechtsburg und die Porzellan-Manufaktur, ist Ingolf Brumm überzeugt. Das Baudenkmal könnte als Station in Stadtführungen einbezogen, für Kammermusik-Konzerte oder für Tagungen von Vereinen genutzt werden, sagt der Stadtrat, der selbst an den ersten Arbeiten zur Rettung des Hauses beteiligt war. Wichtig sei jetzt, das erneute Ausschreibungsverfahren so anzugehen, dass die Fördermittel nicht verfallen. Mit seinem Unternehmen will sich Ingolf Brumm wieder beteiligen und ein Angebot abgeben.

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