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Meißnerin will Yenidze in Theater verwandeln

Anne Dietrich sammelt Geld für den Ausbau der Yenidze-Kuppel. Das Theater-Programm soll eine Brücke nach Indien, ihrer zweiten Heimat schlagen.

Anne Dietrich möchte mit indischen Tänzen und Handgesten ein bisschen Magie und Weisheit des Orients herzaubern.
Anne Dietrich möchte mit indischen Tänzen und Handgesten ein bisschen Magie und Weisheit des Orients herzaubern. © Claudia Hübschmann

Ein Theaterzelt in 60 Metern Höhe unter der Kuppel der Yenidze. Für diesen Traum sammelt Anne Dietrich seit einem Monat Spenden. Fast 14.000 Euro sind bereits zusammengekommen. Ausbezahlt wird das Geld allerdings nur, wenn ihre Wunschsumme von 18.500 Euro erreicht wird. Es bleiben fünf Tage, die über das finanzielle Fundament des Umbaus entscheiden. Doch Sorgenfalten sucht man in Dietrichs Gesicht vergeblich. Die gebürtige Eulitzerin hat aus ihren Reisen nach Indien nicht nur exotische Tanzschritte, sondern ganz viel Gelassenheit mitgebracht.

Klappt alles, bekommt die Kuppel der ehemaligen Zigarettenfabrik ab Oktober eine neue künstlerische Ausrichtung: Tanz, Theater, Workshops und Diskussionen, alles soll sich ums Thema Indien drehen. "Gerade jetzt, wollen wir ein Stück von der Ferne, der Magie und Weisheit des Orients herzaubern", sagt Dietrich, die sich vor allem um die Tanzveranstaltungen kümmern wird. Eine Faszination, die in Meißen gewachsen ist: Ihren ersten Auftritt hatte sie im Theater Meißen. Für Studium und Tanzausbildung zog sie nach Leipzig, studierte klassischen Tanz in Indien und lebt seither zwischen den Welten: Im Winter in Indien, im Sommer in Deutschland. Zwischen ihren Reisen hat sie ganz spontan in die Yenidze gefunden:

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Vor acht Jahren - Dietrich ist gerade in München zwischengelandet, noch am selben Abend geht ihr Flug nach Dresden - klingelt ihr Handy: Bei einer orientalischen Tanzveranstaltung in der Yenidze sei eine Tänzerin abgesprungen. Dietrich sagt noch am Flughafen zu und muss sich in Dresden noch mal versichern, ob der Auftritt wirklich am nächsten Tag stattfindet.

"Ich hatte nicht mal die Zeit, meine Koffer auszupacken", erinnert sich die 39-Jährige. "Ohne die Erfahrungen, die ich in Indien gesammelt habe, hätte ich wahrscheinlich abgesagt und erst mal meine Wäsche gewaschen." Aus der "Hauruck-Aktion" wächst eine enge Zusammenarbeit mit den damaligen Veranstaltern, die nun im gemeinsamen Kuppeltheater ihren Höhepunkt finden soll. Doch nicht nur die vielen Auftritte verbinden Dietrich mit der Yenidze, tatsächlich sei sie auch mit Architekt Martin Hammitzsch verwandt: "Vor meinem ersten Auftritt wusste ich das noch gar nicht. Meine Oma hat mir das erst danach erzählt."

Vom 63-Seelendorf in Millionenstadt

Obwohl die Kulturmanagerin und Tanzpädagogin die Welt gesehen hat, bleibt Meißen anziehend: "Nach der Zeit in Indien, habe ich noch mal so richtig gemerkt, wie schön meine Heimat ist und wie dankbar wir sein können, wie gut hier alles funktioniert: Wir sind abgesichert, haben warmes, fließendes Wasser und einen vollen Kühlschrank", sagt Dietrich. "Ich komme aus Eulitz mit mittlerweile 63 Einwohnern. Jugendliche zieht es von dort fort. Vielleicht braucht es erst eine Reise in eine 25-Millionen-Stadt wie Delhi, um diese Ruhe und Natur so richtig wertzuschätzen." Gerade plane sie einen großen Programmpunkt für die Lange Nacht in ihrer alten Heimat - vorausgesetzt, sie darf stattfinden.

In der Yenidze möchte Dietrich ihren Besuchern den Orient mit Geschichten, Tanz und Theater näherbringen. Dafür eigneten sich indische Tänze besonders. "Mit Mudras - also subtilen Handgesten, die wie Gebärdensprache funktionieren - lässt sich während des Tanzes eine Geschichte erzählen." Der Zuschauer lerne diese elegante Zeichensprache schnell zu decodieren; vor allem in einer kleinen Kuppelbühne: "Dort lassen sich die Zuschauer mit ganz viel Gestik und Mimik mit einbeziehen, man kann sie direkt anschauen und mit ihnen spielen."

Je nach Vorführung soll der neue Veranstaltungsort in 60 Metern Höhe Platz für 50 bis 60 Zuschauer bieten. Damit es im Sommer nicht zu heiß wird, soll die Kuppel ein klimatisierbares Zelt bekommen, damit es gut klingt und gut aussieht, soll eine neue Beleuchtungs- und Tonanlage her sowie eine platzsparende Bar zum Hochklappen. Investitionen in Höhe von 70.000 Euro. Doch der Umbau würde sich lohnen, denn für Inszenierungen zum Thema Fremde und Indien biete die Yenidze die optimale Kulisse.

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