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Meißner Brandstifter vor Gericht

Im vergangenen Jahr wurden sie durch die Kripo gefasst. Jetzt beginnt der Prozess am Landgericht Dresden.

Am 8. Juni 2019 lodert es in der alten Zellstofffabrik in Kötitz. Mehr als 50 Feuerwehrleute löschen damals den halben Samstag und die Nacht die Flammen. Zunächst wurden dort Jugendliche vermutet, die sich wiederholt illegal in den Werkhallen getroffen
Am 8. Juni 2019 lodert es in der alten Zellstofffabrik in Kötitz. Mehr als 50 Feuerwehrleute löschen damals den halben Samstag und die Nacht die Flammen. Zunächst wurden dort Jugendliche vermutet, die sich wiederholt illegal in den Werkhallen getroffen © Arvid Müller

Meißen. Die Liste der mutmaßlichen Straftaten ist lang. Schwere Brandstiftung, Beihilfe zur Brandstiftung, körperliche Misshandlung, Diebstahl, Hausfriedensbruch, Nötigung. Doch Max Maier* schmunzelt, als er mit Handschellen in den Gerichtssaal des Dresdner Landgerichts geführt wird. Er schmunzelt selbst noch nach der halbstündigen Verlesung seiner Anklage. Offensichtlich nimmt er die Verhandlung nicht ernst.

Doch der Fall am Landgericht Dresden ist brisant. Allein zehn Brände werden ihm vorgeworfen. Ein weiterer Meißner – Klaus Kenner – der teilweise beteiligt war, ist ebenso angeklagt. Im August 2019 werden beide gefasst: durch die Mannschaft um Jürgen Leistner, Leiter der Kriminalisten der Kriminalaußenstelle Meißen der Polizeidirektion Dresden.

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Angeklagter war "leicht angedudelt"

Bereits vor Weihnachten 2017 gibt es einen Brand, der beiden vorgeworfen wird. Und zwar legten sie mutmaßlich Feuer in der Lagerhalle des Möbelhauses Hülsbusch am Ehrlichtweg in Weinböhla. Dort ist die Ausrüstung des Karnevalvereins eingelagert. Laut dem Staatsanwalt, der die Anklage vorliest, entstand ein Schaden von mehr als 90.000 Euro. Die Feuerwehr verhinderte damals, dass Schlimmeres geschah. Weitere gelegte Brände betreffen den ehemaligen Gasthof Waldschlösschen in Weinböhla sowie die alte Zellstofffabrik an der Emil-Hermann-Nacke-Straße in Kötitz, den Stadtwald sowie ein Mehrfamilienhaus in Meißen auf der Leipziger Straße und ein Haus in der Obergasse. 

Max Maier hätte im Falle des Möbelhauses "Schmiere gestanden", wie er selbst behauptet. "Das war so abgesprochen." Angeblich waren es Klaus Kenner und andere, die den Brand gelegt haben. Auf die Frage des Richters, warum sie den Brand gelegt haben, zuckt der Meißner mit den Schultern. "Kein Ahnung." Der Staatsanwalt glaubt dem 22-jährigen Mann nicht, dass er nur aufgepasst hat. Denn die Lagerhalle liege mitten im Gewerbegebiet, wo zum Tatzeitpunkt nach Mitternacht sicherlich keiner mehr gewesen sei.

Am 7. Juni legte jemand einen Brand in Weiden, Bayern. Max Maier habe dort den Lkw-Sattelauflieger des Zirkuschefs Hardy Weisheit in Brand gesetzt. Am 30. Juli zündete er zudem das Winterlager des Zirkus an. Eine Mitarbeiterin erleidet eine Rauchvergiftun
Am 7. Juni legte jemand einen Brand in Weiden, Bayern. Max Maier habe dort den Lkw-Sattelauflieger des Zirkuschefs Hardy Weisheit in Brand gesetzt. Am 30. Juli zündete er zudem das Winterlager des Zirkus an. Eine Mitarbeiterin erleidet eine Rauchvergiftun © Claudia Hübschmann

Zu dem Zeitpunkt war Max Maier jedoch "leicht angedudelt". Das heißt in seinem Fall, dass er Bier und Schnaps getrunken hat. Er wusste aber, was er tat, beteuert er dem Richter. Doch wie aussagekräftig das ist und ob er nicht doch den Brand gelegt habe – das ist an diesem Verhandlungstag nicht eindeutig feststellbar. Denn Klaus Kenner behauptet, er sei gar nicht an dem Tag in Weinböhla gewesen. Nachteilig für Max Maier ist zudem, dass er nach eigener Aussage regelmäßig Crystal Meth nimmt. Das ist eine Droge, durch die man länger wach bleibt, mitteilsamer, leistungsfähiger und fröhlicher ist – auf Kosten einer Abhängigkeit und starken Zerstörung des Körpers.

Ein anwesender Psychiater, der das Gutachten zu Max Maier schreibt, fragt nach, was er sich unter "angedudelt" vorstellen soll. Erst möchte der Angeklagte die Aussage verweigern. Sein Anwalt rät ihm aber zu. "Ich bin dann aggressiver, reagiere ganz anders und schlage schneller zu, als ich will, und begehe Straftaten." Dasselbe gelte für Crystal Meth. "Die Taten bereue ich immer im Nachhinein." Denn eigentlich sei er ein lieber Kerl, wie ihn seine Schwester bezeichnet. Wenn er nur nicht so viel Alkohol trinken würde. Denn von Crystal Meth wisse sie nichts. Die 20-Jährige tritt in der Verhandlung als Zeugin auf. Jedoch nicht im Falle des Brands, sondern einer Familienschlägerei in der Silvesternacht von 2018 auf 2019.

Ein Hang zu Feuer und Gewalt

Hier prallte die Familie mit mehr als zehn Kindern aufeinander, und es kam zu einer Schlägerei im Haus. Mehrere Geschwister des Angeklagten mussten ins Krankenhaus. Nach Aussagen von Beteiligten hat sich Max Maier in einem Rausch befunden und sowohl seine Brüder als auch seine Schwester verletzt. Jedoch war am ersten von insgesamt drei Verhandlungstagen nicht eindeutig, wer eigentlich den Streit angefangen hat. Ein Nicht-Familienmitglied, das jedoch die Freundin eines Bruders von Max Maier ist, meinte dazu: "Bei ihren Familienfeiern wird so lange getrunken, bis alle total betrunken sind."

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Max Maier sitzt derzeit noch in einer Jugendstrafvollzugsanstalt. An welchen Bränden er tatsächlich beteiligt war, werden die kommenden Verhandlungstage zeigen. Sicher ist jedoch, dass er einen Hang zum Feuer hat. Denn der Meißner habe in der Haft einen Brand gelegt. Und zwar zündete er sein Handtuch an und warf es aus dem Fenster. Er begründet das damit: "Mir ging es nicht gut, und ich brauchte jemanden zum Reden. Nach zwei Stunden kam aber niemand." Darauf stellte der Richter die Frage: "Sie zündeln also aus Verärgerung?"  

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