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Meißner Schuhe zum Landtag gebracht

OB Olaf Raschke stellt sich hinter aufgebrachte Eltern und beruhigt zum Umgang mit den Protesten.

Wohin sind die Protestbriefe- und Plakate sowie Schuhe verschwunden, die ab Sonnabend vor dem Meißner Rathaus lagen? Darüber herrschte zunächst Unklarheit.
Wohin sind die Protestbriefe- und Plakate sowie Schuhe verschwunden, die ab Sonnabend vor dem Meißner Rathaus lagen? Darüber herrschte zunächst Unklarheit. © Claudia Hübschmann

Meißen. Große Aufregung war am Sonntag und Montag aus Beiträgen von eifrigen Meißner Facebooknutzern in den Kommentarspalten herauszulesen. Die Schreiber zeigten sich verärgert darüber, dass Spielzeug, Luftballons, alte Kinderschuhe und selbst gestaltete Plakate beräumt wurden, die am Sonnabend von Protestlern gegen die Corona-Auflagen dort deponiert worden waren.

Auf SZ-Nachfrage am Dienstag teilte die Pressestelle des Rathauses mit, dass eine Kiste mit einigen der am Sonnabend abgelegten Protest-Gegenständen am Montag mit einem Schreiben des Oberbürgermeisters Olaf Raschke (parteilos) von einem Mitarbeiter der Verwaltung zum Landtag nach Dresden gebracht worden sei. Empfänger: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

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Der erwähnte Brief des Meißner Rathauschefs wurde mittlerweile auf der offiziellen Internetseite der Stadt veröffentlicht. Darin heißt es: "Den Protest kann ich nicht nur nachvollziehen, sondern unterstütze ihn auch. Das alleinige Festmachen von Entscheidungen an einer Inzidenzzahl von positiv auf Covid19 getesteten Personen kann künftig nicht das alleinige Kriterium sein, um Entscheidungen für die Zukunft zu treffen." Raschke fordert den sächsischen Regierungschef abschließend dazu auf, umgehend Kriterien in Gang zu setzen, die im Sinne der Kinder und Jugendlichen und deren Familien sind.

"Art und Weise der Krisenbewältigung ermüdet"

Ähnlich wie in Meißen reagierten andere Rathäuser im Kreis. So übergab Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos) am Montag einen Teil der vor dem Rathaus abgelegten Kinderschuhe an Kultusminister Christian Piwarz (CDU). "Am Sonntagvormittag hatte sich ja schon Einiges angesammelt. Aber nun sind es wirklich Hunderte von Schuhen, Plüschtieren, Plakaten und Zetteln geworden", so Sven Mißbach.

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Wie der Oberbürgermeister betonte, könne er die Enttäuschung von Kindern und Eltern absolut verstehen. Aus Gesprächen mit städtischen Schulleitern wisse er, dass die Möglichkeit zum Selbsttest der Schüler in der vergangenen Woche gut angenommen worden sei und auch keine positiven Fälle verzeichnet worden wären. Dennoch müssten die Einrichtungen, so wie auch Kindertagesstätten, nach nur wenigen Tagen jetzt wieder schließen. "Das ist auch für mich und meine Amtskollegen nicht nachvollziehbar. Und vor allem bringt es für viele Großenhainer, die bereits schon aus unterschiedlichen Gründen von der Art und Weise der gegenwärtigen Krisenbewältigung ermüdet sind, das Fass zum Überlaufen", sagte Sven Mißbach.

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