merken
PLUS Meißen

Mit der Bierflasche gegen den Krachmacher

Ein Meißner schlägt einem anderen Mann eine Flasche auf den Kopf. Er war verärgert über laute Musik in der Gartenanlage.

Ähnlich wie hier bei einer Schlägerei in Dresden wurde einem Mann in einer Gartenanlage in Meißen eine Bierflasche auf dem Kopf zerschlagen.
Ähnlich wie hier bei einer Schlägerei in Dresden wurde einem Mann in einer Gartenanlage in Meißen eine Bierflasche auf dem Kopf zerschlagen. © Daniel Förster

Meißen. Es ist nicht bekannt, ob der 47-jährige Meißner ein religiöser Mensch ist. Sicher ist aber, der Sonntag ist ihm heilig. Das ist kein Wunder. Der Mann arbeite schließlich als Verkäufer. Da ist der Sonntag oft der einzige freie Tag in der Woche. Die Ruhe möchte er genießen. Am liebsten in seinem Garten in einer Meißner Kleingartenanlage.

Doch mit jener Sonntagsruhe ist es an jenem Nachmittag jäh vorbei. In der Nähe dudelt Musik in voller Lautstärke. Sie kommt aus dem Garten eines 37-jährigen Meißners. Mit der Sonntagsruhe hat er es nicht so. Für den Mann ist jeden Tag Sonntag, er hat viel Tagesfreizeit. Denn er ist nicht nur arbeitslos, sondern hat auch keinen festen Wohnsitz. An jenem Tag sind auch drei Kinder in dem Garten, sein eigenes und zwei seiner „Lebensabschnittsgefährtin“, wie er sagt. Auch die machen Lärm. Vielleicht wollen sie die Musik übertönen, vielleicht ist es auch andersherum. Möglicherweise hat ihm auch der Alkohol ein wenig den Hörsinn vernebelt. Die Polizei wird später einen Atemalkoholwert von rund 1,7 Promille bei ihm messen.

Anzeige
Blasenentzündung - Was hilft?
Blasenentzündung - Was hilft?

Harnwegsinfektionen können Wohlbefinden und Lebensqualität erheblich einschränken. Frauen sind davon etwa viermal häufiger betroffen als Männer.

Bierflasche auf den Kopf

Der genervte Gartennachbar, der sich schon öfters über die laute Musik aufgeregt hat, schreitet nun zur Tat. Er geht in den Garten des Störenfriedes. Der fordert ihn auf, das Gelände zu verlassen, was dieser auch tut. Was danach passiert, dazu gibt es unterschiedliche Aussagen. Der Mann habe nach dem Gartentor getreten und ihn an der Brust getroffen, sagt der Krachwitz. Stimmt nicht, der laute Nachbar habe versucht, ihn anzugreifen, so der andere. Er habe sich nur gewehrt. Dabei habe er zufällig eine Bierflasche in der Hand gehabt. Die landet auf dem Kopf des Gartenbesitzers, zerbricht und bringt diesem eine fünf Zentimeter lange Schnittwunde über dem Ohr ein. Weil beide stürzen und zu Boden gehen, zieht sich der Krachmacher auch noch Schürfwunden an Rücken und Arm zu. 

Unklar ist, ob der Mann kurz bewusstlos wurde. Er will sich nur noch an die Situation an dem Gartentor erinnern. Er sei erst wieder zu sich gekommen, als er blutüberströmt aufwachte. Wegen gefährlicher Körperverletzung sitzt der 47-jährige Kontrahent nun vor dem Meißner Amtsgericht. Er spricht von einem „Reflex“, sei selbst verletzt worden und eine Woche krank gewesen. Auch seine Brille sei bei dem Streit kaputtgegangen, sagt er. „Ich bin ein friedlicher Mensch, versuche, jedem Streit aus dem Wege zu gehen“, so der Angeklagte. Auch er war angetrunken, hatte rund 0,84 Promille. 

Er hat doppeltes Glück

Es habe schon öfter Probleme wegen der lauten Musik gegeben, vor allem in den Ruhezeiten. „An diesem Tag war es extrem laut“, so die Ex-Ehefrau des Angeklagten. 

Für die Staatsanwältin ist der Tatvorwurf bestätigt, eine Notwehrsituation habe es nicht gegeben. Dennoch: Es hätten sich beide geschlagen. Aufgrund der Gesamtsituation beantragt sie, das Verfahren wegen geringer Schuld gegen eine Geldauflage einzustellen. So entscheidet auch das Gericht. Der Angeklagte muss 500 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen.

Dabei hat der Angeklagte doppeltes Glück. Bei einer durchaus möglichen Verurteilung hätte er mit einer Mindeststrafe von sechs Monaten Gefängnis rechnen müssen. Vor allem aber: Ein Schlag mit einer Bierflasche auf den Kopf kann auch ganz anders enden. Dann wäre die Sache vor dem Landgericht verhandelt worden. Und der Angeklagte hätte nicht nur seinen Job, sondern auch seine Freiheit verloren. Und das wohl für viele Jahre. Vielleicht sollten sich die beiden Streithähne mal bei einer Flasche Bier treffen und in Ruhe über den Lärm reden.

Mehr zum Thema Meißen