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Mit Gymnasialempfehlung zur Oberschule

Bei den Schulanmeldungen in Meißen und dem Umland zeichnet sich ein erstaunlicher Trend ab.

Bei den Anmeldungen der Fünftklässler für das nächste Schuljahr haben einige Familien offenbar auch die Folgen der Pandemie und des Fernunterrichts im Hinterkopf gehabt.
Bei den Anmeldungen der Fünftklässler für das nächste Schuljahr haben einige Familien offenbar auch die Folgen der Pandemie und des Fernunterrichts im Hinterkopf gehabt. © dpa

Meißen. Bei der Zahl muss man schon zweimal hinschauen. 71 Anmeldungen kann die Oberschule Lommatzscher Pflege nach Angaben des Landesbildungsamtes für das Schuljahr 2021/2022 vorweisen. Das sind 21 mehr als im vergangenen Jahr. Noch gar nicht so lang ist es her, dass die Landschule um aufgrund niedriger Zahlen um ihre Zweizügigkeit und damit Existenz bangen musste.

Woran liegt dieser Sprung und hängt er möglicherweise mit dem Hintergrund der Pandemie zusammen? Einen ersten Ansatz liefern die Angaben in der zweiten Spalte der Behördentabelle. Diesen ist zu entnehmen, dass 31 der 71 angehenden Fünftklässler von ihrer Grundschule eine Empfehlung für das Gymnasium erhielten. Zusammen mit ihren Eltern entschieden sie sich jedoch gegen diesen Weg und für Lommatzsch.

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Familiär und mit mehr Zeit zum Nachholen

Schulleiterin Silke Gerlach sieht in der familiären Atmosphäre, der ländlichen Geborgenheit einen denkbaren Grund für diesen Entschluss. Erhärtet wird dieser Gedanke durch die weiter steigenden Zahlen zum Beispiel am Meißner Franziskaneum. Mit 138 Schülern wollen dort acht Fünftklässler mehr als vergangenes Jahr ihr Abitur in Angriff nehmen. Am Geschwister-Scholl-Gymnasium Nossen legten die Anmeldungen noch stärker von 93 auf derzeit 105 zu.

In Nossen könnte sich Direktor Michael Janik an der Dr. Eberle-Oberschule eine weitere Ursache vorstellen. Vielleicht schreckten einige Eltern und Kinder das hohe Tempo und die Anforderungen an den Gymnasien ab. An den Oberschulen sei es leichter möglich, Defizite, die etwa beim Distanzunterricht entstanden sind, späterhin auszugleichen. Hinzu kommt aus Sicht Janiks, dass sich die Durchlässigkeit des Bildungssystems in Sachsen verbessert habe. Verschiedene Wege führen nach der zehnten Klasse weiter zum Abitur.

Die Pestalozzi-Oberschule in Meißen hat sich durch stetige Arbeit und viele Projekte in den vergangenen Jahren einen sehr guten Ruf erarbeitet.
Die Pestalozzi-Oberschule in Meißen hat sich durch stetige Arbeit und viele Projekte in den vergangenen Jahren einen sehr guten Ruf erarbeitet. © Claudia Hübschmann

Zur vom Andrang her begehrtesten Oberschule in Meißen, hat sich die Pestalozzi-Schule gemausert. 79 Schüler würden dort gern im Sommer starten. Leiter André Pohlenz zufolge lasten diese durch die sogenannten Inklusionszuschläge 83 Plätze aus. Somit sei man bis fast auf den letzten Platz belegt, was ihn sehr glücklich mache. Aktuell müsse kein Schüler weiterverwiesen werden.

Maßgebliche Entscheidungskriterien bei der Auswahl sollten neben der Schulform an sich, seiner Meinung nach, eher das schulische und außerschulische Angebot, der Schulstandort und das „Bauchgefühl“ sein, welches man hat, wenn man die Schule im Vorhinein besucht oder sich diese auf einem Infoabend vorstellt.

Pohlenz' Kollegin Steffi Wenzel auf der anderen Elbseite blickt jetzt vor allem gespannt auf die Ergebnisse der nächsten Wochen. 65 Schüler haben sich ihren Angaben zufolge bislang an der Triebischtalschule angemeldet. Damit würden sich gut drei Klassen bilden lassen - so wie es sie traditionell im Triebischtal gibt. Das letzte Wort dazu spricht allerdings das Landesbildungsamt.

Zuerst Grundlagen in Mathe, Deutsch und Englisch sichern

Trotz der stärkeren Performance der Oberschulen bleibt das Gymnasium Franziskaneum in Meißen mit 138 Anmeldungen gefragt. "Wir eröffnen sechs fünfte Klassen und sind damit in der Lage, auch noch ein paar Schülern, die mit ihren Eltern nach Meißen ziehen oder das Schuljahr wiederholen wollen, einen Platz anbieten zu können", teilt Leiterin Heike Zimmer auf SZ-Nachfrage mit.

Alle Klassenleiter stehen Zimmers Angaben zufolge bereits fest. Die Schule stelle sich auf die besondere Situation ein, werde den Übergang sehr aufmerksam begleiten und zuerst die Grundlagen in Mathematik und Deutsch sichern, in Englisch vertiefen. "Wir wissen, dass die Kinder mit unterschiedlichen Wissensständen zu uns kommen", sagt Heike Zimmer. Die erneut hohe Anmeldezahl bestätigte den dringenden Bedarf, das Gymnasium räumlich zu erweitern. Sie hoffe sehr, dass mit dem ersten Anbau planmäßig noch in diesem Kalenderjahr begonnen wird.

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Sehr erfreut über 105 Erstanmeldungen für die fünfte Klassenstufe im kommenden Schuljahr zeigt sich in Nossen der Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Bert Xylander. Vier fünfte Klassen dürfte die Schule maximal aufnehmen. Damit seien die angemeldeten Kinder abgedeckt. Der schriftliche Aufnahmebescheid könne jedoch erst am 11. Juni 2021 versandt werden, da dies ein sachsenweit zentral vorgegebener Termin sei. Die Prognose für die Aufnahme am Geschwister-Scholl-Gymnasium Nossen geht langfristig von drei bis vier Klassen in jedem Jahr aus.

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