merken
PLUS Meißen

"Müssen lernen, mit dem Virus zu leben"

Die Lommatzscher Bürgermeisterin Anita Maaß kritisiert Corona-Maßnahmen. Sie fordert eine nachhaltige und verlässliche Strategie.

Angst ist kein guter Ratgeber in der Corona-Pandemie, sagt die Lommatzscher Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP).
Angst ist kein guter Ratgeber in der Corona-Pandemie, sagt die Lommatzscher Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Auch die Kleinstadt in der Lommatzscher Pflege ist von Corona betroffen. Offiziell gibt es bisher zwei Tote in der Stadt, die an oder im Zusammenhang mit der Virusinfektion gestorben sind. "Wir wissen nicht, wer die beiden Toten sind. Wir wissen nicht, ob sie obduziert wurden. Und deshalb kann man auch nicht sagen, ob sie tatsächlich an Corona oder an einer anderen Erkrankung gestorben sind", sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP).

Alle Hoffnungen ruhten nun auf einer Impfung. Die Lommatzscherin ist da eher skeptisch. "Mir ist noch nicht klar, ob und wie die aktuelle Impfstrategie zur Normalisierung des täglichen Lebens beitragen wird. In jedem Fall brauchen wir endlich eine langfristige Strategie, wie wir mit dem Virus umgehen", sagt sie. Das Wort „Herdenimmunität“ höre man gar nicht mehr, obwohl das im Frühjahr ein denkbarer Ausblick war. Aus ihrer Sicht könne man nicht gegen einen „unsichtbaren Feind kämpfen“, indem man „klüger“ sein wolle als das Virus. "Wir benötigen eine nachvollziehbare und verlässliche Strategie. Die Kontaktnachverfolgung und damit die Unterbrechung von Infektionsketten scheinen jedenfalls nicht mehr zu funktionieren", sagt sie.

Anzeige
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA

Ab dem 25. Januar gibt es bei NORMA wieder zahlreiche Rabattaktionen. Hier finden Sie die besten Angebote und Aktionsprodukte aus dem aktuellen Prospekt.

Lange Schlangen vor Apotheke

Als Laie informiere sie sich besonders beim Robert Koch-Institut. Eigene Empfehlungen seien vermessen. Sie möchte aber gern politische Entscheidungen verstehen, wenn sie diese mittragen solle. So kämen ihr eben Fragen: Warum finanziere der Staat nicht schon längst Schnelltests für alle Pflegeheime und Pflegedienste, anstatt drei FFP2-Masken für jeden selbst abholenden Senioren auszugeben? Am Dienstag habe es lange Schlangen vor der Apotheke in Lommatzsch gegeben. Das sei kontraproduktiv. Sie verstehe auch nicht, warum man Einrichtungen schließe, die zur Gesundheitsförderung der Bevölkerung beitragen. Hygienekonzepte seien in solchen Einrichtungen bestimmt einhaltbar und kontrollierbar. "Warum sind Saunen geschlossen? Das Virus wird doch mit Hitze abgetötet, denn Masken sollen heiß gewaschen werden. Regelmäßiges Saunieren stärkt bekanntlich das Immunsystem. Warum dürfen Menschen gerade bei dem nasskalten Wetter der letzten Wochen nicht ihren gewohnten Sport treiben?", fragt sie

Die Vereine hätten sich im Sommer viele Gedanken zum Schutz der Sportler gemacht. Auch für die Kinder wäre ein körperlicher Ausgleich besonders wichtig. Warum müsse man an der frischen Luft Masken tragen, statt die frische Luft in vollen Zügen einzuatmen? "Man kann doch Dinge nicht verbieten, die nachweislich der Gesundheit dienen! Zur Übertragung des Virus braucht man engen Kontakt und eine gewisse Zeitdauer, wie das Robert Koch-Institut mit Blick auf Kontaktpersonen schreibt. Warum schürt man Angst, ohne Maske auch nur an Menschen vorbeizugehen?", fragt sie.

Ängste schüren reicht nicht

Als Besserwisserin möchte sie nicht verstanden werden. Sie habe großen Respekt, dass die Verantwortungsträger in Bund und Land schwierige Entscheidungen treffen müssten. "Mit meinem Wunsch nach einer langfristigen Strategie meine ich, dass wir lernen, mit dem Virus zu leben. Die Medizin sammelt seit Monaten Erfahrung im Umgang mit dem Virus und der von ihm ausgelösten Krankheit. Menschen, die durch das Virus besonders gefährdet sind, sind bekannt. Wir können uns auf deren Schutz konzentrieren. Aber 'verkämpfen' wir uns nicht, wenn wir die Erkrankung völlig zu vermeiden versuchen?", so die Amtschefin.

Sie zweifelt daran, dass die Politik genügend Daten hat, um weniger wirksame und bessere wirksame Maßnahmen unterscheiden zu können. Ihr erscheine es so, dass die Kontaktnachverfolgung und die Quarantänemaßnahmen nicht wirksam genug gewesen sind. "Vielleicht ist das Virus aber auch schon so verbreitet, dass keine Kontaktketten mehr unterbrochen werden können", sagt sie.

Die Politiker müssten feststellen, woraus aktuell die größten Probleme für unser Gesundheitswesen resultieren. Möglicherweise seien die Personalengpässe in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern nicht nur durch Erkrankungen und Quarantäne der Mitarbeiter selbst verursacht, sondern dadurch, dass es generell zu wenig Stammpersonal gäbe. Zu prüfen sei, ob die Kooperation der Kliniken bezüglich der Bettenkapazitäten funktioniere und ob finanzielle Mittel und Anreize für die Krankenhäuser richtig gesetzt würden. "Ich würde mir mehr Aufklärung und weniger Statistiken wünschen. Ängste schüren, reicht nicht", sagt sie.

Virus verschwindet nicht

Natürlich sei eine Ansteckung unwahrscheinlich, wenn kein Mensch mit anderen Menschen mehr Kontakt habe. Aber sei das Virus deshalb weg? "Viren ändern sich offenbar, und so wird bestimmt das Coronavirus sowie die von ihm ausgelöste Erkrankung im nächsten Jahr nicht verschwunden sein. Aber auch ein reiches und demokratisches Land wie Deutschland kann nicht ständig das gesellschaftliche Leben hoch- und runterfahren, Grundrechte gegeneinander abwägen und Freiheiten einschränken", sagt sie.

Mehr zum Thema Meißen