merken
PLUS Meißen

Nachbarn haben Angst um ihre Kinder

Eine Frau schreit und droht. Sie scheint psychisch krank zu sein. Anwohner sind verzweifelt, rufen immer wieder die Polizei. Doch es hat sich nichts geändert. Warum?

Seit eineinhalb Jahren macht eine Frau aus Perba die Gegend unsicher. Anwohner fühlen sich machtlos.
Seit eineinhalb Jahren macht eine Frau aus Perba die Gegend unsicher. Anwohner fühlen sich machtlos. © Claudia Hübschmann

Nossen. Seit etwa eineinhalb Jahren ist es vorbei mit der Ruhe im Nossener Ortsteil Perba und Umgebung. In einem Wohnblock mit acht Mietparteien sorgt eine Frau für Verzweiflung. Sie schreit, droht und beleidigt. Tagsüber und nachts. „Meine Kinder haben große Angst. Sie können teilweise nachts nicht schlafen“, erzählt eine junge Mutter, deren Familie direkt über der anscheinend psychisch Kranken wohnt. Handgreiflich sei die Frau auch schon geworden, Anzeigen wegen Beleidigungen, Körperverletzung und Sachbeschädigung liegen vor. Kerstin Thieme, sie wohnt in einem Nachbarhaus, berichtet: Einmal habe die Frau ihre kleine Tochter vom Fahrrad gezerrt. „Die Kinder haben Angst vor ihr.“

Schon mehrfach haben die Nachbarn die Polizei gerufen, das bestätigt ein Behördenmitarbeiter. „Seit dem Mai des vergangenen Jahres war die Polizei mehrere Dutzend Mal an der Adresse im Einsatz. Eine genaue Zahl liegt nicht vor.“ Die Nachbarn sind verzweifelt. Denn: „Es passiert nichts. Man verliert den Glauben an die Justiz“, sagt die junge Mutter.

Elbgalerie Riesa
Hier macht Shoppen glücklich!
Hier macht Shoppen glücklich!

"Alles bekommen. In Riesa." – dieses Motto lebt die Elbgalerie Riesa.

Das Problem betrifft allerdings nicht nur die unmittelbaren Nachbarn. Die Frau sei regelmäßig unterwegs in benachbarten Ortsteilen und beschimpfe, beleidige und bedrohe andere Leute. So berichtet die Kindergärtnerin Sylvia Schmidt, die in der Leubener Kindertagesstätte arbeitet, dass die Frau hin und wieder dort vorbeikäme. So zum Beispiel wurde sie selbst im Beisein der Kinder angeschrien: „Und dich alte Hexe mache ich auch noch fertig.“ Die Kinder seien eingeschüchtert. „Es ist Gefahr im Verzug“, meint die Erzieherin.

Der Vermieter versucht schon seit längerer Zeit, die Frau aus der Wohnung zu klagen. Bisher ohne Erfolg. Doch am Ende sei das auch keine Lösung, meinen die Nachbarn. „Der Frau muss geholfen werden“, betont Sylvia Schmidt. „Auf einem Dorf achten die Leute auch ein bissel aufeinander.“ Schließlich kennen die Leute die Frau schon seit Jahren, „auch als sie noch ganz normal war.“

Wer kann helfen?

Eine einfache Lösung gibt es aber nicht. Grundsätzlich wird in solchen Fällen das Kreissozial- und Ordnungsamt beteiligt, wie die Pressesprecherin des Landratsamtes, Anja Schmiedgen-Pietsch, mitteilt. Rechtliche Grundlage für alle Entscheidungen und Handlungen bildet das sächsische Psychisch-Kranken-Gesetz. 

Ein großes Problem: „Bei Betroffenen mit verschiedenen psychischen Erkrankungen ist eine Krankheitseinsicht und die Bereitschaft zur Annahme von Unterstützung krankheitsbedingt oft nicht vorhanden.“ Das bestätigt auch die Lommatzscher Rechtsanwältin Brigitte Halwaß aus ihrer Erfahrung. Sie wurde schon als vorläufige Betreuerin vom Amtsgericht Meißen eingesetzt. 

Ein solcher Einsatz, beispielsweise wenn eine Zwangsräumung droht, dauere ein halbes Jahr. Danach sei die Arbeit beendet. Ebenso können auch vorläufige Betreuer für die Gesundheit eingesetzt werden. „Doch der Betroffene muss die Unterstützung wollen“, erklärt die Rechtsanwältin.

Doch wie soll es weitergehen? Wer kann helfen, die Polizei? „Die Kollegen des Reviers Meißen arbeiten eng mit dem zuständigen Landratsamt Meißen zusammen. Eine kurzfristige Lösung können wir als Polizei den Anwohnern leider nicht liefern. Im akuten Fall sollte jedoch stets die Polizei alarmiert werden. Grundsätzlich ist aber das Landratsamt zuständig“, erklärt ein Behördenmitarbeiter.

Prinzipiell kann das Ordnungsamt beim Amtsgericht die Zwangseinweisung einer psychisch kranken Person in eine Klinik beantragen. Jedoch sei die Unterbringung nur zulässig, wenn diese Person infolge ihrer psychischen Krankheit ihr Leben oder ihre Gesundheit erheblich und gegenwärtig gefährde oder eine erhebliche und gegenwärtige Gefahr für bedeutende Rechtsgüter darstelle, informiert das Landratsamt. „Zudem darf die Gefahr nicht auf andere Weise abwendbar sein.“

So scheint die einzige kurzfristige Lösung die Zwangsräumung der Wohnung zu sein. Die kann der Vermieter zivilgerichtlich beantragen, erklärt Rechtsanwältin Halwaß. Doch damit ist das Problem nur ein paar Kilometer weiter verbannt. „Wir wären froh, wenn die Frau hier weg ist. Dann machen das aber die neuen Nachbarn durch, so wie wir jetzt“, sagt Kerstin Thieme, die nicht verstehen kann, warum in so einem Fall nicht geholfen werden kann: der Frau und den Nachbarn.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen