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Neue Ausstellung im Dommuseum eröffnet

Weniger Exponate, dafür Tablets und leuchtend blaue Tafeln. Nach über 20 Jahren legt die Ausstellung in Meißen auch einen neuen Fokus. Nicht nur thematisch.

Am Dienstag wurde das Dommuseum in Meißen offiziell eröffnet.
Am Dienstag wurde das Dommuseum in Meißen offiziell eröffnet. © Claudia Hübschmann

Meißen. Eins stellte der Domherr gleich zu Beginn klar: "Wer die Ausstellung kennt, wird sich wundern, dass einige Exponate nicht mehr da sind", sagte Hans-Peter Hasse bei der ersten Führung durch das neu eröffnete Dommuseum. Neue Gemälde sind nicht dazu gekommen, abgesehen von einer Ausnahme: Auf den Gemäldetafeln "Schmerzensmann" und "Schmerzensmutter" begrüßen einen Jesus und Maria mit leidvollen Blicken und würden damit genau die richtige Atmosphäre schaffen – weil sie das Leid und die Notsituation der Menschen im Mittelalter widerspiegeln würden.

Erstmals sind die Gemäldetafeln "Schmerzensmann" und "Schmerzensmutter" von Lucas Cranach dem Älteren öffentlich zugänglich.
Erstmals sind die Gemäldetafeln "Schmerzensmann" und "Schmerzensmutter" von Lucas Cranach dem Älteren öffentlich zugänglich. © Claudia Hübschmann

Die restliche Ausstellung strahlt eine andere Stimmung aus. Der freigewordene Platz - durch die fehlenden Werke - ist mit blauen, beleuchtenden Metalltafeln gefüllt worden. Erläuterungen statt Exponate, und zwar auf eine sehr zugängliche Art. Mit sparsamen Kommentierungen auf großen Tafeln. "Das Ziel ist es, dass hier eine Jugendgruppe reinkommt und danach weiß, was ein Bischof, ein Dompropst und ein Domkapitel ist."

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Deshalb gibt es jetzt Tablets, um alte Schriften interaktiv zu entschlüsseln. Auf Sichthöhe der kleinen Besucher lässt sich mit einer Art Ferngläser durch historische Stadtansichten klicken. Alte Gemälde wurden dafür dreidimensional aufgearbeitet; darunter auch eine Bleistiftzeichnung von Caspar David Friedrich.

Die Bewährungsprobe gab es bereits vorige Woche, als eine Gruppe Konfirmanden einen ersten Blick in die Ausstellung werfen durfte: "Spätestens im letzten Raum haben wir alle Jugendlichen für Kirchengeschichte begeistern können." Dort können sich Besucher virtuell durch die Geschichte des Meißner Doms nach der Reformation wischen. Dieser Raum gehört allerdings zum ersten Teil der Neugestaltung, die bereits 2018 abgeschlossen war. Nun ist die gesamte Ausstellung fertig und hat auch thematisch eine ganz neue Ausrichtung bekommen.

Blaue, beleuchtete Metalltafeln sollen eingängig aufklären: mit sparsamen Kommentierungen und Erläuterungen.
Blaue, beleuchtete Metalltafeln sollen eingängig aufklären: mit sparsamen Kommentierungen und Erläuterungen. © Claudia Hübschmann

1999 ging es darum, die Kirchengeschichte Sachsens darzustellen, da sich das Christentum hierzulande von Meißen aus entwickelt hat. Deshalb ist dieses Domkapitel, die älteste noch bestehende Institution in Sachsen. Nach über 20 Jahren war es notwendig, die Ausstellung zu modernisieren und zu erneuern. Der Fokus liegt nun mehr auf der Geschichte des Meißner Doms und der Veranschaulichung historischer Zusammenhänge. Der Umbau wurde maßgeblich von Kunsthistoriker Matthias Donath vorangetrieben.

Gleich aus dem ersten Raum, ist eine "lebendige Sakristei" geworden: denn die weißen Gewänder der Domherren, die im Glaskasten ausgestellt sind, werden tatsächlich noch getragen: "Es gibt mindestens zwei Anlässe, wo sie auf jeden Fall aus der Vitrine geholt werden: Am Kapiteltag und am Reformationstag", erklärt der Theologe und Kirchenhistoriker Hasse. Daneben eine Sanduhr, die gewährleisten soll, dass nicht zu lange gepredigt wird; aber mindestens eine Stunde. Daneben ein lutherisches Erzgewand. "Es ist schön, dass wir hier etwas zeigen können, denn der Dom selber hat seinen Schatz verloren", so Hasse. Der Meißner Domschatz wurde 1542 von Herzog Moritz konfisziert, eingeschmolzen und vermünzt.

Die Gewänder der Domherren (links) werden tatsächlich noch getragen, das lutherische Erzgewand (rechts) nicht mehr.
Die Gewänder der Domherren (links) werden tatsächlich noch getragen, das lutherische Erzgewand (rechts) nicht mehr. © Claudia Hübschmann

Unter der Sakristei befinden sich zwei Kellergeschosse, dem ursprünglichen Archiv. Das nach wie vor mit einem Gitter versperrt ist. Allerdings wurde ein desolater Archivschrank zutage gefördert, sehr aufwendig restauriert und in der angrenzenden Kapitelstube aufgestellt. Mit moderner Beleuchtungstechnik versehen, verwahrt er nun echte perfekte Duplikate und echte Akten. Zum Beispiel eine kleine Urkunde, die Ablass verspricht, außerdem finden sich frühste urkundliche Nachweise.

Fast wäre der Archivschrank verfallen. Aufwändig restauriert, verwahrt er nun perfekte Duplikate und echte Akten geschichtsträchtiger Dokumente.
Fast wäre der Archivschrank verfallen. Aufwändig restauriert, verwahrt er nun perfekte Duplikate und echte Akten geschichtsträchtiger Dokumente. © Claudia Hübschmann

Für Hasse sind die beiden Gemäldetafeln das neue Herzstück der Ausstellung, um 1530 in der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren gemalt und nun zum ersten Mal öffentlich zugänglich gemacht. Sie stammen aus einer Privatsammlung und kamen über die Kirche in Constappel in den Meißner Dom. Besonders reizvoll sei es, dass es sich um ein quasi unbekanntes Exponat handele, das noch weiter erforscht werden müsste.

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