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Neue Orgel für Meißner Frauenkirche

30 Jahre war die Orgel der Frauenkirche schlecht bespielbar, sie dröhnte und quietschte. Nun ist der fulminante Klang ins Gewölbe zurückgekehrt.

5.000 Stunden lang wurde die historische Orgel restauriert.
5.000 Stunden lang wurde die historische Orgel restauriert. © Claudia Hübschmann

Meißen. Es stäubt, als Ralf Jehmlich ein zerfressenes Holzstück wie ein Beweisstück präsentiert - die Ursache für den schlechten Klang der Orgel: Auch wenn es äußerlich kaum zu sehen war, hatten Holzwürmer das Innere der Orgel wie einen Pfefferkuchen zerfressen.

Da die Meißner Orgel mit Windimpulsen angesteuert wird - der Wind durch die Pfeifen strömt und die Ledermembranen zum Klingen bringt - führt jedes Wurmloch zu Klangverlusten. Dazu kommt, dass sich der Holzwurm auch durch die Ledermembranen fraß, die auch zu großen Teilen ersetzt werden mussten.

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In 5.000 Arbeitsstunden wurden über 3.500 Pfeifen ausgebaut, gereinigt und teilweise nachgebaut. Nun erklingt die Orgel der Frauenkirche wieder wie einst die Jehmlich-Orgel, als sie von 1929 bis 1937 von den namensgebenden Gebrüdern erbaut wurde. Ralf Jehmlich durfte als Geschäftsführer von Jehmlich Orgelbau das Werk der Vorväter in sechster Familiengeneration erhalten: "Jetzt hoffen wir nur noch, dass bald wieder viele Menschen zusammenkommen können, um den neuen Klang gemeinsam zu erleben."

Karsten Voigt, Kantor der St. Afra-Gemeinde, konnte bereits beim Pfingstsonntag-Konzert alle Register ziehen und der Orgel sogar wieder kraftvolle Trompeten- und Posaunenklänge entlocken. Für ihn ist die Orgel nicht nur ein fantastisches Instrument, sondern auch ein technisches Wunderwerk: "Im Gegensatz zur Blockflöte, auf der man auf einer Flöte die ganze Skala der Tonleiter spielt, ist die Orgel wesentlich luxuriöser: Nicht nur, dass für jeden Ton eine eigene Pfeife verwendet wird, sondern auch für jede Klangfarbe." Insgesamt 3.990 Pfeifen sind dafür verbaut worden und so klingt es auch. Wer andere Orgeln kenne, halte den Klang in der Frauenkirche für ein bisschen weich, sagt Voigt. "Und, tatsächlich klingt die Orgel ein bisschen milde. Das ist allerdings der klanglichen Eigenheit der damaligen Zeit geschuldet."

Auftakt für Porzellanorgel

Auch wenn die Porzellanorgel noch Zukunftsmusik ist, sie werde kommen und die Jehmlich-Orgel noch kraftvoller klingen lassen. Als Versprechen dafür, wurden elektrischen Kontakte im Rahmen der Restaurierung ins Spielwerk eingelassen, um es nicht noch einmal öffnen zu müssen. Außerdem wurde am Montag ein Registerwippenschalter zum Einschalten der Porzellanpfeifen vorsorglich angeklebt - ganz traditionell mithilfe von Warmleim: "Das ist der Auftakt für das Porzellanorgel-Projekt", verkündet Jehmlich. Alles Weitere sei nur noch eine Frage der Zeit.

Die 37 Porzellanpfeifen würden das Klangspektrum der Orgel um ein solistisch verwendbares Register mit besonderem Porzellanflötenklang erweitern. Die Idee dafür geht auf den inzwischen verstorbenen Künstlerischen Leiter der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen, Ludwig Zepner, zurück. Kurz vor seinem Tod im Dezember 2010 trat Zepner auf den Meißner Superintendenten Andreas Stempel zu und bat ihn, dafür zu sorgen, dass die erste Kirchenorgel mit Pfeifen aus Meissener Porzellan in der Frauenkirche erklingen soll. Seither ist es für den Superintendenten - mittlerweile im Ruhestand - zum "persönliches Vermächtnis" geworden, dieses einmalige Konzept umzusetzen.

Unter Zepners Leitung war es im Jahr 2000 gelungen, in der Manufaktur gemeinsam mit der Dresdner Orgelbaufirma Jehmlich, die erste Orgel mit stimmbaren Pfeifen aus Meissener Porzellan zu fertigen - eine Vision, die bereits im 18. Jahrhundert angestrebt wurde. Zepner hatte das Projekt in den 1950er Jahren wieder aufgegriffen.

Für die Finanzierung des teuren Projekts soll auf Privatspenden zurückgegriffen werden, ein Finanzierungsziel wollte die Sankt Afra Gemeinde allerdings noch nicht in den Raum werfen. Sobald genügend Spenden zusammengekommen sind, würde die Manufaktur eineinhalb Jahre für die Herstellung der Porzellanpfeifen benötigen, danach würde es etwa ein halbes Jahr dauern, die Pfeifen einzurichten.

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Im Rahmen der Restaurierung wurde nicht nur der Grundstein für eine Porzellanorgel gelegt. Nun ist es auch möglich, die Orgel zu elektrifizieren: Denn es wurde die Möglichkeit eingebaut, später einmal eine elektronische Setzeranlage nachzurüsten. Dadurch ließen sich 40.000 Registerkombinationen vorprogrammieren, um dem Kantor so das Spiel zu erleichtern. Seit jeher ist es mithilfe einer mechanischen Lösung möglich, drei verschiedene Registerkombinationen abzuspeichern.

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