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Neue Wählervereinigung will Niederau verändern

"Gemeinsam für die Gemeinde Niederau" will zusammen mit den Einwohnern den Ort lebenswerter gestalten. Schon vor der Gründung können sie einen ersten Erfolg für sich verbuchen.

Von Martin Skurt
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Pünktlich vor der Gemeinderatswahl in Niederau hat sich eine neue Wählervereinigung gegründet. Mit dabei sind v. l. n. r. Stephan Lorenz, Felix Pabst (Vorsitzender), Claudia Pabst, Christoph Gasch (Stellvertretender Vorsitzender).
Pünktlich vor der Gemeinderatswahl in Niederau hat sich eine neue Wählervereinigung gegründet. Mit dabei sind v. l. n. r. Stephan Lorenz, Felix Pabst (Vorsitzender), Claudia Pabst, Christoph Gasch (Stellvertretender Vorsitzender). © Claudia Hübschmann

Niederau. Ende Januar 2024 wurde in Niederau die Wählervereinigung "Gemeinsam für die Gemeinde Niederau (GfN)" gegründet. Die Vereinigung besteht aus engagierten Einwohnerinnen und Einwohnern, die mit der aktuellen Gemeindepolitik unzufrieden sind. Derzeit hat der Verein 13 Mitglieder aus fünf Ortsteilen und stellt bei der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 sechs Kandidaten auf. Die Kandidaten sind zwischen 28 und 44 Jahren alt und haben eigene Kinder. Ein Hauptgrund für die Gründung war die Schließung der Krippe "Kleine Frösche" und die dazugehörige Eltern-Petition mit fast 300 Unterschriften.

Felix Pabst, Vorsitzender der Wählervereinigung, erklärt: "Wir haben versucht, außerhalb der Sitzungen mit den Gemeinderäten zu sprechen. Alle waren von der Zusammenarbeit mit der Kita in Meißen begeistert, aber niemand hat sich mit den Auswirkungen der Schließung auseinandergesetzt." Der Ortsteil Niederau, in dem die meisten Menschen leben, hat nun keine eigene Krippe mehr. Pabst fügt hinzu: "Bei 20 Geburten brauchen wir vielleicht keine eigene Krippe, aber eine eigene Kita schon." Diese werde jedoch perspektivisch mit der Kombieinrichtung "Niederauer Kinderland" ebenfalls wegfallen.

Elternbeiträge sind durch GfN niedriger ausgefallen

Claudia Pabst, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit in der GfN, äußerte schon im November 2022, kurz vor der Krippen-Schließung: "Wir sind nach Niederau gezogen, weil wir das dörfliche Leben mögen und uns wurde versprochen, dass es genügend Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder in der Gemeinde gibt. Und jetzt werden wir plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt und die Kinder müssen nach Meißen gebracht werden. Ich erwarte von der Verwaltung mehr Verlässlichkeit und Ehrlichkeit und dass die Eltern frühzeitig in solche Entscheidungen einbezogen werden." Sie selbst tritt jedoch nicht bei der Wahl an.

Die Mitglieder der Wählervereinigung kannten sich vorher nicht, trafen sich jedoch regelmäßig bei den Gemeinderatssitzungen. Da sie nicht nur meckern, sondern auch etwas bewegen wollten, schlossen sie sich zusammen, da andere Parteien oder Wählervereinigungen die bisherigen Entscheidungen im Gemeinderat mitgetragen haben. Diese empfinden sie als wenig nachvollziehbar, insbesondere die Schließung der Krippe und Kita in Niederau, die Erhöhung der Kita-Beiträge und den ersatzlosen Wegfall des Bolzplatzes im Ortsteil Niederau. Ihre Unzufriedenheit wuchs. Sie wünschen sich mehr Transparenz und Fehlerkultur in der Kommunalpolitik.

Die Wählervereinigung möchte jedoch nicht alleine handeln. Ihr Ziel ist es, eine Gemeinschaft zu gründen und gemeinsam Themen zu erarbeiten, die im Gemeinderat diskutiert werden sollten. Claudia Pabst erklärt: "Nicht alle müssen sich zur Wahl aufstellen, sondern wir wollen eine Gemeinschaft bilden, die die Interessen der Niederauerinnen und Niederauer vertritt und die Anliegen der Ortsteile und Bevölkerungsgruppen in den Gemeinderat einbringt." Sie möchten ein Netzwerk aufbauen, um Wissen zu teilen und gemeinsam Lösungen zu finden. Bereits vor ihrer Gründung haben sie ein erstes Ziel erreicht. Durch Nachfragen und Argumente der GfN-Mitglieder wurde die geplante Erhöhung der Kita-Gebühren vom Gemeinderat überdacht und ist letztendlich geringer, als ursprünglich geplant, ausgefallen.

Niederau soll für jung und alt attraktiver werden

Die Mitglieder der Wählervereinigung setzen sich außerdem für eine aktive Jugendbeteiligung und den Erhalt von Freizeitmöglichkeiten ein. Sie beklagen die Schließung des Jugendclubs und fordern die Schaffung eines neuen, der von den Jugendlichen selbst organisiert wird. Felix Pabst sagt: "Ohne solche Orte in der Gemeinde gehen die Jugendlichen dorthin, wo es für sie attraktiv ist." Dies habe unter anderem zu Schmierereien und Vandalismus im Ort geführt. Sie möchten Niederau aber auch für Seniorinnen und Senioren attraktiver gestalten, zum einen durch mobile Nahversorger in möglichst allen Ortsteilen und zum anderen durch eine bessere öffentliche Verkehrsanbindung zwischen den Orten.

Generell bemängelt die Wählervereinigung neben der undurchsichtigen Entscheidungen auch die fehlende langfristige Planung der Gemeinde und möchte dies ändern. Claudia Pabst erklärt: "Wir möchten nicht nur kritisieren, sondern die Entscheidungen der Gemeinde kritisch hinterfragen und im Rat diskutieren." Felix Pabst ergänzt, dass die GfN durch mehr Transparenz und aktive Bürgerbeteiligung positive Veränderungen in Niederau herbeiführen möchte.

  • Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite: www.gemeinsam-fuer-niederau.de.
  • Das sind die Kandidaten für die Gemeinderatswahl:
    • Lukas Loose, 28 Jahre, Gröbern (Winzer, 1 Kind)
    • Felix Pabst, 36 Jahre, Niederau (Verwaltungswirt, 3 Kinder)
    • Cristoph Gasch, 35 Jahre, Niederau (Elektroingenieur, 4 Kinder)
    • Stephan Lorenz, 42 Jahre, Niederau (Beamter, 2. Kinder)
    • Susanne Hänsel, 44 Jahre, Ockrilla (Tagesmutter, 3 Kinder)
    • Matthias Ehrig, 42 Jahre, Niederau (Elektrotechniker, 2 Kinder)