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Stillstand in den Neumarkt-Arkaden

Viele kleinere Geschäfte stehen im Einkaufszentrum leer. Corona erschwert die Vermietung zusätzlich. Verwalter und Stadt äußern sich, Lösungen gibt es keine.

Besonders der Teicherthof ist von Leerstand betroffen. Weil hier viele in Richtung Medimax laufen. Das Geschäft gibt es schon seit der Eröffnung der Arkaden 2012, genauso wie die Rewe-Filiale.
Besonders der Teicherthof ist von Leerstand betroffen. Weil hier viele in Richtung Medimax laufen. Das Geschäft gibt es schon seit der Eröffnung der Arkaden 2012, genauso wie die Rewe-Filiale. © Claudia Hübschmann

Corona lässt auch Geschäfte in Meißen straucheln. Denn mittlerweile gibt es den zweiten Lockdown. Das geht auch nicht an den Neumarkt Arkaden in Meißen vorbei. Der jahrelange Mieter Depot ist dieses Jahr aus den Neumarkt Arkaden verschwunden, und die Sternenbäck-Filiale hat "vorübergehend geschlossen", wie es an der Eingangstür heißt. Zudem stehen viele Geschäfte auf dem Teichert-Hof noch immer leer. Ob sich das in Zukunft ändern wird, bleibt ungewiss.

Dabei begann die Eröffnung des Einkaufszentrums durchaus positiv. Im Frühjahr 2012 gab es eine Auslastung von mehr als 90 Prozent mit 30 Geschäften. Darunter große Mieter wie C&A und Rewe. Ersteren ersetzt mittlerweile Woolworth. Mit dem größten Einkaufsmarkt Meißens schuf man etwa 250 Arbeitsplätze und mehr als 350 Parkplätze. Die Hamburger AVW Immobilien AG investierte etwa 23 Millionen in den Bau. Willy Koch, ehemaliger Geschäftsführer der Firma, mittlerweile selbstständiger Immobilienfachmann, ist von Anfang an dabei. "Als wir die Neumarkt Arkaden eröffnet haben, war der Einzelhandel wirtschaftlich in einer anderen Situation als jetzt", erklärt er. Die AVW AG sprach damals sogar davon, die "Vollvermietung kurzfristig" anzustreben.

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Leerstand unter zehn Prozent

Genauso wie jetzt waren aber im Frühjahr weniger Menschen im Einkaufszentrum unterwegs. Wie viel Umsatzeinbußen die Geschäfte gemacht haben, wollte Willy Koch auf Anfrage nicht verraten. Dafür haben die Neumarkt Arkaden die vielen deutschen Touristen im Sommer gespürt, so der Verwalter. Zudem habe er in den vergangenen Monaten mit allen Mietern gesprochen. Er beteuert: "Wir sprechen jetzt erst mal keine Kündigung aus." Das bewahrt die Läden natürlich nicht davor, ihren Standort aufgrund von Corona schließen zu müssen.

Die Großbäckerei Sternenbäck aus Baden-Württemberg steckt zum Beispiel in einem Insolvenzverfahren. Ob die Filiale in den Neumarkt Arkaden deshalb bleibt, lässt sich nur spekulieren. Vermutlich jedoch nicht, da sie sich in direkter Konkurrenz zum Möbius-Bäcker im Rewe-Markt befindet. Ebenso der Filialist Depot hat mehrere Standorte in Deutschland schon dichtgemacht. Trotzdem erklärt Willy Koch: "Unsere Leerstandsquote ist unter zehn Prozent, bezogen auf die gesamte Fläche." Das sind insgesamt 11.600 Quadratmeter. Sein Ziel sei aber weiterhin die Vollvermietung. Doch das ist auch in Zeiten ohne Pandemie eine Herausforderung.

"Als Einkaufszentrum müssen wir da selbst aktiv werden und viele mögliche Kandidaten ansprechen", sagt der Immobilienfachmann. "Und natürlich netzwerken. Nicht immer gelingt uns das." Trotz des sichtbaren Leerstands auf dem Teichert-Hof, der vielen Meißnern sauer aufstößt, bleibt Willy Koch aber zuversichtlich. "Wir sind nicht pessimistisch, sondern sehen die Entwicklung der Arkaden und damit auch die Reduzierung des Leerstandes als unternehmerische Herausforderung."

Diese optimistische Grundstimmung hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Stadt Meißen das Einkaufszentrum nicht als Konkurrenz ansieht. "In der Altstadt gibt es die kleineren, inhabergeführten Geschäfte, dort die großen Filialisten wie Medimax oder Rewe", sagt Wirtschaftsförderer Martin Schuster.

"Wir müssen Vielfalt bieten"

Dass die Neumarkt Arkaden mit der Innenstadt konkurrieren, empfindet Quartiersmanager Marcel Noack wiederum sehr einseitig betrachtet. "Denn auch größere Geschäfte gehören zur Stadtentwicklung." Dadurch profitieren die kleineren Läden in der Altstadt. Er erklärt: "Die Neumarkt Arkaden ziehen Leute an, die durch die Stadt flanieren." Und das sei das Ziel der Wirtschaftsförderung und des Quartiersmanagements: Die Menschen sollen in Meißen gern auf die Straße gehen.

Dabei helfen keine Appelle, den kleinen Einzelhandel zu unterstützen, so Marcel Noack. "Wir müssen Vielfalt bieten." Denn die Leute würden vermehrt in der Innenstadt kaufen, wenn sie dies mit einer angenehmen Stimmung und in einer vielfältigen und attraktiven Umgebung tun können. "Die Leute kaufen online, wenn wir ihnen dies nicht bieten können."

Damit die Vielfalt in den Neumarkt Arkaden erhalten bleibt, spricht Martin Schuster regelmäßig mit dem Verwalter Willy Koch. "Wenn es passt, vermittle ich auch Mieter an ihn." Doch viel Einfluss auf die Auswahl der Mieter haben er und der Quartiersmanager nicht. "Wir können nur vermitteln. Denn die meisten Immobiliensucher wenden sich direkt an die Neumarkt Arkaden", sagt Martin Schuster. Eine Idee wäre, Start-ups in den leerstehenden Geschäften anzusiedeln. Das kann sich Willy Koch ebenfalls vorstellen.

Der Umgang sei mit ihm jedenfalls immer offen und vertrauensvoll, so Martin Schuster. Als verlässlicher Partner unterstütze er seit einigen Jahren den Meißner Weihnachtsmarkt als Sponsor der Adventslotterie. "Ich wünsche ihm eine Vollbelegung des Teichert-Hofs." Marcel Noack ergänzt, dass gerade durch den Leerstand die vorhandenen Geschäfte weniger Umsatz machen, da weniger Leute auf die Straße gehen. So entstehe mehr Leerstand.

Dank der S-Bahn-Haltestelle sind zumindest viele ÖPNV-Nutzer in den Neumarkt Arkaden unterwegs. Denn wer zu den Gleisen will, muss durch das Einkaufszentrum laufen. Laut Christian Schlemper waren 2019 werktags 1.480 Fahrgäste unterwegs, an Samstagen 1.420. "Damit hat Meißen-Altstadt von 2014 bis 2019 Montag bis Freitag um 53 Prozent zugelegt, an Samstagen um 51 Prozent", sagt der VVO-Pressesprecher. Zum Vergleich: Am Meißner Bahnhof sind 2019 fast 3.000 Reisende unterwegs, und an Samstagen 1.790.

Wie sich der Leerstand aber im größten Meißner Einkaufszentrum gestaltet, wird wohl maßgeblich vom Geschick Willy Kochs abhängen, Filialen größerer Geschäfte trotz Corona nach Meißen zu locken. Denn für viele Menschen sei der Standort weiterhin positiv besetzt, so der Verwalter.

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