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Nochmal 95.000 Euro für die Alte Molkerei

Die Abbrucharbeiten verteuern sich ein weiteres Mal – und bleiben dennoch im Kostenrahmen.

Bis auf das 1880 errichtete Kontorgebäude sind alle Bauten auf der Industriebrache Alte Molkerei abgerissen worden.
Bis auf das 1880 errichtete Kontorgebäude sind alle Bauten auf der Industriebrache Alte Molkerei abgerissen worden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Es gleicht einem Paradoxon: Die Abbrucharbeiten an der Alten Molkerei erweisen sich als immer teurer, sprengen aber nicht den Rahmen, der von den Planern ermittelten Kosten. Im Stadtentwicklungsausschuss, wie der Bauausschuss seit Beginn dieses Jahres heißt, befassten sich die Stadträte ein weiteres Mal mit Nachträgen für diesen ursprünglich für 260.000 Euro vergebenen Abriss-Auftrag. Nachdem die Stadträte bereits im Sommer einen Nachtrag von rund 60.000 Euro bewilligt hatten, bat die Verwaltung nun um Zustimmung für weitere Nachträge in Höhe von rund 95.000 Euro.

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Der Meißner Architekt Thomas Breitschneider, der das Projekt begleitet und überwacht, verwies auf zahlreiche Überraschungen auf der Baustelle, die erheblichen Mehraufwand für das Abbruchunternehmen zur Folge hatten. So habe sich erst auf der Baustelle gezeigt, was es bedeutet, dass der 1880 errichtete Komplex in den 1930er und 1940er Jahren sowie zu DDR-Zeiten mehrfach überbaut wurde

Hausschwamm im Kontorgebäude

So wurden zusätzliche Leistungen für die Tiefenttrümmerung unterhalb der Bodenplatten mehrerer Gebäude erforderlich. Unterhalb eines Anbaus wurde eine massive, stellenweise bis zu 1,20 Meter mächtige Betonplatte freigelegt. „Diese wurde bis an das Giebelmauerwerk des Nachbargebäudes Wettinstraße 17 herangegossen. Da bei einem maschinellen Abbruch mit einem Baggermeißel die Gefahr bestünde, massive Schäden an der Giebelwand des Nachbargebäudes zu verursachen und dessen Standsicherheit zu gefährden, wurde nach einer Begutachtung des Statikers festgelegt, dass die Betonplatte abschnittweise mit der Betonsäge zersägt werden muss und hernach die Betonplatte Stück für Stück von Trennschnitt zu Trennschnitt entfernt werden soll“, heißt es in der Begründung des Nachtragsbeschlusses, der bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen die notwendige Mehrheit fand. Die neuerlichen Nachträge resultieren außerdem aus dem Hausschwamm-Befall, der im denkmalgeschützten Kontorgebäude festgestellt wurde. Die Kosten für dessen Beseitigung und Arbeiten zur Notsicherung summieren sich allein auf rund 25.000 Euro.

Damit steigen die Kosten für die Abbrucharbeiten auf jetzt 417.000 Euro – und liegen immer noch unterhalb der Kostenermittlung der Planer der Bauverwaltung, die einen Gesamtaufwand von fast 570.000 Euro ermittelt hatten. Man dürfe eben nicht immer nur nach dem günstigsten Angebot schauen, prangerte Heiko Schulze von der Bürger für Meißen/SPD-Fraktion die Praxis der Auftragsvergabe an. Dass die Vergabe-Summe weit unter der amtlichen Kostenschätzung lag, hätte stutzig machen müssen, sagte er – und kündigte an, dass er dem vorliegenden Nachtragsbeschluss nicht zustimmt.

Da die Mehrkosten den Kostenrahmen der Planer nicht sprengen, kann die Stadt weiterhin mit einer 90-prozentigen Förderung der Abrisskosten rechnen. Darauf wies Dorothee Finzel hin, die für die CDU/Freie Bürger/FDP/U.L.M.-Großfraktion als sachkundige Bürgerin dem Stadtentwicklungsausschuss angehört.

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