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Obszönes auf dem Kinderspielplatz

Ein Meißner soll sich vor drei Kindern und deren Müttern entblößt haben. Auch weitere Straftaten werden ihm vorgeworfen. Es gibt viele offene Fragen.

Auf einem Spielplatz in Meißen soll sich ein 36-jähriger Mann vor Kindern und deren Müttern entblößt haben.
Auf einem Spielplatz in Meißen soll sich ein 36-jähriger Mann vor Kindern und deren Müttern entblößt haben. © Claudia Hübschmann

Meißen. Der 36-jährige Meißner ist öfter auf diesem Kinderspielplatz, trinkt Bier, raucht. An jenem frühen Nachmittag im Mai vorigen Jahres sind einige Kinder auf dem Spielplatz. Da geschieht etwas Ungewöhnliches. Der Mann steht auf, lässt seine Jogginghose herunter. Eine Unterhose trägt er nicht. Mit lauten Rufen macht er auf sich aufmerksam. Die Kinder und deren Mütter schauen zu ihm - und sind erschrocken, steht er doch da mit entblößtem Glied.

An einem Abend im Februar dieses Jahr wird er wieder auffällig. Er betritt das Elbecenter in Meißen, obwohl er dort Hausverbot hat. Als ihn der Ladendetektiv auffordert, die Geschäftsräume zu verlassen, soll er versucht haben, diesen mit der Faust zu schlagen. Der Detektiv kann aber ausweichen. Auch soll er in dem Haus, in dem er damals wohnte, gegen die Wohnungstür einer Mitmieterin getreten und dadurch den Rahmen so beschädigt haben, dass sich die Tür nicht mehr schließen lässt, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

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Nun sitzt er vor dem Meißner Amtsgericht. Der 36-Jährige ist aufgeregt, durcheinander. Aus gutem Grund sitzt ein psychiatrischer Gutachter mit im Saal. Er soll später beurteilen, ob der Angeklagte schuldfähig ist oder nicht. Doch zunächst muss er etwas anderes feststellen, nämlich, ob der Mann überhaupt verhandlungsfähig ist. Nach einem Gespräch mit ihm bejaht er das. Der Mann sei gut orientiert und aussagefähig.

Hausverbot oder nicht?

Und der Mann will auch aussagen. Mitunter erzählt er wirres Zeug. Entblößt haben will er sich nicht. Er habe plötzlich Schmerzen im Genitalbereich verspürt und habe nachschauen wollen, was da ist, sagt er. Außerdem sei er betrunken gewesen und habe Crystal genommen. Dafür könne er nicht. Die - damit meint er die Drogendealer - gäben einem Behinderten das Zeug. "Ich werde gezwungen, das zu nehmen und keiner hilft mir", sagt er.

Richtig ist, dass er zur Tatzeit einen Blutalkoholwert von rund 1,3 Promille hatte. Für den Mann, der nach eigenen Angaben täglich sechs bis zehn Flaschen Bier-Cola-Gemisch trinkt, also Alkohol gewöhnt ist, mag das kein allzu hoher Wert sein. Was allerdings nicht stimmt, ist der Drogenkonsum. Dieser Test war jedenfalls negativ.

Dass er versucht habe, den Wachmann zu schlagen, gibt er zu. Allerdings habe dieser ihn zu Unrecht aus den Räumen verweisen wollen. "Ich wollte einkaufen gehen, da wollte der mich rausschmeißen", sagt er. Er habe jedenfalls kein Hausverbot gehabt, jedenfalls nie etwas Schriftliches bekommen. Strittig ist in dem Fall aber, ob der Ladendetektiv berechtigt ist, ein Hausverbot auszusprechen.

Auch den Tritt gegen die Tür gibt er zu. Einen Grund nennt er nicht, außer, dass er auch da betrunken war. Die Geschädigte hatte bei der Polizei gesagt, dass sich der Angeklagte Kaffee borgen wollte, sie aber auf sein Klingeln nicht reagiert hatte.

Ohne die Zeuginnen geht nichts

Als Zeugen sind zwei Polizisten erschienen, einer davon ist von der Polizeihochschule angereist, insgesamt eine Strecke von fast 300 Kilometern. Doch gehört werden sie nicht. Denn zwei weitere Zeuginnen zu den Exhibitionismusvorwürfen fehlen. Eine konnte nicht geladen werden, weil sie unbekannt verzogen ist. Die andere ist einfach nicht erschienen.

Ohne die Zeuginnen könne aber nicht festgestellt werden, wer was gesehen hat und wer wie stark erschrocken war, moniert der Verteidiger. Und auch, ob sein Mandant nun tatsächlich ein Hausverbot hatte, könne ohne Zeugen so nicht aufgeklärt werden. Letzteres ist insofern nicht von Bedeutung, da der Angeklagte die versuchte Körperverletzung ja zugegeben hat.

Dennoch: Ohne die beiden Zeuginnen geht es nicht. Die werden nun erneut geladen beziehungsweise es wird versucht, den Aufenthaltsort der einen Zeugin ausfindig zu machen. Zeit genug dafür gibt es. Denn der neue Verhandlungstermin findet erst am 13. Januar nächsten Jahres statt.

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