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Schulabschluss dank Praktikum

Ein Umbau an der Pestalozzischule soll ein außergewöhnliches Bildungsprojekt ermöglichen. In Freital schaffen deshalb immer mehr Schüler den Abschluss.

Nur zwei Tage in der Schule, dafür drei Tage im Betrieb: So soll abschlussgefährdeten Schülern der Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden.
Nur zwei Tage in der Schule, dafür drei Tage im Betrieb: So soll abschlussgefährdeten Schülern der Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden. ©  dpa (Symbolfoto)

Meißen. An der Pestalozzischule wird es eng, das Nebengebäude ist renovierungsbedürftig, außerdem wünscht sich Meißen weniger Schüler ohne Abschluss. Letztlich seien mehrere Punkte zusammengekommen, die der Oberschule dieses außergewöhnliche Bildungskonzept bescheren, erklärt Schulleiter André Pohlenz.

Erst an acht Schulen in Sachsen gibt das Projekt „Produktives Lernen“ neue Perspektiven für sogenannte abschlussgefährdete Schüler. Bald auch für 20 Schüler aus dem Landkreis Meißen, da ist sich der Schulleiter sicher. Mit einem Blick nach Freital ist genau so sicher, dass das Projekt ein Erfolg wird.

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Bestehende Klassen entlasten

Seit 2009 sieht der Unterricht in Freital für sogenannte abschlussgefährdete Schüler anders aus. Ab der achten Klasse findet der Unterricht nur noch an zwei Tagen statt. Fächer wie Deutsch oder Mathe werden in einer „Lernwerkstatt“ praxisorientiert unterrichtet. In den neuen Klassen sind die Lehrer den ganzen Tag mit den Schülern zusammen und könnten dadurch eine viel intensivere Bindung aufbauen. In Kleingruppen ist es möglich, die Schüler mit individuell zugeschnittenen Aufgaben zu versorgen, gleichzeitig könne sich kein Schüler mehr wegducken.

Die restlichen drei Tage verbringen die Schüler in einem Unternehmen ihrer Wahl. Elf Wochen lang – dann wird der Praktikumsplatz in der Regel gewechselt. Pro Schuljahr lernen die Schüler so drei verschiedene Betriebe kennen: Nach jeder Praxisstation gibt es Punkte, die am Jahresende eine Endjahresnote ergeben. Eine Vergütung gibt es nicht. Wenn die Betriebe zufrieden sind, können sie sich trotzdem erkenntlich zeigen – zum Beispiel mit einem Gutschein.

Die beiden Lehrer Roberto Strauß und Gerd Meyer haben das Projekt in Freital zum Leben erweckt. Letzten Montag waren sie an der Pestalozzi-Oberschule zu Besuch, um ihre Erfahrungen an Schulleitung und Oberbürgermeister weiterzugeben. "Ich musste gar nicht groß überzeugt werden", erklärt André Pohlenz. Seit er das erste Mal von dem Projekt gehört hatte, sei er davon überzeugt. "So können wir die bestehenden Klassen entlasten und gleichzeitig betreuungsintensive Klassen schaffen."

Über 60 Prozent bekommen einen Ausbildungsvertrag

Gerd Meyer konnte ihn darin nur bestärken: Nach wie vor macht ihm der Unterricht in den Projekt-Klassen großen Spaß, obwohl er dem Konzept anfangs skeptisch gegenüber stand: „Ich hatte die Befürchtung, dass es schwierig wird, genügend Praktikums-Plätze zu finden.“ Schließlich müssten sich die Schüler eigenständig einen Betrieb suchen. Rückblickend habe Meyer überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Manche Betreuer in den Betrieben hätten zwar keine Zeit, längere Feedbackgespräche mit den Lehrern zu führen – das sei aber die Ausnahme.

Auch die Bestehensquote sei sehr gut, für über 60 Prozent der Abgänger springt bei einem der Praktika sogar ein Vertrag heraus. „Es ist ein gutes Gefühl, die Schüler mit einem Ausbildungsplatz rauszuschicken“, resümiert Meyer. Den größten Knackpunkt sieht der Pädagoge allerdings darin, dass es schwierig werden könnte, passende Lehrer für die Projektklassen zu finden: Es brauche jemanden, der das mental aushalten kann und die nötige innere Ruhe mitbringt. Bei dem akuten Lehrermangel eine Herausforderung.

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