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Pistole im Rucksack und große Pläne im Kopf

Wird der Angeklagte zufällig von drei Polizisten kontrolliert? Er hat jedenfalls nicht nur eine verbotene Waffe bei sich.

Eine Schreckschusspistole, ähnlich dieser, hatte der Weinböhlaer bei einer Kontrolle auf dem Dresdner Hauptbahnhof im Rucksack.
Eine Schreckschusspistole, ähnlich dieser, hatte der Weinböhlaer bei einer Kontrolle auf dem Dresdner Hauptbahnhof im Rucksack. © dpa-Zentralbild

Meißen. Es herrscht viel Betrieb auf dem Dresdner Hauptbahnhof an jenem Novembermittag 2019. Die S-Bahn aus Meißen fährt ein, die Türen öffnen sich, etliche Passagiere steigen aus.

Darunter ist auch ein damals 19 Jahre alter Mann aus Weinböhla. Gezielt kommen drei Polizisten auf ihn zu, kontrollieren den Mann. Und werden fündig. Im Rucksack führt er eine Gasdruckpistole "Miami" und zwölf Patronen mit. Die darf er zwar besitzen und auf dem eigenen Grundstück benutzen. In der Öffentlichkeit darf er die Pistole aber nicht mitführen. Dazu bedarf es eines kleinen Waffenscheines. Den jedoch hat er nicht.

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Wegen unerlaubten vorsätzlichen Besitzes einer Schusswaffe sitzt er nun vor dem Meißner Amtsgericht. Und gibt sich reuig und einsichtig. „Das war total dumm, ich habe nicht darüber nachgedacht. Ich sehe ein, dass ich jetzt hier sitze. Für das, was ich getan habe, gibt es keine Entschuldigung“, sagt er.

Angst vor Ärger mit den Eltern

Die Pistole habe er in Dresden gekauft, um damit zu Silvester Leuchtmunition abzuschießen. Er habe sie jedoch vor seinen Eltern verstecken, auf Arbeit in seinem Spind aufbewahren wollen. „Ich hätte sonst großen Ärger mit meinen Eltern gekriegt“, so der junge Mann. Der Ärger, den er sich jetzt eingehandelt hat, ist freilich noch viel größer.

Staatsanwältin Christine Eißmann hat erhebliche Zweifel an der Geschichte des Angeklagten. Denn die Beamten finden nicht nur die Gasdruckpistole samt Munition im Rucksack, sondern auch etwas anderes: Drogen. Und der Angeklagte saß schon einmal wegen Drogenhandels vor Gericht. Damals kam er mit richterlichen Weisungen davon. Haben die Polizisten also, wie der Angeklagte sagt, zufällig den Richtigen kontrolliert? Oder hatten sie einen Tipp bekommen?

Kündigung als Kinnhaken

„Es war mir fast klar, dass von Ihnen die Geschichte mit Silvester kommt“, so die erfahrene Staatsanwältin. Diese Ausrede kennt sie auch von anderen Angeklagten, die mit Gasdruckpistolen erwischt werden. Sie weiß, dass diese Art der Gasdruckpistole oft von Drogenhändlern mitgeführt wird. Sie ist nicht nur preisgünstig, sondern sieht einer echten Waffe täuschend ähnlich.

Der Mann gibt auch zu, selbst Drogen genommen zu haben. Seit der Tat sei es aber damit vorbei. Er muss sich nicht nur strafrechtlich verantworten, sondern wurde auch von seinem Arbeitgeber fristlos gekündigt. „Diese Kündigung war der Kinnhaken, den ich gebraucht habe, um von den Drogen loszukommen“, sagt er.

Der Schuss, den er brauchte

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sieht bei dem inzwischen 20-Jährigen Reifedefizite und regt an, ihn nach Jugendstrafrecht zu verurteilen und lediglich gemeinnützige Arbeitsstunden aufzubrummen. Das freilich wäre kaum zu rechtfertigen. Denn schon vor der jetzigen Tat wurde der Weinböhlaer vom Amtsgericht Dresden wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und ohne Versicherungsschutz verurteilt worden, und zwar nach Erwachsenenstrafrecht. Ihn danach wiwder als Jugendlichen zu behandeln, dürfte schwierig zu begründen sein.

Wie von der Staatsanwältin beantragt verurteilt Richterin Ute Wehner den Mann nach Erwachsenenstrafrecht zu einer Geldstrafe von 750 Euro, bleibt damit am unteren Rand. „Die Verurteilung ist der Schuss, den Sie brauchen, um zu einem geordneten Leben zu finden“, hatte die Staatsanwältin zuvor gesagt. Für dieses Leben hat der Mann schon große Pläne im Kopf. Er will nach Australien auswandern.

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