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Plötzlich war Gegenverkehr da

Eine 71-Jährige baut einen schweren Unfall. War es grobe Rücksichtslosigkeit oder nur ein Augenblicksversagen?

Der Skoda Fabia der Unfallverursacherin ist nur noch Schrott.
Der Skoda Fabia der Unfallverursacherin ist nur noch Schrott. © Polizei

Meißen. Es ist ein schöner Augustabend im vorigen Jahr, die Sonne scheint, es ist warm und trocken. Eine 20-jährige Riesaerin und ihr Freund sind mit ihrem VW Polo auf der Staatsstraße zwischen Lommatzsch und Katzenberg unterwegs, wollen zu den Schwiegereltern.

Hinter ihrem Auto fährt ein BMW ziemlich dicht auf. In der Ferne kommt ein großer Lkw entgegen. "Hoffentlich überholt der BMW jetzt nicht", denkt die junge Frau und schaut in den Rückspiegel, als ihr Freund plötzlich schreit: "Bremsen!" Im Gegenverkehr ist ein Skoda Fabia aufgetaucht, der den Lkw überholt hat. Reaktionsschnell gelingt es der 20-Jährigen, ihr Auto abzubremsen und an den Straßenrand zu lenken. Doch die Fahrerin in dem BMW hinter ihr schafft das nicht. Der Skoda und der BMW krachen seitlich heftig zusammen.

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Die Fahrerin des BMW wird verletzt, hat ein Trauma, eine Halswirbelverletzung, Prellungen und erleidet einen Schock. Sie muss ins Krankenhaus ebenso wie die Polo-Fahrerin. Diese allerdings nur vorsichtshalber, weil sie schwanger ist. Doch ihr und dem Kind ist nichts passiert, es ist inzwischen gesund zur Welt gekommen.

Es entsteht durch den Unfall ein Fremdschaden von 34.000 Euro. Auch der Skoda der Unfallverursacherin, der auf dem Feld landet, ist nur noch Schrott. Die Frau steigt jedoch unverletzt aus dem Auto.


Auf der gesamten linken Seite wurde der BMW aufgerissen. Die Fahrerin erlitt nur leichte Verletzungen, musste aber im Krankenhaus behandelt werden.
Auf der gesamten linken Seite wurde der BMW aufgerissen. Die Fahrerin erlitt nur leichte Verletzungen, musste aber im Krankenhaus behandelt werden. © Polizei

Nun sitzt die 71-jährige Frau aus dem Erzgebirge wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung vor dem Meißner Amtsgericht. Sie hatte den Lkw in einer Linkskurve an einer leichten Steigung überholt. Zudem war die Sicht durch Sträucher eingeschränkt. Das Gericht muss nun vor allem die Frage klären, ob dies aus grober Rücksichtslosigkeit geschah oder nur ein Augenblicksversagen war.

Völlig überrascht, als der Polo auftauchte

Die Angeklagte fährt hin und wieder, aber nicht regelmäßig diese Strecke. Sie beteuert, dass sie beim Überholen des langsam fahrenden Lkws keinen Gegenverkehr gesehen habe. "Ich war völlig überrascht, als plötzlich ein Auto auftauchte", sagt sie, die nicht vorbestraft und bisher auch noch nie im Straßenverkehr auffällig geworden ist.

Für Staatsanwältin Sabine Greiffenberg ist der Vorwurf der Verkehrsgefährdung nicht zu halten. "Die Angeklagte hat den Gegenverkehr nicht gesehen. Sie hat verkehrswidrig gehandelt, aber grobe Rücksichtslosigkeit kann ich nicht erkennen", sagt sie. So bliebe nur die fahrlässige Körperverletzung übrig. Dafür fordert sie eine Geldstrafe, die aufgrund der Einkommensverhältnisse der Rentnerin mit 600 Euro moderat ausfällt.

Erheblicher Verkehrsverstoß bleibt

Die Tat sei kein Regelfall, deshalb komme der Entzug der Fahrerlaubnis und der Einzug des Führerscheins nicht infrage, so die Staatsanwältin. Allerdings fordert sie, dass ein Fahrverbot von sechs Monaten ausgesprochen werden soll. Dieses Fahrverbot ist eher symbolisch, weil schon abgegolten, da der Führerschein der Angeklagten seit dem Unfalltag in amtlicher Verwahrung ist.

Dennoch möchte der Verteidiger, dass kein Fahrverbot verhängt wird. Der Grund ist naheliegend, denn dadurch erhielte seine Mandantin in Flensburg drei Punkte.

Richterin Michael Falk verurteilt die Erzgebirgerin zu der beantragten Geldstrafe und als Nebenstrafe auch zu dem Fahrverbot. Dies sei nötig, weil es sich um einen Verkehrsverstoß von erheblichem Gewicht gehandelt habe, so der Richter.

Autofahren darf die Angeklagte theoretisch ab sofort, denn sie erhält im Gerichtssaal ihren Führerschein zurück. Praktisch hat sie aber kein Auto mehr.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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