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Plötzlich waren die Renn-Karts weg

Um Geld für seine Drogensucht zu haben, begeht ein Coswiger massive Einbrüche und Diebstähle. Der Schaden ist fünfstellig.

Zwei derartige Renncarts wurden bei dem Einbruch gestohlen.
Zwei derartige Renncarts wurden bei dem Einbruch gestohlen. © privat

Coswig/Dresden. Dem Coswiger Unternehmer fällt sofort das geknackte Schloss der Halle auf. Er ruft die Polizei an jenem Junitag vergangenen Jahres. Dann stehen sie in einer leeren Halle. Alles ist raus: ein Rasentraktor, ein Rasenmäher, ein Werkzeugschrank samt Werkzeug, ein Anhänger, mehrere Reifensätze, Helme und zwei Rennkarts. Die gehörten dem Unternehmer und seinem Sohn. Mit diesen wollten sie kurz darauf bei einem internationalen Rennen antreten. Das hatte sich erledigt. Der Gesamtschaden beträgt rund 20.000 Euro.

Der Täter sitzt nun vor Gericht. Weil er seit August vorigen Jahres in Untersuchungshaft sitzt, zwischendurch eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe absaß, findet die Verhandlung in Dresden statt. Vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Dresden werden dem 30-jährigen Coswiger, der keinen Beruf, aber ein massives Drogenproblem hat, weitere schwere Vorwürfe gemacht. So soll er auch in Coswig in drei Keller eingebrochen sein und jeweils E-Bikes im Gesamtwert von 9.200 Euro gestohlen haben.

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Mit diesem gestohlenen Geländewagen durchbrachen die Täter den Zaun der Wettiner Forstverwaltung. Auch hier war der Angeklagte beteiligt.
Mit diesem gestohlenen Geländewagen durchbrachen die Täter den Zaun der Wettiner Forstverwaltung. Auch hier war der Angeklagte beteiligt. © Sven Görner

Plötzlich geht die Alarmanlage los

Ein Einbruch in die Produktionsschule Moritzburg wird ihm ebenfalls vorgeworfen. Hier soll er mehrere Hundert Euro Bargeld erbeutet, aber auch zwei Handys und Autoschlüssel gestohlen haben.

In eine Bäckerei und eine Fleischerei in Weinböhla drang er laut Anklage ebenfalls ein, aber nicht weil er Hunger hatte. Es suchte ausschließlich Geld und fand welches. Fast 1.000 Euro in zwei Geldkassetten. Wenig Glück hatte er bei einem Einbruch in einer Pizzeria. Plötzlich ging die Alarmanlage los, sodass er ohne Beute flüchten musste.

Nicht zuletzt war er an den Einbrüchen in die Wettiner Forstverwaltung beteiligt. Die Täter, drei Männer und eine Frau - seine drogenabhängige Freundin - waren über den Zaun gestiegen, hebelten einen Schuppen auf, wo sie eine Kassette mit Schlüsseln fanden. So gelangten sie in die Räume und an Fahrzeuge, stahlen unter anderem zehn Kettensägen, vier Freischneider, etliche Werkzeuge, kistenweise Maschinenfett, Sägen, Bohrer, zwei Kisten Klarlack, Zeckenschutzmittel im Wert von insgesamt rund 15.000 Euro.

Mit einem Auto der Forstverwaltung, mit dem sie das Diebesgut abtransportieren wollen, durchbrachen sie einen Zaun. An diesem und an dem Auto entstand Sachschaden von 20.000 Euro.

Auch ein Einbruch in den Keller eines Mehrfamilienhauses in Coswig, wo er zwei Schusswaffen gestohlen haben soll, wirft ihm der Staatsanwalt vor.

Stets von anderen angestiftet

Den Einbruch bei dem Coswiger Unternehmer gibt er zu, die anderen Taten streitet er ab. Ein Kumpel habe ihm ein Abrisshaus gezeigt. Rein zufällig habe man nebenan eine Garage entdeckt. "Dann haben wir ein Auto geholt und das Zeug abtransportiert", sagt er. Das "Zeug" wird später in seiner Garage wiedergefunden.

Wie der Besitzer sagt, seien die Rennkarts nur noch Schrott. Der Stahlrahmen sei verzogen, sie seien nicht reparierbar. Reifen und Helme will der Angeklagte nicht gestohlen haben. "Die wollen sich an mir bereichern", wirft er dem Unternehmer vor.

Auch in der Forstverwaltung war er dabei. Wieder wurde er verführt. Mit seiner Freundin sei er im Wald spazieren gewesen. Da sei ein Kumpel gekommen und habe gesagt, dass man gerade ein großes Ding mache. "Ich habe ihm geholfen, wollte ihm einen Gefallen tun. Er hat mir auch schon mal finanziell aus der Patsche geholfen", sagt der Angeklagte.

Die E-Bikes habe ihm ein Freund geliehen, mit den Diebstählen habe er nichts zu tun, sagt er. Komisch, dass er bei einer Polizeikontrolle flüchtete. Warum tat er das, wenn er mit einem geliehenen Bike unterwegs war?

Auch Schusswaffen will er keine gestohlen haben. Die habe er nur für einen Freund in seiner Garage aufbewahrt. "Er hat mir dafür Crystel gegeben", sagt der Mann, der seit seinem 15. Lebensjahr Drogen nimmt. Wegen Drogen wurde er 2010 zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt, von der er ein Jahr absaß. Danach begann er eine Therapie. Später wurde er wieder rückfällig, verlor wegen Drogen auch seinen Führerschein. Ein Gramm Crystal habe er zeitweise genommen. Jeden Tag.

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Seine Freundin hatte im November in Meißen für den Einbruch in der Forstverwaltung, aber auch noch wegen anderer Straftaten eine vergleichsweise milde Jugendstrafe von acht Monaten auf Bewährung bekommen. So gut wird der 30-Jährige nicht wegkommen. Zwar wurde noch kein Urteil gesprochen, aber der mögliche Strafrahmen in Form einer Verständigung abgesteckt. Bei einem vollumfänglichen Geständnis stellte das Gericht eine Strafe zwischen zwei Jahren und drei Monaten bis zwei Jahren und neun Monaten in Aussicht. Bewährung ist da nicht mehr möglich. Das Urteil soll es am 11. März geben.

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