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Brandstiftung: Angeklagter voll schuldfähig

Am Dienstag sollte am Landgericht Dresden das Urteil fallen. Doch es kam zu nicht erwarteten Verzögerungen.

Auch den Brand an der ehemaligen Gaststätte "Waldschlösschen" in Röderau wird den Angeklagten zur Last gelegt.
Auch den Brand an der ehemaligen Gaststätte "Waldschlösschen" in Röderau wird den Angeklagten zur Last gelegt. © Christoph Scharf

Dresden/Landkreis Meißen. Dritter Verhandlungstag am Landgericht Dresden im Prozess gegen zwei mutmaßliche Brandstifter aus Meißen. Den angeklagten Meißnern S. (22) und D. (23) wird unter anderem vorgeworfen, mehrere Brände gelegt zu haben oder daran beteiligt gewesen zu sein. Brisant: S. wurde schon 2017 eine andere Brandstiftung vorgeworfen. Die Meißner Staatsanwaltschaft sah aber von einer Verfolgung ab. Der Angeklagte war auch Mitglied der Meißner Jugendfeuerwehr. Wegen Straftaten flog er jedoch raus.

Ein Brand wurde auf einem alten Grundstück von Hülsbusch in Weinböhla, das vom Karnevalsverein genutzt wird, gelegt. Zwei große Umzugswagen fackelten dabei ab. Es entstand Schaden von 90.000 Euro. Im August 2018 brach eine Gruppe Kleinkrimineller in eine Wohnung an der Leipziger Straße in Meißen ein. S. soll die Idee gehabt und umgesetzt haben, die Wohnung abzufackeln, um Spuren zu verwischen. Er soll Teelichter unter die Schränke gestellt haben. Der Schaden hier: rund 70.000 Euro. 

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Auch die ehemalige Gaststätte „Waldschlößchen“ in Röderau bei Riesa, ein leerstehendes Haus in der Hirschbergstraße in Meißen und die Fabrik von Sachsenwelle in Coswig sollen angezündet worden sein. S.soll auch einen Wagen des"Circus Afrika", bei dem er einen Gelegenheitsjob hatte, angebrannt haben. Er bestreitet das, schiebt die Tat auf Tierschützer.  Möglicherweise wird er für diese Tat nicht bestraft. Die Zirkus-Mitarbeiter können als Zeugen nicht geladen werden.  Der Staatsanwalt hat schon zu erkennen gegeben, diesen Tatvorwurf im Hinblick auf die zu erwartender Verurteilung wegen der anderen Taten einzustellen. 

Seit 14 Monaten in Haft

S., der aus einer problematischen Meißner  Familie mit insgesamt 13 Kindern stammt, soll zudem in Meißen eine Frau besucht, die Tür eingetreten, und der Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Er ist seit August vorigen Jahres in Haft, saß unter anderem eine neunmonatige Jugendstrafe ab, die vom Amtsgericht Meißen zunächst  zur Bewährung ausgesetzt worden war. Wegen neuer Straftaten wurde die Bewährung widerrufen. 

Insgesamt zwölfmal hatte der Meißner bisher mit der Justiz zu tun. Allein achtmal haben Staatsanwaltschaft oder Gericht von der Verfolgung abgesehen beziehungsweise richterliche Weisungen erlassen. Weil er diese nicht einhielt, musste er für vier Wochen in den Jugendarrest. Selbst eine räuberische Erpressung blieb für ihn ohne Konsequenzen.  

Kritik am Jugendamt

Am Dienstag sollte es das Urteil geben, doch die Verhandlung verzögerte sich, unter anderem  weil ein Zeuge aus Meißen polizeilich vorgeführt werden musste. Auch die Ausführungen eines psychiatrischen Gutachters dauerten weit länger als erwartet. Dieser kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Der Angeklagte S. ist voll schuldfähig und nach Erwachsenenstrafrecht zu behandeln. Er habe keine Defizite in der Reifeentwicklung, sondern eine Fehlentwicklung. „Er ist falsch abgebogen und einfach weitergefahren“, so der Gutachter. Dieser kritisierte das Meißner Jugendamt und die Jugendgerichtshilfe. Das Jugendamt habe die Erziehungskompetenzen der Eltern früh infrage gestellt. Die Mutter sei schwach, der Vater ein Tyrann, so das Amt. Es habe immer die gleichen Maßnahmen ergriffen, die immer wieder gescheitert seien. Das pädagogische Personal sei nicht ausreichend auf den Angeklagten eingegangen, so der Psychiater.  

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Im Falle einer Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht droht den Angeklagten eine langjährige Haftstrafe. Das Verfahren war zunächst am Jugendschöffengericht des Amtsgerichtes Dresden eröffnet worden. Das Gericht erklärte sich aber für nicht zuständig, gab die Sache ans Landgericht ab.

Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann soll es auch ein Urteil geben. 

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