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Diskussion um Straßenbäume

Ein Verein will Alleen in der Lommatzscher Pflege neu anlegen. Doch er stößt dabei auf viele Probleme. Hilfe erhofft er sich von der Politik.

Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (3.v.l.) im Gespräch mit Teilnehmern der Veranstaltung zur Problematik bei Anpflanzung von Straßenbäumen. Unter ihnen die Grünen-Bundestagskandidatin Karin Beese (l.)
Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (3.v.l.) im Gespräch mit Teilnehmern der Veranstaltung zur Problematik bei Anpflanzung von Straßenbäumen. Unter ihnen die Grünen-Bundestagskandidatin Karin Beese (l.) © Uta Büttner

Nossen/Lommatzscher Pflege. Bäume an Feld- und Straßenrändern sind immer seltener in der Lommatzscher Pflege geworden. Alleen sind verschwunden und damit die Attraktivität der Hügellandschaft. Denn Wald gibt es ohnehin kaum. Doch Bäume neu zu pflanzen ist keine einfache Aufgabe. Eine kleine Exkursion mit dem sächsischen Landwirtschaftsminister Wolfram Günther im Nossener Ortsteil Höfgen sollte unter anderem zeigen, wie es durch kommunales und privates Engagement in der Lommatzscher Pflege in den vergangenen Jahren gelang, punktuell wieder Feldgehölze und Straßenbegleitgrün anzupflanzen. Eingeladen hatten die Grünen.

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Als Beispiel zeigte der Nossener Landwirt Carsten Neumeister einen Feldweg, an den er bereits 2002 Obstgehölze setzte. Doch durch rechtliche und finanzielle Probleme stoßen die privaten Initiatoren wie der Verein Kulturlandschaft Lommatzscher Pflege immer wieder an ihre Grenzen. Eigentümerverhältnisse, Haftungsfragen, Verkehrssicherungspflichten sind dabei die größten Probleme. Zwar hat der Verein seit seiner Gründung im Jahr 2013 mit Unterstützung insgesamt reichlich 2.200 Bäume neu gepflanzt, „aber es wird immer schwerer“, erklärte Vereinsvorsitzender Morten Beger. Finanziert wurden die Bäume mit Fördermitteln aus dem Topf „Natürliches Erbe“, von der Stadt Nossen mit dem Projekt „Geburtsbäume“ – pro Neugeborenes wird ein Baum gepflanzt – sowie durch Spenden und einer Ausgleichsmaßnahme.

„Für Baumpflanzungen zur Erhaltung der Kulturlandschaft müssen wir Landbesitzer und Landwirte überzeugen können, Flächen an Straßenrändern zur Verfügung zu stellen“, sagte Beger. Doch Fragen hinsichtlich Haftung und Verkehrssicherung, die dabei aufkommen, kann der Verein nicht beantworten. Zudem fragte Beger den Landwirtschaftsminister nach künftigen finanziellen Mitteln für die Pflanzung und Pflege von Alleen. Der Verein hofft vor allem auf eine Regelung der Haftungsfragen durch die öffentliche Hand. Ansonsten, so sagte Beger, „ist eine weitere Bepflanzung beziehungsweise Nachpflanzung und damit die Erhaltung unserer Kulturlandschaft nahezu unmöglich.“ Auf diese Fragen antwortete Günther, dass grundsätzlich jeder Grundstückseigentümer – oder jeder, der für eine bestimmte Last zuständig ist, ob es Straßenbaulast oder andere Sachen seien – selbst die Verantwortung habe.

Richtlinie zur Förderung von Alleen soll kommen

„Aber speziell für Gehölze arbeiten wir gerade im Ministerium an einer Förderrichtlinie, die die Anlage von Alleebäumen aber auch Streuobstwiesen so stark fördern soll, dass es wirklich attraktiv ist. Wir kalkulieren das auch so, dass genau die Unterhaltung mit drin ist“, sagte Günther. Denn Verkehrssicherung heiße nichts anderes als, „ich muss die Dinge, die mir gehören, ordentlich unterhalten.“ Zudem erklärte der Minister, „Risiken gehen von allem aus. Ich muss nur vermeidbare Risiken vermeiden.“ Und das bedeute, „wenn ich Gehölze habe, muss ich die pflegen. Und deswegen gestalten wir diese Richtlinie so, dass auch die Pflege mit erfasst ist.“ Zudem wies Günther darauf hin, dass es mittlerweile in Deutschland eine sehr gute und breite Rechtsprechung gebe. „Rechtlich ist nicht verlangt“, betonte er, „dass es Null-Risiko gibt, weil es das schlicht nicht gibt.“ Jeder müsse einfach nur einen Blick auf seine Gehölze haben.

Bessere Möglichkeiten als private Initiatoren bei der Pflanzung von Straßenbäumen hat indes der Landkreis, der sich zum Ziel gesetzt hat, für neue Alleen Tausende Bäume zu setzen. Themen wie Eigentumstausch oder Flurbereinigung sind für Ehrenamtler nicht zu stemmen. Doch es gibt weitere Hindernisse bei der Straßenrandbepflanzung. An Straßenrändern, wo keine alten Bäume mehr stehen, dürfen neue nur in einem Abstand von 7,5 Metern gepflanzt werden, erklärte Anja Portsch, Leiterin des Kreisvermessungsamtes. Hingegen in eine bestehende Baumreihe, auch wenn sie sich sehr nahe der Straße befindet, können ohne Probleme neue Bäume dazwischen gesetzt werden. Eine gute Nachricht hatte sie auch. Für alle vom Landkreis gepflanzten Bäume trage er auch die Verkehrssicherheitspflicht.

Theoretisch klang vieles also auch gut an diesem Abend, es gibt finanzielle Unterstützung – auch in Zukunft. Doch in der Praxis hapert es dann. Neu gepflanzte Bäume sterben, weil sich niemand um sie kümmert. So erzählte Pfarrer Jochen Hahn, wie er mit seinen Konfirmanden in diesem Jahr rund 50 Bäume zwischen Rüsseina und Maltitz gerettet habe, Fraßschutz wurde wieder angebracht und „etwa 130 Bäume haben wir wieder gestützt“. Deshalb, so sagte Morten Beger, "suchen wir dringend ‚Baumwächter‘ – also Leute, die ein Auge auf die Bäume haben."

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