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Harakiri auf der Autobahn

Aus Ärger über ein Fahrmanöver überholt ein Berliner und bremst den Kontrahenten aus. Es kommt zum Unfall. Jetzt sehen sich die beiden vor Gericht wieder.

Nach einem Unfall auf der Autobahn einigen sich die Streithähne, doch dann geht einer doch noch zur Polizei.
Nach einem Unfall auf der Autobahn einigen sich die Streithähne, doch dann geht einer doch noch zur Polizei. © SZ/Uwe Soeder

Meißen/Dresden.  "Und kommt dor Sachse nach Berlin, da könnse ihn nich leiden", sang einst Jürgen Hart in seiner Sachsenhymne "Sing, mei Sachse, sing." Ein Berliner und ein Dresdner können sich auch nicht leiden. Jedenfalls nicht an diesem Tag auf der Autobahn. Sie treffen nahe dem Abzweig Radeburg aufeinander. Der Dresdner kommt mit Frau und zwei Kindern gerade aus dem Portugal-Urlaub zurück, ist auf der Fahrt vom Flughafen Berlin zurück nach Dresden. 

Am Autobahnabzweig sieht er, dass Autos auffahren wollen, blinkt, wechselt auf die linke Spur. Im Rückspiegel beobachtet er, wie ein VW heranrast. Er fährt wieder nach rechts, lässt den Raser vorbei. Doch der schert ganz kurz vor ihm ein, bremst stark. Auch der Dresdner macht eine Vollbremsung, kann aber nicht verhindern, dass sich  beide Fahrzeuge berühren. Es entsteht ein Schaden von mehr als 3.000 Euro. Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sitzt der Berliner nun in Meißen vor Gericht.

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Aufgebracht und beschimpft

Er sei mit 190, 200 Sachen auf der linken Spur angekommen, habe sich geärgert, dass der Citroen nach links wechselte, er bremsen musste, sagt der Berliner.  Er habe dann überholt, dem Dresdner einen  "Scheibenwischer" gezeigt und sei weitergefahren. Weil er nicht in den Rückspiegel gesehen habe, sei er zu zeitig eingeschert. Eine Absicht bestreitet er. 

Gleich nachdem Unfall fahren beide auf die Standspur,  um die Sache zu klären. "Er war sehr aufgebracht, hat mich beschimpft", sagt der Dresdner. Erst als der Berliner sah, dass in dem Auto eine Frau und zwei kleine Kinder saßen, habe er sich beruhigt und  erkundigt, ob jemand verletzt sei. Abseits der Autobahn tauschen beide ihrer Personalien aus, einigen sich darauf, nicht die Polizei zu rufen. Die Sache scheint bereinigt.    

Allerdings ist der Berliner in einem Firmenfahrzeug unterwegs. Er informiert später seine Firma über den Unfall und meldet den Schaden. Und wird aufgefordert, auf jeden Fall zur Polizei zu gehen. Das macht er auch. Damit setzt sich die staatliche Maschinerie in Gang.  Das Verwarngeld von 35 Euro ist erst der Anfang. 

Inzwischen können  sind der Dresdner und der Berliner wohl gut leiden.  Der Geschädigte hat dem Angeklagten eine Mail geschrieben. "Ich hoffe, Sie haben sich von dem Schreck erholt und es geht Ihnen gut", heißt es darin. Die Mail endet "mit lieben Grüßen".  

"Es war ein Bagatellschaden. Für mich hatte sich die Sache erledigt, nachdem wir die Personalien ausgetauscht hatten", sagt er. Er sei überrascht gewesen, dass er als Zeuge in einem Strafprozess geladen worden sei. Er will den Angeklagten nicht belasten, hat erstaunliche Erinnerungslücken, auch wenn die Tat schon zweieinhalb Jahre her ist. "Er ist mir komplett in den Weg gefahren. Ohne Vollbremsung wäre es ein heftiger Unfall gewesen", sagt er erst nach mehrfachem Nachfragen. Die Bremsspur sei heute noch zu sehen. "Jedes Mal, wenn ich dort vorbeifahre, mache ich drei Kreuze, dass es so glimpflich ausgegangen ist", sagt der Dresdner.

Er kommt um ein Fahrverbot herum

Dem Angeklagten kommt Corona zugute. Denn die Verhandlung sollte schon viel eher stattfinden, musste aber verschoben werden. Wegen des langen Zeitablaufes und der Tatsache, dass die Polizei gar nicht gerufen worden wäre, wenn es sich bei einem der Fahrzeuge nicht um einen Dienstwagen gehandelt hätte, könne man über eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage nachdenken, sagt die Staatsanwältin.

Das Gericht folgt dieser Anregung. Der Berliner muss 1.000 Euro zahlen. Das ist genau die Summe, die als Geldstrafe im Strafbefehl verhängt wurde. Gegen diesen hatte er Einspruch eingelegt.  Um das einmonatige Fahrverbot, das ebenfalls im Strafbefehl stand, kommt er aber herum. Und auch um  Punkte in Flensburg. 

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