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Der erste Tag als Meißner Landrat

Der neue Mann an der Kreisspitze will eigentlich viel zuhören, muss sich zunächst aber als schneller Entscheider bewähren.

Traf an seinem ersten Tag als Landrat seine frühere Kollegin Birgit Fritzsche, mit der er in seiner Anfangszeit im Landratsamt zusammengearbeitet hat: Ralf Hänsel will engen Kontakt zu den Mitarbeitern pflegen.
Traf an seinem ersten Tag als Landrat seine frühere Kollegin Birgit Fritzsche, mit der er in seiner Anfangszeit im Landratsamt zusammengearbeitet hat: Ralf Hänsel will engen Kontakt zu den Mitarbeitern pflegen. © Norbert Millauer

Großenhain/Meißen. Ralf Hänsels (parteilos) erster Weg als neuer Landrat hat ihn am Montag nach Großenhain geführt. Hier war es ihm ein Bedürfnis, seine ehemalige Kollegin Birgit Fritzsche im Kreisumweltamt, Sachgebiet Immissionsschutz, zu treffen.

Birgit Fritzsche ist 65 Jahre, sie verbringt ihr letztes halbes Jahr in der Kreisverwaltung. Ralf Hänsel war noch ganz frisch im Amt, 2002 bis 2005, als beide im damaligen Kreisumweltamt in Meißen auf dem Teichertring zusammenarbeiteten – mit Blick auf die Elbe, wie sie sich gemeinsam erinnern. Sie kontrollierten seinerzeit überwachungspflichtige Anlagen. „Das war damals meine erste Arbeitsstelle nach der Ausbildung, also der Grundstein meiner Verwaltungserfahrung“, so der 50-Jährige, der zuletzt Bürgermeister von Zeithain war. Deshalb wollte er hier neu beginnen. „Mein Anliegen ist es, auch mit meinen Mitarbeitern immer im Gespräch zu bleiben“, sagt Hänsel.

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Damals 2002 hatten Hänsel und Fritzsche gleich mit dem großen Hochwasser der Elbe zu tun. „Wir mussten aus unserem Gebäude raus, mussten Akten sichern“, erinnern sich die beiden. Birgit Fritzsche hat den neuen Landrat als Vorreiter des neuen Aktenprogramms FIS in Erinnerung. „Er hat uns angeleitet und unterstützt“, sagt sie dankbar. Hänsel sei ein Mann, der immer nah an der Basis ist, nah an den Menschen. Später arbeitete er im Sachgebiet Jugend und Soziales.

Einnahmen bleiben hinter Erwartungen zurück

War 2002 das Jahrhunderthochwasser der Elbe die größte Herausforderung bei dem Start Hänsels im Landratsamt, ist es jetzt die Corona-Pandemie. Im Landkreis Meißen gibt es mit dem Stand vom Montag 2.972 positiv auf das Virus SARS-CoV-2 getestete Personen. Von diesen befinden sich aktuell 818 Personen in behördlich angeordneter Quarantäne. Gegenüber gestern sind 63 neu infizierte Personen hinzugekommen.

Das Landratsamt arbeitet vor dem Hintergrund dieser Zahlen an einer neuen Allgemeinverfügung, welche im Laufe des Montags veröffentlicht werden soll und ab Dienstag gelten wird. Grundlage ist die neue Sächsische Corona-Schutz-Verordnung, die verschiedene Regelungen von den Landkreisen vorsieht, wenn der Inzidenzwert die Marke 50 beziehungsweise 200 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen überschreitet.

Der Landkreis Meißen zählt zusammen mit Teilen des Erzgebirges und Regionen in der Lausitz sowie Niederschlesien zu den aktuell am stärksten von der Pandemie betroffenen Gegenden im Freistaat.

Neben kurzfristigen Maßnahmen wird sich Hänsel in den nächsten Monaten auch mit Problemen auseinandersetzen müssen, die infolge der Pandemie längerfristig auf den Kreis zukommen. So hat die Krise beispielsweise Unternehmen wie die kreiseigenen Elblandkliniken oder die Verkehrsgesellschaft Meißen, an welcher der Kreis beteiligt ist, erheblich getroffen. Auch die Kreismusikschule musste zahlreiche Angebote einstellen. Auf vielen Ebenen sind niedrigere Einnahmen und teils sehr viel höhere Ausgaben festzustellen.

Im ersten Wahlgang durchmarschiert

Freigemacht wurde der Weg für den vergleichsweise zügigen Start Hänsels als neuer Landrat durch die schnelle und reibungslose Prüfung der Wahl vom 11. Oktober. Anfang vergangener Woche hatte die Landesdirektion Sachsen grünes Licht gegeben. "Mit dem positiven Wahlprüfungsbescheid konnten wir dem Landratsamt Meißen den korrekten Ablauf der Wahl bescheinigen", bestätigte Regina Kraushaar, Präsidentin der Landesdirektion Sachsen, das Ergebnis der Wahlprüfung.

Am späten Sonntagabend des 11. Oktober hatte sich die CDU über einen überraschend klaren Sieg bei der Landratswahl für den Kreis Meißen freuen können. Dem parteilosen Zeithainer Bürgermeister Ralf Hänsel gelang schon im ersten Wahlgang für die CDU mit 51,47 Prozent ein Erfolg über zwei Mitbewerber.

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Überraschend weit abgeschlagen landete der Landtagsabgeordnete und AfD-Kandidat Thomas Kirste nur auf Platz zwei (28,84 Prozent). Für die AfD bedeutete das eine deutliche Niederlage in einer ihrer Hochburgen. Noch deutlicher blieb die Grüne-Kandidatin Elke Siebert, die auch von Linke und SPD unterstützt wurde, mit 19,69 Prozent hinter Hänsel zurück.

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