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Obdachlose im Abseits

Stadträte der Linksfraktion haben die Wohnungslosen in Meißen besucht und fordern schnelles staatliches Handeln.

Gerade zu Weihnachten ist für Wohnungslose Gemeinschaft wichtig. Doch dies ist aufgrund der Pandemie auch in Meißen nur eingeschränkt möglich.
Gerade zu Weihnachten ist für Wohnungslose Gemeinschaft wichtig. Doch dies ist aufgrund der Pandemie auch in Meißen nur eingeschränkt möglich. © dpa

Meißen. Betroffen hat sich der Chef der Linken-Fraktion im Meißner Stadtrat Tilo Hellmann jetzt nach einem Besuch der Meißner Obdachlosenunterkunft gezeigt. Chef Ramis Kubera und seine Mitstreiter hätten zwar alles sehr gut organisiert und die Lage im Griff, doch es fehle an Unterstützung von außen.

"Es macht mich schon sehr traurig, wenn ich höre, dass selbst jetzt kurz vor Weihnachten noch eine Wohnung zwangsgeräumt und der Bewohner hinausgeworfen wird", sagt Hellmann. Zusammen mit seinen Fraktionskollegen Andreas Graff und Ingolf Brumm hat der Linken-Politiker diese Woche der Baracke im Triebischtal einen Besuch abgestattet. Kaffee, Stollen und weitere Lebensmittel haben sie vorbeigebracht. Bei einem Adventskaffeetrinken sollen die Bewohner der Unterkunft etwas weihnachtliche Stimmung verspüren.

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Einnahmequellen sind versiegt

Obdachlose haben es in der Zeit der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Auflagen besonders schwer. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fordert Solidarität mit Betroffenen. Menschen in Unterkünften sowie Mitarbeitern der Einrichtungen müssten regelmäßige Covid-19-Tests angeboten werden, „um die Infektionsgefahr in diesen Gemeinschaftseinrichtungen einzudämmen.“

Die Arbeitsgemeinschaft mahnt zudem die Aussetzung von Zwangsräumungen an. In einem von ihr verfassten Papier heißt es: „Schon lange vor der Corona-Krise sind Räumungsverfahren eingeleitet worden, die jetzt unbedingt und verbindlich ausgesetzt werden müssen.“ Leistungen von Jobcenter und Arbeitsagentur müssten unbürokratisch ausbezahlt werden. Die Arbeitsgemeinschaft empfiehlt den Wechsel von Tagessätzen auf „monatliche Zahlweisen“.

Wohnungsnotfallangebote müssten in die Erlasse von Ländern und Kommunen zu kritischer Infrastruktur aufgenommen werden. Den Trägern müssten „bei Bedarf kurzfristig und unbürokratisch zusätzliche Mittel von Kommunen, den Bundesländern und dem Bund zur Verfügung stehen, um den Herausforderungen gewachsen zu sein“.

Die Helfer betonen zudem, dass Einnahmequellen armer Menschen versiegt seien. „Das Sammeln von Pfandflaschen, der Verkauf von Straßenzeitungen und auch das Betteln sind in leer gefegten öffentlichen Räumen inzwischen kaum mehr möglich.“

Keine Priorität beim Impfen

Vor Ort in Meißen bestätigt Linksfraktionschef Tilo Hellmann diese Angaben aus eigenem Erleben. Corona-Testes für Mitarbeiter oder Bewohner müssen selbst bezahlt werden, so der Politiker. Bezüglich der jetzt anstehenden Impfkampagnen genieße die Einrichtung seinen Informationen zufolge keine Priorität. Es werde an Pflegeeinrichtungen, Kitas und die Krankenhäuser gedacht, sagt Hellmann. Die Obdachlosenheime blieben jedoch offenbar unberücksichtigt.

Der Kommunalpolitiker verweist zudem auf die Folgen der Pandemie für die Psyche der Bewohner. Der Chef der Unterkunft, Ramis Kubera, achte sehr genau darauf, dass sich niemand eingesperrt fühle. Trotzdem sind Treffen im größeren Kreis, wie sonst durchaus üblich, nicht möglich. Der traditionelle Adventskaffee wird nur in kleinen Runden serviert. Im Fernsehraum sind nur drei Leute zugelassen.

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Über ähnliche Probleme wird auch aus anderen Regionen in Sachsen berichtet. Für viele Menschen ist Weihnachten mit Ängsten besetzt. Die Angst vor dem Alleinsein und der Einsamkeit. Wenn niemand von der Familie da ist und die Erinnerungen an schönere Tage hochkommen – das ist besonders für ältere und vereinzelte Menschen eine schwere Zeit. Um Ängste zu nehmen und Gemeinschaft zu erleben, bieten verschiedene Organisationen in Pirna Weihnachtsfeiern und Treffen an, bei denen man gemütlich zusammensitzt, bei Kaffee und Stollen ins Gespräch kommt und hoffentlich mit einem warmen, guten Gefühl wieder nach Hause geht. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Große Feiern können coronabedingt nicht stattfinden.

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