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Sparwille ist nicht erkennbar

Jürgen Müller zu Johannitern und hohen Kosten. Ein Kommentar.

Jürgen Müller.
Jürgen Müller. © Claudia Hübschmann

Wochenlang war von der Johanniter Unfallhilfe keine Antwort zu bekommen, warum die Kosten für ihre Kindertagesstätten in Käbschütztal so exorbitant hoch sind. Nach erneuter Kritik gab man nun ein Interview, rückte gleich zu Viert an. Bei soviel geballter Kompetenz hätte man erwarten können, dass sich die Damen und Herren in den vergangenen Wochen ernsthaft Gedanken gemacht hätten, wo gespart werden kann,  um diese Vorschläge dann mit den Eltern zu besprechen und zügig  umzusetzen. 

Doch weit gefehlt. Statt Sparvorschlägen wurde nur umfangreich begründet, warum es so teuer ist. Schuld sind andere, die große Politik, die Gemeinde. Sparvorschläge wurden zerredet. Ein Sparwille ist jedenfalls nicht erkennbar. Warum die Kosten um so vieles höher sind als in anderen Gemeinden, wurde mit dem lapidaren Argument abgebügelt, man könne Kindereinrichtrungen nicht vergleichen. Wieso eigentlich nicht? 

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An den eigenen Pfründen jedenfalls will man nicht rütteln. Braucht es wirklich drei Fachberater, die sich um Kindswohlgefährdung kümmern? Muss wirklich den Eltern eine umfangreiche Dokumentation zur Entwicklung des Kindes angefertigt werden? Sind die Eltern nicht in der Lage, dies selbst einzuschätzen?  Was ist mit Kindern, die keine Einrichtung besuchen und daher keine Dokumentation bekommen? Werden das alles schlechte Menschen? 

Die Eltern in Käbschütztal sind in einer Zwangslage, können der Kostenfalle kaum entkommen. Es bliebe der Ausweg, sich eine Einrichtung in einer anderen Gemeinde zu suchen, ihre Kinder als Gastkinder anzumelden. Viele Städte und Gemeinden machen das, aber nur, wenn es freie Plätze gibt. Die andere Möglichkeit wäre, dass die Oma die Kinder betreut. Wollen wir das wirklich?  

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Wenn es überhaupt einen positiven Kern dieser Sache gibt, dann den, dass sich Kommunen, die sich mit der Überlegung tragen, ihre Kindereinrichtung an einen privaten Träger zu geben, das dreimal überlegen werden.  Käbschütztal gilt schon jetzt als warnendes Beispiel, was passieren kann, wenn sich der Staat seiner Aufgaben entledigt und diese an Private übergibt. 

E-Mail an Jürgen Müller

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