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Geld fürs Amt in Schulen gesteckt

Der Stadtrat in Meißen hat einhellig beschlossen, mehr für einen guten Breitbandanschluss im Unterricht zu tun. Und auch die Lehrer profitieren.

Wie hier in der Grundschule in Brockwitz besteht auch in Meißner Schulen ein hoher Bedarf nach schnellem Internet. Der Stadtrat hat in diesem Bereich ein konkretes Projekt angeschoben.
Wie hier in der Grundschule in Brockwitz besteht auch in Meißner Schulen ein hoher Bedarf nach schnellem Internet. Der Stadtrat hat in diesem Bereich ein konkretes Projekt angeschoben. © Norbert Millauer

Meißen. Der Meißner Stadtrat korrigiert sich selbst. Im vergangenen Jahr hatte er der Verwaltung den Auftrag erteilt, ein geeignetes Institut zu finden, welches die gesamte Organisation im Rathaus auf den Prüfstand stellen sollte. Sind die Strukturen modern und effizient genug? Diese Frage sollte hauptsächlich geklärt werden.

Aus Sicht der Verwaltung hat sich auf diesem Gebiet mittlerweile viel getan. In dieser Form sei der Antrag "nicht mehr zielführend", heißt es aus dem Rathaus. Diese Einschätzung stimmt überein mit einem gemeinsamen Änderungsantrag der sogenannten Großfraktion und der Fraktion Bürger für Meißen/SPD im Meißner Stadtrat.

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Deren Fraktionsmitglied Jürgen Hampf sagt dazu: "Wir haben uns das Ganze nochmal angeschaut." In der Zwischenzeit sei viel geschehen. Trotzdem mache es Sinn, aus externer Sicht einen Blick auf das Erreichte zu werfen. Die Fraktion habe sich entschlossen, gemeinsam mit der Großfraktion einen erweiterten Antrag einzubringen.

Stadträtin Heike Zimmer von der Großfraktion übernimmt es, die im ursprünglichen Antrag von 2020 formulierten Aufträge an die Administration zu überprüfen. Sie sieht die vier Ziele für erreicht beziehungsweise in nächster Zeit zu erreichen an. Die Fragen zum Personalbedarf und zur Organisationsstruktur im Rathaus seien weitgehend abgeklärt. Der Digitalisierung der Verwaltung und Schulen werde die nötige Priorität eingeräumt. Die Stellen würden künftig besser beschrieben. Auf der Homepage der Stadt sollte bald konkret ablesbar sein, welcher Bereich für welche Aufgaben zuständig sei.

Überwiegend habe die Behörde diesen Prozess selbst auf den Weg gebracht und umgesetzt. Offene Punkte stünden auf der Agenda, so Heike Zimmer. Dies müsse transparent gehalten und durch den Stadtrat kritisch begleitet werden. Deshalb habe sich die Großfraktion entschlossen, den Antrag einzubringen, die Ausschreibung für die Organisationsuntersuchung aufzuheben. Angeregt durch die Fraktion Freie Bürger für Meißen und SPD werde der Passus eingefügt, den Prozess weiter zu prüfen. Halbjährlich solle der Stadtrat über Fortschritte informiert und eine Supervision durch externe Berater in Auftrag gegeben werden. Der Aufwand hierfür sei deutlich geringer als für eine komplette Organisationsuntersuchung.

Endlich interaktive Tafeln nutzen können

Bleibt die Frage: Was wird mit den Mitteln für die Organisationsuntersuchung? Die Großfraktion spricht sich, vor allem aus der Gruppe der CDU heraus, dafür aus, mit dem Geld die Digitalisierung von Schulen voranzutreiben. In Meißen existiert in diesem Bereich ein großes Gefälle der technischen Ausstattung. Besonders benachteiligt ist die Triebischtal-Schule. Dort können aufgrund fehlender Breitbrandanschlüsse keine interaktiven Tafeln betrieben werden. Teilweise reicht das Netz noch nicht einmal dafür aus, um wenigstens in einem Teil des Gebäudes die nötige Firewall zu installieren. "Das müssen wir schnell und unverzüglich abändern", so Heike Zimmer. Meißen brauche mehr Bildungsgerechtigkeit.

Zustimmung kommt von der AfD-Fraktion. Deren Vorsitzender Oliver Eggert sagt, dass auch seine Fraktion eine positive Veränderung bei der Struktur wahrgenommen habe. Ohne teure, externe Berater habe das Rathaus eigenständig viel erreicht.

Für die Fraktion die Linke erinnert deren Vorsitzender Tilo Hellmann daran, dass dieser Prozess nicht zuletzt aufgrund des Engagements von Eltern der Schüler an der Triebischtalschule in Gang gekommen sei. "Die Hauptblumen gehören ihnen", sagte er ihnen. Parallel dazu erinnert der Linken-Politiker an die bereits längere Zeit von seiner Fraktion verfolgten Idee, die Hochschule der Verwaltung in Meißen in die Entwicklung der Schulstruktur einzubinden. Hellmann schwebt ein frischer Input aus der Lehre zum Beispiel in Form von Bachelor-Arbeiten vor. Die Stadt befinde sich hier in einer einzigartigen Situation, deren Vorteil sie viel zu wenig nutze.

200 Rechner für die Lehrer in Meißen

Eine leichte Kritik kommt dann doch noch vom bündnisgrünen Heiko Schulze: Die Probleme im Rathaus lösten sich nicht automatisch dadurch, dass sich die Verwaltung selbst von innen reformiere, so der Stadtrat. Er halte es für sehr gut, wenn von außen ein Blick auf die Behörde geworfen werde. Ob wirklich alles so optimal gelaufen sei, könne er nicht beurteilen. "Für mich ist das ein komisches Verfahren", so Schulze.

Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) verwies auf den Zeitfaktor. Die Organisationsuntersuchung hätte allerfrühestens im nächsten Jahr Früchte getragen. Er sei froh darüber, dass bis jetzt schon deutlich mehr geschehen sei.

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