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Tatort Elbufer

Ein Mann soll versucht haben, eine junge Frau zu vergewaltigen. Als sie sich wehrt, schlägt er sie und zieht sie in die Elbe. Seit Dienstag sitzt er vor Gericht.

Hier am Elbekai an der B6 in Meißen in Höhe der Fischerhäuser sollen sich die Taten ereignet haben.
Hier am Elbekai an der B6 in Meißen in Höhe der Fischerhäuser sollen sich die Taten ereignet haben. © Claudia Hübschmann

Meißen/Dresden. Es ist kurz vor Mitternacht in dieser warmen Sommernacht in Meißen. Eine 15-Jährige ist noch wach. Ihre Freundin hat Geburtstag, sie will die Erste sein, die ihr gratuliert. Das Fenster ist geöffnet, draußen ist Lärm. Am Elbufer, nahe der Eisenbahnbrücke, feiern Jugendliche, wie so oft. Doch diesmal ist etwas anders, der Lärm ist anders. Das Mädchen hört Schreie. Hilfeschreie einer Frau. Immer und immer wieder. Die 15-Jährige geht ans Fenster, glaubt, ihren Augen nicht zu trauen. Sieht, wie eine Frau von einem Mann von hinten mit beiden Armen gepackt und in Richtung Elbe gezogen wird. Sie ist mit der Situation völlig überfordert, rennt ins Nebenzimmer zu ihrer älteren Schwester. Die ruft schließlich die Polizei.

Der Angeklagte am Dienstag vor Beginn der Verhandlung am Landgericht Dresden.
Der Angeklagte am Dienstag vor Beginn der Verhandlung am Landgericht Dresden. © Jürgen Müller

Der mutmaßliche Täter kann schnell gestellt werden. Seit Dienstag sitzt er nun wegen versuchter Vergewaltigung und sexueller Nötigung unter Gewaltanwendung vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Dresden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich zunächst nach dem Alter der jungen Frau erkundigt und sie dann betatscht zu haben.

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Wodka eingeflößt und ins Wasser gezogen

Als sich die Frau von der Gruppe absetzte, soll er sie, laut Anklage, verfolgt, ihr eine Flasche mit Wodka in den Mund gedrückt und eine größere Menge davon eingeflößt haben. Als ihr schlecht wird und sie sich nach vorn beugt, nutzt er das aus und versucht, sie zu vergewaltigen. Sie wehrt sich nach Kräften, das macht ihn wütend. Er schlägt ihr mit der Hand und der Faust ins Gesicht, zieht sie Richtung Elbe, drückt ihr Gesicht unter Wasser und zieht sie schließlich ganz in die Elbe, so die Vorwürfe.

Inzwischen sind Passanten aufmerksam geworden. Daraufhin lässt der Angeklagte von der Frau ab und flieht. Die Geschädigte zieht sich Schwellungen, Unterblutungen im Gesicht, am Oberarm, an beiden Unterarmen und am Knie zu, außerdem Kratzer und Rötungen. Ihre künstlichen Fingernägel sind teilweise abgebrochen. Doch das sind nur die äußerlich sichtbaren Schäden. Viel größer sind wohl die Psychischen.

Festgenommen und gleich wieder entlassen

Der Tatverdächtige, ein 23 Jahre alter Asylbewerber aus Afghanistan, wird festgenommen, am selben Tag aber wieder entlassen. Zehn Tage später erlässt das Amtsgericht Dresden Haftbefehl. Der Mann soll schon wieder eine ähnliche Tat in Meißen begangen haben. Am 15. Juli vorigen Jahres wird er schließlich gefasst. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft und seit Dienstag vor Gericht. Viel sagt er dort nicht, zu den vorgeworfenen Taten will er sich nicht äußern. Nur, dass er im Iran geboren wurde, in Großenhain lebt und dort eine Freundin und mit dieser ein Kind hat, sagt er dem Gericht.

Dieses hat insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt. Ursprünglich sollte auch die zweite Tat mitverhandelt, beide Verfahren verbunden werden. Doch daraus wird nichts. Die Verteidigung hat für diese Taten ein Glaubwürdigkeitsgutachten über die Geschädigte beantragt. Dieses Gutachten wird wohl erst im März fertig.

Doch so lange kann die Große Jugendkammer mit der Eröffnung der Verhandlung nicht warten. Der Angeklagte sitzt fast sechs Monate in U-Haft. Das ist normalerweise die Höchstdauer. Beginnt innerhalb dieser Frist nicht die Verhandlung, gibt es einen Haftprüfungstermin. Oft wird dann eine Entlassung aus der U-Haft angeordnet. Und so werden jetzt erst die Taten vom 20. Juni vorigen Jahres verhandelt.

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Am Donnerstag soll die 17-jährige Geschädigte als Zeugin per Videoschalte gehört werden. Möglicherweise fällt schon nächste Woche das Urteil. Sollte der Mann schuldig gesprochen und verurteilt werden, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Seine Freundin und sein Kind, die am ersten Verhandlungstag zumindest zeitweise mit im Saal saßen, werden dann wohl lange Zeit auf ihn verzichten müssen.

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