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Warnstreik im Kabelwerk Meißen

Seit 2017 haben die Mitglieder der IG Metall keinen Tarifvertrag. Dafür kämpfen sie jetzt. Sie wollen dabei nicht nur mehr Geld.

Auf einem Plakat gegenüber des Kabelwerks forderten Gewerkschaftsmitglieder Anfang Oktober mehr Lohn. Jetzt streiken sie.
Auf einem Plakat gegenüber des Kabelwerks forderten Gewerkschaftsmitglieder Anfang Oktober mehr Lohn. Jetzt streiken sie. © Claudia Hübschmann

Meißen. Drei Jahre hat es gedauert, bis die Mitarbeiter im Betrieb mitziehen. Nun ruft die IG Metall Riesa zum Warnstreik im Kabelwerk Meißen auf. Hintergrund ist: Seit 2009 wurden die Löhne im Betrieb nicht erhöht. Für mehr Gehalt wünschen sich die IG-Metall-Mitglieder im Betrieb eine Rückkehr in die Tarifbindung. Seit 2017 gibt es keinen Tarifvertrag mehr, wenn sie neu eingestellt werden. Über Jahre habe sich der Arbeitgeber gegen eine Entwicklung des Tarifvertrags gewehrt, steht in einer Pressemitteilung der IG Metall Riesa.

So kündigte 2017 die Geschäftsführung den Tarifvertrag. Auf eine SZ-Anfrage hat diese bisher noch nicht geantwortet, was der Grund für die Entscheidung damals war. Die einseitige Kündigung habe eine Zweiklassengesellschaft zur Folge, steht es in der Pressemitteilung weiter. Denn alle neu eingestellten Kollegen arbeiten 40 Wochenstunden, die zuvor eingestellten aber nur 38 Wochenstunden.

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Es geht der Gewerkschaft aber auch um mehr Mitbestimmung im Betrieb wie vor 2017: beim Gehalt oder anderen arbeitsrechtlichen Bestimmungen. Das ist nicht mehr möglich. "Deshalb fordern die Arbeiter jetzt nachdrücklich, dass sich etwas ändert", kommentiert der Gewerkschaftssekretär Steven Kempe Anfang Oktober ein kritisches Plakat, das die IG Metall gegenüber dem Kabelwerk platzierte. Darauf stand: "11 Jahre ohne Lohnerhöhung im Kabelwerk sind genug".

"Düstere Prognosen für die Beschäftigten"

"Trotz mehrmaliger Aufforderung zur Verhandlung eines neuen Tarifvertrages entzieht sich der Arbeitgeber bisher seiner Verantwortung und predigt stattdessen düstere Prognosen für die Beschäftigten, wenn sie an ihrer Forderung festhalten“, sagt Steven Kempe weiter. Geschäftsführer Lars Balzer teilte dazu Anfang Oktober der SZ schriftlich mit: "Der Bogen darf jetzt nicht überspannt werden, die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes muss auch für die Zukunft gesichert sein." Denn jede Entgelterhöhung für die Mitarbeiter müsse vom Kunden bezahlt werden. Zudem habe das Kabelwerk weniger Aufträge. Dadurch erziele das Unternehmen nicht den entsprechenden Umsatz, der den notwendigen finanziellen Spielraum für Entgeltsteigerungen gibt."

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Erst vor drei Wochen versammelten sich etwa 50 Mitarbeiter vor dem Eingang des Kabelwerks. Zu einer "aktiven Mittagspause", wie Steven Kempe am Ort mitteilte. "Das ist noch kein Warnstreik", betonte er. Deshalb habe man sich nur eine halbe Stunde in der Pause getroffen. Auf diese Weise wurde die Arbeit nicht niedergelegt. Mit dem geplanten Warnstreik am Montag ändert sich das nun. Um einen neuen Tarifvertrag zu erwirken, ruft die IG Metall Riesa deshalb seine Mitglieder im Kabelwerk zum Warnstreik auf: am Montag, 9. November, ab 12.30 Uhr.

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